Der Politflüsterer
Likes mit Folgen, geklautes Polizeiboot und Hut statt Caritas
Ein verschwundenes Polizeiboot, Weidigs gelbe Karte, Verteidigung mit Hut, Hitzestress und die Frage, warum die Mosel als Kulturhauptstadt Europas noch so viele Skeptiker hat. Des Politflüsterers Wochenrückblick.
Der ganze Stolz der Luxemburger Armee: Der Moselkreuzer war am Montag verschwunden Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Jemand hat den Moselkreuzer der Polizei in Grevenmacher gestohlen. Er lag am Montag nicht mehr an seinem „Giraffenkai“. Der Politflüsterer fragte sich, ob die Jungs und Mädels vom Moselkommissariat böse Piraten jagten oder bei der Hitze einfach ein schattiges Plätzchen gesucht hatten.
Gut, dass niemand Anzeige erstattete. Denn am Dienstag tauchte der Nachen plötzlich wieder auf. Nicht auf der Mosel. Sondern in Schale geworfen bei der Militärparade in Luxemburg-Stadt. Offenbar hatte man zum Nationalfeiertag alles mobilisiert, was schwimmen, fahren oder marschieren kann. Der Politflüsterer will sogar gehört haben, dass eine Einheit den Pokal vom Tontaubenschießen mittragen wollte.
Dann standen sie da am Straßenrand. Patrioten oder einfach Schaulustige? Das ist manchmal gar nicht so leicht zu unterscheiden. Genauso wenig wie jene, die eine Botschaft verfassen, und jene, die sie mit einem Klick beklatschen.
Wer eine Nachricht von seltener Dummheit öffentlich gut findet, bekommt eine Verwarnung. ADR-Weidig sah Gelb. Andere sehen bei ihm längst Rot und halten ihn für den schlimmsten aller Neu-Rechten. Der Politflüsterer empfiehlt Gelassenheit. Bei der einen oder anderen Petition würden wir vermutlich noch auf ganz andere Gestalten treffen. Früher hieß es: Zeig mir deine Freunde, und ich sage dir, wer du bist. Heute genügt oft schon ein Like – oder eine Petition.
„Auch Luxemburg muss seinen Beitrag zur Verteidigung leisten“, sagte jemand am Dienstag beim Armeefest in der Hauptstadt. Eine fleischgewordene Charmeoffensive, dachte der Politflüsterer. Der Mann mit Hut erinnerte ihn irgendwie an Luxemburgs Weihbischof. Mit Hut statt Caritas. Dachte der Mann bei Verteidigung an den Kampf gegen den Klimawandel? Oder doch eher an Panzer und Kanonen?
„Sie reden wieder einmal vom Krieg“, sinniert der Politflüsterer, während er im Darknet Ventilatoren zu Wucherpreisen entdeckt. „Das bisschen Hitze ist doch kein Problem“, sagen manche. Ach ja? Dann fragt doch einmal die Deutsche Bahn. Oder die CFL.
Fast mehr als die Hitzewelle beschäftigt den Politflüsterer allerdings, dass die Idee einer Europäischen Kulturhauptstadt Mosel bislang auf erstaunlich wenig Begeisterung stößt. Liegt es am Wort Europa? Oder am Wort „Kultur“? Vielleicht ist es aber auch einfach zu heiß zum Träumen.
Der Politflüsterer zieht derweil die Füße aus dem Eiswasser. Vielleicht entstehen die besten Ideen ja nicht auf dem Trockenen. Sondern mit den Füßen im kalten Wasser. (Marco Goetz)