Reportage aus Saarbrücken
Einigkeit und Recht und Schwarzwälder Kirschtorte
Zum 35. Mal feiert Deutschland seine Einheit – mit einem dreitägigen Fest in Saarbrücken und hohem internationalem Besuch. Aber was genau feiert man hier eigentlich? Eine Nation oder Europa? Die Vergangenheit oder die Zukunft?
Vom vereinigten Deutschland zum geeinten Europa: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist Ehrengast beim 35. Tag der Deutschen Einheit Foto: Jean-Christophe Verhaegen/POOL AFP/dpa
Es riecht nach frischer Farbe. Zwei Männer tunken Malerrollen an Teleskopstangen in Eimer auf dem Bürgersteig. Dort, wo vor wenigen Minuten noch ein mannshohes Graffiti den 1. FC Saarbrücken feierte, glitzert jetzt weiße Farbe. Es ist Mittwochmorgen, noch zwei Tage bis zum großen Ereignis – und die ganze Stadt ist im Umbau. Weil das Saarland in diesem Jahr den Vorsitz im Bundesrat innehat, finden die Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit in der saarländischen Hauptstadt statt. Drei Tage Nationalfeiertag, mit Bürgerfest, Gottesdienst, offiziellem Festakt, Hunderttausenden Gästen. Die Straßen sind gesperrt, der Alltag in der Stadt lahmgelegt. Saarbrücken als einzige Flaniermeile, die sich über die gesamte Innenstadt erstreckt, vom Bahnhof über die Einkaufsstraße, durch die Altstadt, zum Landtag und darüber hinaus bis in den Osten der Stadt.