Editorial
Frieden ja, Nobelpreis nein: Warum Trumps Diplomatie noch nicht reicht
Trump vor US-Soldaten: Wer ein Kriegsministerium will, hat beim Friedensnobelpreis nichts verloren Foto: AFP/Alex Wroblewski
Donald Trump könnte tatsächlich für Frieden im Nahen Osten sorgen. Das ist eine fantastische Nachricht, zweifelsohne. Aber gebührt dem US-Präsidenten deswegen gleich der Friedensnobelpreis, der an diesem Freitag verliehen wird? Selbstverständlich nicht.
Freudenszenen in Gaza. Auf solche Bilder musste die Welt lange warten. Zuletzt gab es sie vor ziemlich genau zwei Jahren zu sehen, im TV, in Zeitungen, im Netz, weltweit. Damals waren es Hamas-Terroristen, aber auch ganz normale Palästinenser, die jubilierend durch die Straßen Gazas zogen und die immer noch kaum in Worte zu fassende mörderische Attacke der Hamas vom 7. Oktober 2023 auf Israel feierten.
Szenen der Erleichterung auch in Israel. Solche gab es in den beiden vergangenen Jahren ebenfalls kaum zu sehen. Jetzt freuen sich Angehörige von Geiseln, ihre Lieben vielleicht lebend wiedersehen zu können. Oder wenigstens ihre Leichen bestatten zu können. Die israelische Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und die israelische Armee haben seitdem einen Krieg zu verantworten, bei dem Zehntausende Palästinenser, zu großen Teilen Frauen und Kinder, in den Tod gebombt und ausgehungert wurden. Ein Kommissionsbericht der Vereinten Nationen schlussfolgerte kürzlich: Das ist ein Genozid, was Israel dort verübt.
Aufatmen in der ganzen Region, nachdem der Krieg Israels gegen die Hamas derart aus dem Ruder gelaufen ist, dass Netanjahu nahezu die gesamte Nachbarschaft angreifen ließ: Iran, Libanon, Syrien, Jemen, zuletzt Katar. Israel war seit dem 7. Oktober vor zwei Jahren im Eifer des Krieges, den es ohne Rücksicht auf Verluste führte. Sein Ansehen in der Welt ist seitdem nicht mehr dasselbe wie davor. Die Folgen davon wird die Zukunft zeigen.
Weltweit gibt es Worte der Zustimmung für US-Präsident Donald Trump, die über das übliche Rumgeschleime hinausgehen, zu dem sich die Staats- und Regierungschefs gegenüber dem US-Präsidenten seit dessen zweitem Amtsantritt herabgelassen haben. Und jetzt? Ein globaler Hoffnungsseufzer, dass dieser Krieg, auch dank Trump, bald enden könnte.
Reicht das für den Friedensnobelpreis, der am Freitag verliehen wird und den Trump offenbar mehr will als alles andere auf der Welt?
Nichts ist den Menschen im Nahen Osten mehr zu wünschen als ein Frieden, der irgendwann vielleicht ein Zusammenleben in der Region erlauben wird, ohne dass der eine den anderen nur noch von der Erdoberfläche getilgt sehen will.
Doch Trump ist trotzdem kein Kandidat für diese Auszeichnung.
Trumps USA führen außergerichtliche Hinrichtungen durch, wenn sie Boote aus Venezuela im Meer versenken. Trump und sein Verteidigungsminister Pete Hegseth wollen US-Soldaten, „die Menschen töten und Dinge zerstören“ und dass diese die US-Städte zu ihrem „Übungsgelände“ machen. Das sei ein „Krieg im Inneren“, sagte Trump. Das Verteidigungsministerium nennen sie inzwischen Kriegsministerium (obwohl die Umbenennung noch nicht offiziell ist).
Sollte Trump tatsächlich für Frieden in Nahost sorgen, wäre das sein bislang größter diplomatischer Erfolg. Und, viel wichtiger, eine wunderbare, hoffnungsfrohe Nachricht in einer Welt, die optimistische Töne gerade nur sehr sparsam versprüht. Trotzdem: Der Friedensnobelpreis und Trump – das passt nicht zusammen. Aber er soll ruhig weiter danach streben. Vielleicht hilft es ja der Ukraine, wo der US-Präsident bislang nicht vorankam. Vielleicht hätte er ihn dann verdient. Wobei: Wer ein Kriegsministerium will, hat beim Friedensnobelpreis nichts verloren.