Kommentar

Komplexe Probleme erfordern mehr als einfache Lösungen

Die Hauptstadt scheint private Sicherheitsfirmen als Allheilmittel einzusetzen. Diese Entwicklung ist problematisch.

Der Einsatz privater Sicherheitsunternehmen – wie hier am Theaterplatz – birgt Risiken

Der Einsatz privater Sicherheitsunternehmen – wie hier am Theaterplatz – birgt Risiken Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Der hauptstädtische Schöffenrat um Bürgermeisterin Lydie Polfer (DP) scheint die perfekte Lösung gegen Kriminalität in Luxemburg-Stadt gefunden zu haben: Sicherheitsfirmen. Wachpersonal soll in Zukunft nach dem Diebstahl auf einem Friedhof in Hollerich Mitte Juni diesen bewachen. Sobald ein Ort in der Hauptstadt in den Schlagzeilen ist, wird ein privates Sicherheitsunternehmen beauftragt – Problem gelöst? Nein!

Ein Beispiel: Zuerst kamen Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma Ende 2020 im Bahnhofsviertel zum Einsatz. Fünf Jahre später hat sich die Situation laut den Anwohnern und ansässigen Geschäftsleuten nicht entspannt. Gerade hier, wo der Problematik komplexe soziale Ursachen zugrunde liegen, reicht ein Wachdienst eben nicht aus. Doch alternative Lösungen werden in der Stadt nicht in Betracht gezogen.

Private Sicherheitsfirmen kosten außerdem öffentliche Gelder – die Stadt hat dafür 2026 alleine 9,1 Millionen Euro in ihrem Haushaltsplan vorgesehen. Klar, das Sicherheitsgefühl ist immer subjektiv. Umso wichtiger sind dafür konkrete Zahlen zur Wirksamkeit. Diese wurden der Öffentlichkeit bislang nicht präsentiert. Bereits 2021 kam die Bürgermeisterin während einer Pressekonferenz bei genau dieser Frage ins Straucheln. Anlass damals: Ein Hund einer Sicherheitsfirma hatte einen Mann gebissen und sich auch durch Kommandos nicht stoppen lassen. Ohne verlässliche Zahlen zur Effektivität solcher Dienstleister kann der Steuerzahler allerdings nicht wissen, ob seine Abgaben sinnvoll genutzt werden. Das ist jedoch ein elementarer Bestandteil der demokratischen Teilhabe.

Der Einsatz eines Security-Dienstes auf einem Friedhof ist durchaus vertretbar. Dennoch können diese nicht die Standardlösung für komplexe Probleme sein. Vor allem, wenn Fragen nach Wirksamkeit und Kosten unbeantwortet bleiben. So einfach lässt sich das Problem dann eben doch nicht lösen.

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