Editorial
Eine neue Dynamik entsteht: Trainerinnen im Luxemburger Mannschaftssport
Lange Zeit führten sie eher ein Schattendasein: Trainerinnen im Luxemburger Mannschaftssport. Mit zwei prominenten Personalentscheidungen bei den Nationalteams bekommt das Thema eine neue Dynamik.
Sie sind im Luxemburger Mannschaftssport noch immer eine Seltenheit: Frauen auf der Trainerbank, wie die Conterner Basketballtrainerin Fabienne Fuger Foto: Editpress/Gerry Schmit
Als Liz Schmitz, „Chargée de formation et de développement“ beim Basketballverband FLBB, Anfang des Jahres mit dem Tageblatt über Frauen im Trainerberuf sprach, betonte sie, dass diese noch zu oft „den Stempel von der Jugendmannschaft oder den Kleinen“ bekämen. Dass in Luxemburg weiterhin so wenige Frauen erste Mannschaften – nicht nur bei den Herren, sondern vor allem auch bei den Damen – coachen, hängt für sie auch damit zusammen, dass Frauen im Umfeld der Spielerinnen, zu dem nun einmal auch der Trainer gehört, noch immer nicht ausreichend präsent sind.
In den letzten Wochen hat sich in dieser Hinsicht jedoch einiges getan. Denn zwei der großen Verbände im Mannschaftssport haben sich inzwischen dafür entschieden, für ihre Damen-Nationalmannschaften eine Trainerin zu engagieren. Beim Fußballverband FLF ist Cristina Correia nach der Entlassung von Dan Santos gemeinsam mit Daniel Zirbes Teil einer Doppelspitze und stand vor zwei Wochen bei den beiden WM-Qualifikationsspielen gegen Israel bereits an der Seitenlinie. Am Freitag stellte nun der Handballverband FLH in der Person von Nina Kanto seine neue Nationaltrainerin vor.
Eines haben Cristina Correia und Nina Kanto gemeinsam: Beide können auf eine aktive Karriere in ihrem Sport zurückblicken und waren selbst Nationalspielerinnen. Während Correia für Luxemburg auflief und Teil der Mannschaft war, die erstmals eine EM-Qualifikation bestritt, feierte Kanto mit Frankreich große Erfolge, darunter etwa WM-Silber 2011. Auch nach ihrer aktiven Laufbahn sind beide ihrem Sport als Trainerinnen treu geblieben – Kanto leitet seit 2022 das „Centre de formation“ in Metz, im Handball ein Top-vier-Klub in Europa. Correia ist inzwischen im Besitz der UEFA-A-Lizenz.
Trotz dieses Meilensteins – Cristina Correia ist die erste Trainerin bei den FLF-Damen, Nina Kanto die erste, seit das Nationalteam 2017 wieder ins Leben gerufen wurde – bleiben Frauen im Trainerberuf in Luxemburg eine Seltenheit. Das gilt insbesondere für den Ligabetrieb. Doch auch hier gibt es Ausnahmen: So gewann Elodie Martins erst am Wochenende mit den Racing-Damen einen weiteren Meistertitel im nationalen Fußball. Und auch Fabienne Fuger, eine feste Größe in der ersten Damen-Basketballliga, zog mit Contern am Samstag ins Meisterschaftsfinale ein.
Sie alle haben eines gemeinsam: Für den Nachwuchs nehmen sie nicht nur eine wichtige Vorreiterrolle ein, sondern sind auch prägende Vorbilder. Sie zeigen, dass es für Frauen möglich ist, im Trainerberuf Fuß zu fassen – und dort erfolgreich zu sein. Dass nun gleich zwei Damen-Nationalmannschaften von Frauen betreut werden, könnte ein erster Schritt sein, mehr junge Mädchen dazu zu inspirieren, ihrem Sport länger treu zu bleiben. Denn zurzeit gehen viele Athletinnen im Alter von 19 oder 20 Jahren verloren, auch weil sie sich nicht mehr ausreichend mit ihrem Umfeld identifizieren können.
Vielleicht wird man dann künftig auch bei der Wahl zum Trainer des Jahres eine Frau unter den Nominierten finden. An der Zeit wäre es jedenfalls.