Editorial

In Einfalt geteilt: Die Großmächte locken Europas Staaten aus der Herde

Europa ist nur noch stark, wenn es geschlossen steht. Das wissen seine Feinde von Washington bis Peking – und sie arbeiten hart daran, die Einheit in Vielfalt zu zersetzen. Der Hochmut einiger Europäer spielt ihnen dabei in die Hände.

Marco Rubio, US-Außenminister, spricht bei der 62. Münchner Sicherheitskonferenz MSC vor Publikum

Marco Rubio, US-Außenminister, spricht bei der 62. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) Foto: Kay Nietfeld/dpa

Marco Rubio hat den Mittelgewichten der europäischen Politik in einem fast schon höhnischen Akt der Versöhnung eine Handvoll Kuchenkrümel vor die Füße geworfen. Anders lässt sich die Rede des US-Außenministers bei der Sicherheitskonferenz in München kaum beschreiben. Ein paar elegische Beschwörungen einer gemeinsamen Vergangenheit sollen reichen, um die Wogen zu glätten, die sämtliche diplomatischen Brüskierungen des vergangenen Jahres aufgeworfen haben? Lachhaft.

Aber vielleicht ist es gar nicht Rubios Ziel, die Wogen zu glätten – sondern Zwietracht zu säen. Denn was haben Trump und seine Handlanger bei ihrem Vorstoß rund um Grönland feststellen müssen? Wer aggressiv gegen Europa vorgeht, kann sich unversehens einer Mauer erstaunlicher Geschlossenheit gegenübersehen. Nach dem performativen europäischen Duckmäusertum in Washington hatte man das wohl nicht mehr erwartet. Also muss ein Strategiewechsel her: Teile und herrsche. Und wenn man dem Gegner nicht mit Einschüchterung beikommt, dann eben mit Bauchpinselei.

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