Editorial
Putin holte sich Verbrecher, andere bekamen die Freiheit
Drei der freigekommenen russischen Staatsbürger nach ihrer Ankunft in Deutschland: (v.l.) Wladimir Kara-Murza, Andrej Pivovarov und Ilja Jaschin Foto: AFP/Ina Fassbender
Wir sollten uns keinen Illusionen hingeben, die Kritiker des jüngsten Gefangenenaustauschs zwischen Russland und dem Westen dürften Recht behalten: Die westlichen Staaten machen sich erpressbar und könnten vermutlich früher oder später erneut von Moskau, Belarus oder sonstigen Diktaturen zu solch umstrittenen Abmachungen genötigt werden. Der russische Botschafter in den USA, Anatoli Antonow, hat bereits wissen lassen, dass sich noch weitere russische Häftlinge in den USA nach Mütterchen Russland sehnten. An politischen Gefangenen mangelt es dem Putin-Regime seit Beginn der umfassenden Invasion in der Ukraine nicht. Seit der Niederschlagung der Demokratiebewegung im Jahr 2020 hält auch sein belarussischer Vasall, Alexander Lukaschenko, noch viele Politische in seinen Straflagern fest. Unter ihnen Maria Kolesnikowa, die im Bunde mit Svetlana Tichanowskaja und Weranika Zepkala bei den Präsidentschaftswahlen im August 2020 dem damals letzten Diktator Europas die Stirn bot. Von Maria Kolesnikowa gibt es seit mehr als einem Jahr kein Lebenszeichen mehr.