Editorial

„Jidderee wosst Bescheed“: Das verrät die Affäre Semedo über Luxemburgs Öffentlichkeit

Die Debatte über die Affäre Semedo ist unterirdisch: es dominieren „politique politicienne“, Verharmlosungen, Übertreibungen, Gerüchte, eine latent bis offen rassistische Diskussionskultur – und die Opfer kommen nicht zu Wort.

Die Debatte über die Affäre Semedo ist unterirdisch: es dominieren „politique politicienne“, Verharmlosungen, Übertreibungen, Gerüchte, eine latent bis offen rassistische Diskussionskultur – und die Opfer kommen nicht zu Wort. Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Alle wussten sie Bescheid. Presse. Mitarbeiter. Politiker. Für die einen nur Gerüchte. Für die anderen monatelange Recherchen. Vergeblich. Umso bemerkenswerter, was die Affäre Semedo zutage gefördert hat: Ohne die strenge Anti-Mobbing-Prozedur des Europaparlaments würde vermutlich noch heute „jidderee Bescheed wëssen“ – passiert wäre aber wohl nichts. Die Ursachen für das Versagen sind vielfältig. Mangelnde Beweise. Eine Kultur des Schweigens. Und ganz schön viel Opportunismus, Bequemlichkeit und Schulterzucken auf allen Ebenen. Es stimmt bedenklich, dass es erst den Mut von drei Arbeitnehmern brauchte, um sich zur Wehr zu setzen und auf die Missstände hinzuweisen – von denen doch angeblich jeder wusste.

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