Kommentar
Rent-a-cop: Wie in Luxemburg mit strukturellen Problemen umgegangen wird
Auf der Suche nach Rekruten: Der Beamtenmangel bei der Polizei ist seit Jahren ein Problem Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Zugegeben: Der Titel ist nicht selbst ausgedacht. Doch er verdeutlicht auf eine recht treffende Art und Weise, wie in Luxemburg mit strukturellen Problemen umgegangen wird.
Luxemburg-Stadt hat entschieden, auf privates Sicherheitspersonal zurückzugreifen, um den Bewohnern des Bahnhofviertels ein Sicherheitsgefühl zu vermitteln. Dass genau das in Differdingen schon seit über einem Jahr der Fall ist, hat bei der ganzen Diskussion anscheinend niemanden interessiert.
Dass die Probleme in beiden Fällen jedoch auch mit Pseudopolizeigewalt nicht zu lösen sind, dürfte jedem klar sein. Kleinere Unruheherde lassen sich somit vielleicht beruhigen, die Drogenproblematik wird dadurch jedoch weiterhin ungelöst bleiben. Den Sicherheitsbeamten fällt dabei die wohl undankbarste Aufgabe zu. Sie sollen ohne klaren Auftrag mitten ins Geschehen eingreifen, ohne wirklich zu dürfen.
Nachhaltige Lösungen – in dem Fall mehr Polizeipersonal und ein Umdenken in der Drogenpolitik – müssten her. Die erfordern jedoch, dass sich auf allen Ebenen der Politik mit den zugrundeliegenden Problemen befasst wird. Warum es der Polizei schon seit Jahren an Rekruten mangelt? Ist doch egal, wenn mit einer groß angelegten PR-Kampagne für eine Karriere bei der Polizei geworben werden kann. Eigentlich sehr treffend, dass die Rekrutierungskampagne mit dem Slogan #MirSichenDech schon eher einem Fahndungsaufruf gleichkommt.
Was bleibt, sind die kurzfristigen Aushilfsmittel: die Lösungen „à la luxembourgeoise“. Nicht genug Pflegepersonal vorhanden? Rekrutieren wir doch einfach im nahen Ausland. Nicht genug Lehrer vorhanden? Erleichtern wir doch einfach den Zugang zum Lehrerberuf. Nicht genug Polizisten vorhanden? Mieten wir uns einfach ein paar Beamte an.
Damit soll all jenen, die sich ihrem Beruf mit Freude widmen und sich den täglichen Herausforderungen stellen, keineswegs eine schlechte Arbeit unterstellt werden. Auch die Nachricht, dass die privaten Sicherheitsleute in Luxemburg-Stadt auf Patrouille gehen, wurde von den Bewohnern mit Wohlwollen aufgenommen. Es sollte nur jedem klar sein, dass auch das keine langfristige Strategie sein kann, um die strukturellen Probleme im Land anzugehen.