Kommentar

Rumäniens Schockwahl zeigt Manipulationsrisiken des Cyberwahlkampfs auf

Calin Georgescu, Erstgewählter im Rennen um das Präsidentenamt in Rumänien, hatte niemand auf dem Schirm – außer Moskau

Calin Georgescu, Erstgewählter im Rennen um das Präsidentenamt in Rumänien, hatte niemand auf dem Schirm – außer Moskau Foto: Alexandru Dobre/AP/dpa

Nichts scheint mehr, wie es war nach Rumäniens Albtraumwahl. Über ein Drittel hat für rechtsradikale Kandidaten gestimmt. Ausgerechnet ein russophiler NATO-Gegner könnte Präsident eines NATO-Mitglieds und ukrainischen Nachbarn werden. Der Verdruss über die unpopuläre große Koalition, die Angst vor dem Überschwappen des Ukraine-Kriegs und die lenkende Hand Moskaus sind sicher Faktoren, die bei dem Ausgang der Protestwahl eine Rolle spielten.

Besorgniserregend ist aber auch, dass Meinungsforscher und Medien den Blitzaufstieg eines von Trollen und Bots unterstützten und vermutlich von Moskau gepushten TikTok-Kandidaten in wenigen Tagen aus dem Nichts kaum kommen sahen – und mit herkömmlichen Analysemethoden nicht zu erfassen vermochten. Erstmals wurde der Stimmenstreit im Karpatenstaat fast ausschließlich über die sozialen Medien im direkten Kontakt mit den Wählern weitgehend ohne Moderation der traditionellen Medien geführt.

Griffige Botschaften kommen bei einem Publikum ohne große Vorkenntnisse an. Inhalte verschwinden hinter der Form – und Präsentation. Der Urnengang sollte auch für die Anhänger des Cyberwahlkampfs unter mitteleuropäischen Stimmenjägern ein Warnsignal sein. Rumäniens Schockwahl hat nicht nur dessen Möglichkeiten, sondern auch Manipulationsrisiken drastisch aufgezeigt.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Leserforum

Vëlo fueren zu Esch – Awer wou?

Leserforum

Brandmauern