Der Politflüsterer
Über finstere „Dry January“-Gesichter, Neujahrsansprachen und knallende Sektkorken beim „Bommeleeër bis“-Prozess
Der Politflüsterer meldet sich zurück. Hier sein Bericht vom 10. Januar 2026.
Soll man im Dry January auf dem Trockenen sitzen? Foto: AFP
Totgeglaubte leben länger. Er ist wieder da. Der Politflüsterer. Fit wie ein Turnschuh startet er ins neue Jahr. Vorsicht bei Sarkasmusintoleranz und Ironieallergie.
Überall finstere Gesichter. Was ist los? Dry January! Jener Monat, in dem alle zeigen können, wie charakterfest sie sind. Was auch immer das heißen mag, denkt der Politflüsterer. Leben und leben lassen, soll doch jeder machen, was er will.
Auf Initiative des Gesundheitsministeriums macht Luxemburg zum ersten Mal offiziell mit beim Dry January. Muss man dafür eigentlich Lizenzgebühren zahlen? Winzer und Gastwirte jedenfalls wollen nicht dafür blechen. Ihren Missmut können sie schwer verbergen. Beim Empfang am Montag im Weinbauinstitut in Remich könnte es zum Protest-Prosten mit der zuständigen Ministerin kommen. Keine Angst. Sie nimmt’s sportlich. Doch warum die Aufregung? Bei welchem Neujahrsempfang wurde in diesem Januar bisher nur alkoholfrei serviert? Na also! Von wegen „Auf dem Trocknen sitzen“.
Natürlich halten die Ministerien selbst sich an den Dry January. Niemand hat die Absicht, der Gesundheitsministerin in den Rücken zu fallen. Die gelbliche Flüssigkeit mit hellem Schaum beim Empfang im Innenministerium? Gut informierten Quellen zufolge handelte es sich um Wasser. Vegan. Mit Kurkuma gefärbt, Aquafaba-Krone obenauf. Schein allenthalben.
So wie beim „Bommeleeër bis“-Prozess. Kaum zu ertragen, eigentlich zum Davonlaufen, wird kolportiert. Freisprüche? Wahrscheinlich. Urteil im Februar. Dann knallen bei einigen die Sektkorken. Dry January ist dann längst vergessen.
Vergessen scheint auch, wer eigentlich die Idee hatte, die Neujahrsansprachen von Premierminister Frieden und Außenminister Bettel so unterschiedlich zu gestalten. Das war doch geplant!? Wie zwei Seiten derselben Regierungsmedaille sah es aus. Auf der einen Ernst, auf der anderen die kleinen Ausrutscher. Genialer Theatercoup, denkt jedenfalls der Politflüsterer, während ein Satz durch seinen Kopf hallt: „Et war net keen!“ Realsatire vom Feinsten. Auch 2026. Der Politflüsterer freut sich.
Einen treuen Leser vermisst er jetzt schon: Robi. Ein feiner Geist und kein Freund von humorhygienisch gereinigtem Umfeld. (Marco Goetz)