Editorial
Ein weibliches Sportjahr
Die luxemburgischen Sportlerinnen um Patrizia Van der Weken machten 2025 viele positive Schlagzeilen Foto: Editpress/Julien Garroy
Das Sportjahr 2025 neigt sich langsam, aber sicher dem Ende zu und es ist wieder einmal an der Zeit, auf die letzten Monate zurückzublicken. Doch was wird von diesem postolympischen Jahr in Erinnerung bleiben? Sicherlich die historischen Medaillen von Patrizia Van der Weken, die sowohl bei der Hallen-EM in Apeldoorn als auch bei der WM in Nanjing Bronze holte.
Allgemein waren es einmal mehr die Frauen, die auch in dem nun fast abgelaufenen Kalenderjahr bewiesen haben, dass sie in der (erweiterten) Weltspitze mitmischen können. Neben Van der Weken insbesondere Triathletin Jeanne Lehair, die erstmals in ihrer Karriere ein Rennen der World Triathlon Championship Series gewinnen konnte und in der Gesamtwertung bis zum letzten Durchgang in Australien sogar auf einem Podiumsplatz lag. Karateka Jenny Warling kürte sich zur Vizeeuropameisterin. Eine Leistung, die noch vor Jahren locker zum Sieg bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres gereicht hätte. Doch die 31-Jährige musste sich dieses Mal mit dem vierten Rang zufriedengeben. Vor ihr landete neben Van der Weken und Lehair nämlich auch noch Marie Schreiber, die im vergangenen Dezember ein Weltcup-Rennen im Cyclocross gewinnen konnte. Nicht vergessen sollte man auch andere Sportlerinnen, wie etwa Compound-Schützin Mariya Klein-Shkolna, die bis zu ihrem Abschied vom Leistungssport nach den World Games im Sommer einen Platz unter den Top 15 der Welt belegte, oder Turnerin Céleste Mordenti, die nach 2024 auch in diesem Jahr bei einem Weltcup eine Medaille gewinnen konnte.
Es ist der Beweis dafür, wie hoch die Leistungsdichte bei den luxemburgischen Damen inzwischen ist. Damit stellten sie im Jahr 2025 ihre männlichen Kollegen sicherlich in den Schatten. Denn auch was die Mannschaft des Jahres betrifft, ließen die beiden einzigen Damenteams, die bei der „Awards Night“ Anfang Dezember nominiert waren – die Fußball- und Basketballdamen – die gesamte Herrenkonkurrenz hinter sich, womit zum zweiten Mal in Folge ein Frauenteam zur Mannschaft des Jahres gekürt wurde.
Doch wie bereits in den letzten Jahren gibt es immer noch eine Kategorie, in der Frauen bisher gar nicht zu existieren scheinen: die des Trainers. Seit dieser Preis im Jahr 2018 von sportspress.lu eingeführt wurde, hat es noch nie eine Frau auf die Liste der Nominierten geschafft. Kein Wunder, sieht man sich selbst die höchsten Damenligen des Landes an, so sind kaum Frauen in den Haupttrainerpositionen zu finden, von den Nationalmannschaften erst gar nicht zu reden. Dabei scheint das Interesse an einem Trainerschein auch bei den Damen immer größer zu werden. Doch noch immer fehlen gerade hier die weiblichen Vorbilder. Wie wichtig solche sind, zeigt nicht nur Van der Weken, die derzeit eine neue Generation an Leichtathletiktalenten zu begeistern weiß, sodass immer mehr Mädchen bei der FLA in den Nachwuchskategorien an den Start gehen.