Editorial

Ruben Querinjean: Ein Sportler, mit dem sich Luxemburg identifizieren kann

Bodenständig, sympathisch und immer dankbar: Ruben Querinjean ist längst mehr als nur ein erfolgreicher Leichtathlet. Mit seiner Art und seinen Leistungen ist der 24-Jährige zu einem echten Aushängeschild des Luxemburger Sports geworden.

Eine Medaille für all diejenigen, die sich mit Ruben Querinjean identifizieren können

Eine Medaille für all diejenigen, die sich mit Ruben Querinjean identifizieren können Foto: FLA

„Ich bin mir bewusst, dass es Kritik geben wird. Es werden Leute sagen: ‚Er ist Belgier‘, während die Leute in Belgien wiederum sagen werden: ‚Er ist Luxemburger.‘ Aber ich sage: Ich stelle mich allen zur Verfügung, die sich mit mir identifizieren können. Das ist das Wichtigste. Alle Luxemburger, die diese Medaille annehmen möchten: Sie ist für euch. Ich mache das mit großer Freude.“

Es sind Worte, die Ruben Querinjean am Sonntag kurz nach seinem historischen EM-Silber über 3.000 Meter Hindernis in Birmingham zum Tageblatt sagte. Der 24-Jährige ist gebürtiger Belgier, und in Malmedy aufgewachsen. Da er die luxemburgische Staatsbürgerschaft über seine Vorfahren erhalten hat, sieht ihn so mancher nationaler Sportfan jedoch nicht als richtigen Luxemburger. Etwas, das ihm durchaus bewusst ist.

Doch wie sollte man sich nicht mit diesem jungen Sportler identifizieren können? Seit er durch seine überraschende Bronzemedaille 2021 im U23-Rennen der Cross-Europameisterschaft in Dublin erstmals größer in Erscheinung trat, ist da diese Bodenständigkeit, die Ruben Querinjean auszeichnet. Ein Sportler, der nicht nur durch seine Disziplin und Leistungen auf der Bahn, sondern auch durch seine natürliche und sympathische Art ein Vorbild für die Jugend ist. Beim 24-Jährigen ist bei jedem Wettkampf diese Dankbarkeit spürbar, dass er früh in Luxemburg die Unterstützung erhalten hat, die ihn dahin gebracht hat, wo er jetzt ist. So war er auch überrascht, dass er nach seinem Sieg beim Diamond-League-Meeting im letzten Jahr in Brüssel im Dezember zum Luxemburger Sportler des Jahres gewählt wurde. Eine Auszeichnung, mit der er nicht gerechnet hatte.

Ruben Querinjean, so viel kann man jetzt schon sagen, hat dem luxemburgischen Sport bereits viel zurückgegeben. Er gehört nicht nur zu den Sportlern, die dafür sorgen, dass die Leichtathletik derzeit eine neue Popularität genießt und immer professioneller aufgestellt ist. Er war sich im letzten Jahr auch nicht zu schade, bei den Landesmeisterschaften über 1.500 Meter den Tempomacher für Charel Grethen zu spielen. Ein weiteres Beispiel, das zeigt, dass er sich selbst absolut mit Luxemburg identifiziert.

Umso trauriger sind Kommentare in den sozialen Medien wie „en français svp.“, die darauf anspielen, dass Querinjeans Muttersprache Französisch ist und er daher auch kein Luxemburgisch spricht. Warum sich nicht mit einem Sportler – der übrigens zwei von drei offiziellen Landessprachen spricht – über seinen Erfolg freuen und darüber, dass er gemeinsam mit einer Patriza Van der Weken derzeit ein kleines Land wie Luxemburg auf der internationalen Leichtathletikkarte immer mehr in den Blickpunkt rückt? In Schweden werden die Siege und Weltrekorde von Superstar Armand Duplantis, der in den USA geboren und aufgewachsen ist, ja auch gefeiert.

Ruben Querinjean jedenfalls lief am Sonntag in Birmingham mit großer Freude und es war für Luxemburg eine große Freude, ihm dabei zuzuschauen.

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