Leitartikel
Doping-Kontrollen mitten in der Nacht – der Preis des sauberen Sports?
Die Tour de France verlangt den Fahrern alles ab. Gleichzeitig muss sie glaubwürdig gegen Doping kämpfen. Doch wo verläuft die Grenze zwischen wirksamen Kontrollen und der Regeneration, die Höchstleistungen überhaupt erst möglich macht?
Auslöser der Diskussionen waren Dopingkontrollen in der Nacht bei Tadej Pogacar (l.) und Jonas Vingegaard (r.) Foto: Mosa'ab Elshamy/AP/dpa
Brütende Hitze, Tausende Kilometer, körperliche Höchstleistungen über mehr als drei Wochen: Die Tour de France zählt zu den härtesten Sportveranstaltungen der Welt. Wer Tag für Tag solche Leistungen abrufen will, benötigt vor allem eines: Regeneration. Sie beginnt unmittelbar nach der Etappe – mit Recovery-Drinks, lockerem Ausfahren auf der Rolle, Massage und der richtigen Ernährung. Die wichtigste Regenerationsmaßnahme aber ist der Schlaf.
Genau dieser Schlaf wurde Jonas Vingegaard und Tadej Pogacar in der Nacht von Samstag auf Sonntag in der vergangenen Woche genommen. Der Däne musste um 2 Uhr zur Dopingkontrolle, der Slowene um 5 Uhr. Vingegaard kritisierte den Zeitpunkt: „Es ist gut, dass sie testen. Aber wenn es deinen Schlaf und damit deine Leistung beeinflusst, dann ist das nicht gut.“ Erst 40 Minuten später sei er wieder im Bett gewesen. Die Frage liegt auf der Hand: Muss das wirklich sein?