Kommentar
Die unbequeme Lehre aus Trumps Besuch in Peking
China hielt gegen – und bekam dafür Respekt. Europa setzte auf Zugeständnisse und Appelle. Der Unterschied zeigt, was Trump wirklich beeindruckt. Die Lektion ist so simpel wie unbequem.
Für Europa gibt es aus der China-Reise einiges zu lernen Foto: AFP/Wang Zhao
Auf seiner Reise nach China fiel Donald Trump durch eine Eigenschaft auf, die man an ihm selten beobachtet: Disziplin. Der US-Präsident hielt sich an Manuskripte. Er verzichtete auf spontane Äußerungen gegenüber Journalisten. Selbst sein sonst im Minutentakt bespielter Online-Kanal Truth Social blieb häufig stumm. Und dann, als der Staatsbesuch endete, sprach er nicht über Geopolitik, sondern über den Ballsaal, den Amerika brauche – so wie China einen hat. Es ist ein Rückzug ins Nebensächliche, und er sagt viel über Trumps verfahrene Situation aus.
Dabei haben die USA und China wahrlich größere Probleme: Der Handelsstreit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften, die Taiwan-Frage oder die Blockade der Straße von Hormus. Alles Themen, die eigentlich nach Antworten verlangen. Doch gelang es Trump nicht, bei den Gesprächen mit Xi Jinping voranzukommen. Im Gegenteil: Die Regierung in Peking warnte die USA unmissverständlich vor einem falschen Umgang in der Taiwan-Frage. Den Iran-Krieg kommentierte das chinesische Außenministerium auffallend scharf: Dieser Konflikt „hätte niemals stattfinden dürfen“.
Man könnte ungeachtet aller Höflichkeiten fast von einer Klatsche sprechen. Jedenfalls waren die Chinesen deutlich konfrontativer – darüber konnte auch der inszenierte Prunk nicht hinwegtäuschen. Die spärlichen Wirtschaftsdeals, die Trump mit nach Hause genommen hat, konnten noch nicht einmal die Finanzmärkte beeindrucken. Immerhin wird der – nach wie vor brüchige – Handelsfrieden zwischen beiden Ländern wohl verlängert.
Kein Respekt für schwache Freunde
Für Europa gibt es aus der China-Reise einiges zu lernen. Während die Europäer Trump seit über einem Jahr mit Erklärungen, Zugeständnissen und Appellen begegnen, hat Peking gegengehalten – und dafür Respekt bekommen. Die Lektion ist so simpel wie unbequem: Trump respektiert keine Freunde und gewachsene Partnerschaften, wenn er sie als schwach wahrnimmt. Das zeigten zuletzt auch seine Angriffe auf Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Trump respektiert wiederum Gegner, die er nicht kleinkriegt – und wo der Preis der Eskalation zu hoch wird. Chinas Hebel sind Exportkontrollen auf seltene Erden, die für Rüstungs- und High-Tech-Projekte unverzichtbar sind. Und siehe da: Statt auf Konfrontation zu gehen, wandte sich Trump lieber wieder seinem Ballsaal zu.
Die europäischen Demokratien haben natürlich andere Werte, andere Interessen, andere Mittel als das System in Peking. Aber auch sie haben politische und ökonomische Hebel gegenüber Washington. Und mit Trump verhandelt man nicht durch Nachgeben. Sondern mit einer Rückbesinnung auf die eigene Stärke.