Editorial
Hat die FLF ein Frauenproblem?
Im Verwaltungsrat der FLF sitzen künftig wieder ausschließlich Männer. Die Abwahl von Carine Nardecchia und das Fehlen einer weiteren Kandidatin werfen Fragen auf: Tut der größte Sportverband des Landes genug, um Frauen für Führungspositionen zu gewinnen?
Der Verwaltungsrat der FLF im Jahr 2026 Foto: Editpress/Christelle Diederich
Hat die FLF ein Frauenproblem? Es ist eine Frage, die nach dem Kongress des nationalen Fußballverbandes am Samstag in Wintger gestellt werden muss. Mit Carine Nardecchia wurde die bislang einzige Frau im Verwaltungsrat der FLF nach acht Jahren abgewählt. In den kommenden beiden Jahren besteht das Führungsgremium des größten Sportverbandes des Landes damit wieder ausschließlich aus Männern.
Es geht auch anders
Dass es auch anders geht, zeigt ein Blick auf andere große Mannschaftssportarten. Der Handballverband FLH verfügt derzeit über ein Gremium aus 14 Personen, von denen genau die Hälfte Frauen sind. Gleich zwei von ihnen, Sandra Flenghi und Josée Keiffer, bekleiden das Amt der Vizepräsidentin. Beim Volleyballverband FLVB steht mit Norma Zambon sogar eine Frau an der Spitze. Drei weitere Frauen sind in wichtigen Positionen im Vorstand vertreten. Beim Basketballverband FLBB gehören dem Vorstand nach der Wahl im September noch drei Frauen an. Bereits vor 20 Jahren stand mit Marion Grethen eine Frau an der Spitze des Verbandes.
Das nationale Olympische Komitee (COSL) ging sogar einen Schritt weiter: In seinen Statuten war festgeschrieben, dass mindestens drei Frauen dem Verwaltungsrat angehören müssen. Eine von ihnen war über viele Jahre Marie-Paule Hoffmann. Sie habe dabei jedoch nie das Gefühl gehabt, eine Quotenfrau zu sein. „Ich kam aus dem Leistungssport und wollte meinen Teil dazu beitragen“, betont sie im Gespräch mit dem Tageblatt.
Als Verantwortliche des Frauenfußballs innerhalb der FLF hat auch Carine Nardecchia ihren Teil dazu beigetragen, dass sich dieser in Luxemburg in den vergangenen Jahren bemerkenswert entwickelt hat. Die Zahl der Lizenzen im Frauenfußball ist jedenfalls von 4.709 im Jahr 2022 auf 6.328 im Jahr 2026 gestiegen. Nardecchia wollte im Verwaltungsrat eine Stimme für die Frauen sein. Diese Stimme fehlt dort nun vorerst. Dass ihre Abwahl vor allem persönliche Gründe hatte, davon ist sie überzeugt, wie sie gegenüber dem Tageblatt erklärte: „Es wurde anscheinend nicht geschaut, was geleistet wurde, sondern man hat es auf eine Person abgesehen. Hier wurde nicht der Ball gespielt oder Ergebnisse bewertet, sondern die Frau abgeräumt.“
Sich selbst hinterfragen
Dass Wahlen in die Führungsgremien von Sportverbänden auch von Namen und Persönlichkeiten abhängen, mussten schon viele Männer vor ihr erfahren. Auch Nardecchia war nicht unumstritten. Bedenklich ist vielmehr, dass im Jahr 2026 keine andere Frau bereit war, für einen Posten im Verwaltungsrat zu kandidieren.
Genau hier muss sich der größte Sportverband des Landes selbst hinterfragen. Müsste die FLF nicht vielmehr aktiv daran arbeiten, Frauen für Führungspositionen zu gewinnen? Quotenplätze mögen auf den ersten Blick wie ein Eingriff in die freie Wahl erscheinen. Sie können aber ein wirksames Mittel sein, um kompetenten Frauen den Zugang zu Entscheidungsgremien zu ermöglichen. Auch Marie-Paule Hoffmann sieht darin eine Chance. Frauen, die sonst vielleicht zögern würden, könnten so den ersten Schritt machen und selbst zu Vorbildern für andere werden.
Es geht nicht nur darum, den Frauenfußball zu fördern, was bereits lange genug auf sich hat warten lassen, sondern Frauen auch eine Stimme in den Entscheidungsgremien zu geben. An der Wahl am Samstag waren über hundert Vereine beteiligt, in denen ebenfalls mehrheitlich Männer die Führungsposten innehaben. In dieser Hinsicht hat die FLF derzeit auf jeden Fall ein Frauenproblem.