Forum von Michael Jäckel

Staub ist Luxus: Über Werbung, Reinheit und das Zuhause

Staub ist Luxus: Über Werbung, Reinheit und das Zuhause

Symbolfoto: l'essentiel/Vincent Lescaut

Wer nach sinnverwandten Wörtern für „Reinheit“ sucht, erhält Vorschläge wie Sauberkeit, Frische, Vollendung. Etwas ist ohne Fehl und Tadel. Es ist auf sprachlicher Ebene die wohl deutlichste Opposition zu einem Wort, das in die Rubrik des Konsonantenstaus gehört: Schmutz. Es geht um die Rückkehr zu einem Urzustand, Spuren zu beseitigen, dem Gegenstand das Gebrauchte nehmen, ihn in neuem Glanz erscheinen lassen.

In den großen und vielleicht auch goldenen Jahren der Fernsehwerbung wurde mit viel Kreativität an Beschreibungen eines freundlichen und angenehmen Umfelds, dem Zuhause, gearbeitet. Selbst die hartnäckigen Fälle – man denke an den Pfannenreinigungswettbewerb zweier spanischer Gemeinden – muss der Rückkehr zu spiegelnden Arbeitsflächen ein Zauber innewohnen. Und überall wuchsen den Werbeslogans Flügel. Werbefiguren konnten es, was ihre Popularität anging, mit Prominenten aus Funk und Fernsehen aufnehmen. Gerne wird in diesem Zusammenhang an Klementine erinnert. 16 Jahre lang, von 1968 bis 1984, gab die deutsche Schauspielerin Johanna König einem Waschmittel ein fröhliches Gesicht. Das ging über die Jahre im wahrsten Sinne des Wortes „porentief“ ins Bewusstsein. Denn so rein sollte die Wäsche sein, wenn den Ratschlägen Folge geleistet wurde.

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