Editorial

Krisenbewältigung nur dank der Menschen

Es geht um unsere Zukunft 

Es geht um unsere Zukunft  Foto: Editpress-Archiv

Tripartite – Teil eins. Gestern saßen Regierung, Patronat und Gewerkschaften im Schloss Senningen an einem Tisch. Es ging um die Zukunft des Landes. In der Pause, gegen 19 Uhr, wurde ihnen warmes Essen serviert. Die Pressevertreter hingegen bekamen belegte Brötchen. Verhungern mussten sie also nicht. Vor allem nicht, weil ihnen die Reste des Desserts gereicht wurden. Es ist ein Detail. Eigentlich ein Unding, das zeigt, dass nicht alle am selben Tisch saßen. So wie nicht alle am selben Tisch sitzen, wenn es um existenzielle Fragen für morgen geht.

Die Menschen im Land machen sich Sorgen und fühlen sich nicht eingebunden. Ja, die Zukunft sah schon mal besser aus. Das hat nichts mit dem nahenden Herbst zu tun. Eher damit, dass wir derzeit von einer Krise in die nächste zu schlittern scheinen. Offensichtlich brennt es an allen Ecken. Krisensitzungen sind an der Tagesordnung und fast scheint es, als ob ihre Hauptdaseinsberechtigung darin bestünde, uns auf noch schlimmere Szenarien einzustimmen.

Die Pessimisten gewinnen die Oberhand. Jene, die den Teufel an die Wand malen. Die Optimisten verlieren an Hoheit. Ihnen geht die Leichtigkeit verloren. Krisenmeldungen trüben den Alltag und damit auch die Hoffnung. Dabei ist Hoffnung der einzige Motor, der uns antreibt.

Alle reden von Fortschritt und damit verbundenen nötigen Veränderungen. Nur, wie soll das aussehen in der Praxis und vor allem, wem soll es zugutekommen? Darauf gibt es viele Antworten, aber keine vollumfänglichen Lösungen. Zumindest keine, die alle mit ins Boot nehmen, und besonders keine, die nicht Gefahr laufen, das Kind mit dem Bade auszuschütten.

Ja, im Prinzip teilen wir eine Einsicht. Nämlich die, dass die Herausforderungen dieser Zeit nach Veränderung verlangen. Der Klimaschutz, der Umgang mit Rohstoffen. Nur, wer oder was soll sich wie verändern, um den Anforderungen gerecht zu werden? Es geht um unser aller Zukunft.

Aufbruchstimmung wäre nötig. Doch die sieht anders aus als das, was uns jetzt angeboten wird. Eigentlich erwarten wir, dass jemand uns Hoffnung macht. Stattdessen werden wir auf Verzicht getrimmt. Wie äußert sich das? Damit es besser wird, scheint es schlimmer werden zu müssen. Von überall her drohen Einschränkungen. Das ist eine merkwürdige Kommunikation, die statt Hoffnung zu wecken Angst vor der Zukunft macht.

Unterm Strich ist es richtig, dass etwas geschehen muss. Ja, auch dass wir aus Bequemlichkeiten rauswachsen müssen. Trotzdem ist es so, dass wahrer Fortschritt letztendlich allen zugutekommen muss. Ansonsten sollte man sich die Frage stellen, wie jene reagieren könnten, denen der vermeintliche Fortschritt nichts bringt, sie gar zurückwirft. Im Hinblick auf die kommenden Wahlen ist das ein interessanter Gedanke.

Die politischen Parteien täten gut daran, ungeschminkte Perspektiven aufzuzeichnen und ehrlich zu sagen, wie und wohin es geht. Das wird und muss auch nicht jedem gefallen. Doch die Zeit der Täuschung und vor allem der Selbsttäuschung sollte vorbei sein. Wenn die aktuelle Krise etwas Gutes hat, dann diese Einsicht. Und wenn nichts mehr gehen sollte, werden wir halt Brötchen essen müssen.

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