Editorial
Realitätscheck: Europa braucht bessere Leitgedanken als Effizienz
Zu Hause verursacht er Krisen, bei den Nachbarn kann er sich als Europäer feiern lassen: Emmanuel Macron Foto: Jean-Christophe Verhaegen/POOL AFP/dpa
So schwer es Emmanuel Macron gerade im eigenen Land (absolut selbstverschuldet) zu überzeugen fällt, so begeistert hat man den französischen Präsidenten in der vergangenen Woche bei den Nachbarn empfangen. Zugegeben, der Anlass war dankbar: Als internationaler Ehrengast bei der deutschen Einheitsfeier muss man sich nicht durchs dornige Dickicht kleinteiliger Innenpolitik kämpfen, sondern darf und soll den ganz großen Pinsel schwingen. Das ist Macron gelungen. Aus der Geschichte des wiedervereinigten Deutschlands leitete der französische Präsident einen dringlichen Ruf nach einer neuen Epoche eines geeinten Europas ab – und erntete dafür Standing Ovations und parteiübergreifende Glückwünsche.