Editorial

Die Traumabewältigung per Live-Schalte des Georges Mischo

Georges Mischo kehrt mit einem Kamikaze-Auftritt in die Chamber zurück. Ob beim Thema Rechtsstaat, Gewerkschaften, Regierungskollegen oder Wähler – dem künftigen CSV-Abgeordneten brennen die Sicherungen im Live-Interview durch.

Porträt von Georges Mischo, der betont, nichts falsch gemacht zu haben, in einem professionellen Umfeld

Georges Mischo hat eigenem Bekunden nach nichts falsch gemacht Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Ein Interview wie ein Fiebertraum. Anders lässt sich der Auftritt des Ex-Ministers und künftigen CSV-Abgeordneten Georges Mischo nicht beschreiben. Innerhalb von 13 Minuten hat Mischo bei RTL nicht nur die Gewerkschaften, sondern seine ehemaligen Beamten und Ministerkollegen für sein Ausscheiden aus der Regierung verantwortlich gemacht, im Vorbeigehen ein fragwürdiges Verständnis des Rechtsstaates offengelegt und seine Wähler als „680.000 Marché-public-Experten“ verunglimpft.

Dass Mischo nach seinem Regierungsaus wenig warme Worte für die Gewerkschaften übrig hat, war zu erwarten. Mit Prädikaten wie „infekt“ oder „feige“ verlässt er jedoch klar den Rahmen des politisch Vertretbaren und erinnert an den Sprachgebrauch eines Donald Trump und dessen republikanischen Kumpanen, wenn diese über ihre politischen Gegner herziehen. Was dann allerdings folgt, lässt diesen Ausfall als Banalität daherkommen.

„Dat, wat e Beamte muss maachen, ass, säi Minister ze schützen“, ist eine weitere Dummheit, die Mischo im Interview raushaut. Hätte sich der CSV-Politiker in all seinen Jahren als Politiker oder verbeamteter Sportlehrer um eine Lektüre der entsprechenden Gesetzestexte bemüht, wüsste er, dass Beamte des öffentlichen Dienstes einen Eid auf die Gesetze und Verfassung des Landes ablegen. Der Schutz des Ministers im Sinne eines politischen Babysitters fällt nicht in den Aufgabenbereich der Staatsbediensteten. Im Gegenteil: Als Minister ist es eigentlich Mischos Aufgabe, seine Beamten falls nötig in Schutz zu nehmen – und nicht wie im Interview deren Identität dem ganzen Land preiszugeben.

Den Eindruck, dass Mischo das Mikrofon am Donnerstagmorgen besser gegen die Couch eines Therapeuten hätte eintauschen sollen, wird man über die gesamte Länge des Interviews nicht los. Eigene Fehler gesteht Mischo nicht ein, Kritik an seiner Person diskreditiert er pauschal als „Bashing“. Er und auch die Regierung hätten noch viel härter im Umgang mit den Gewerkschaften bleiben müssen, so Mischos Resümee seiner kurzen Amtszeit. „Firwat war ech ënnen duerch? Well ech mech un de Koalitiounsaccord gehalen hunn“, bilanziert der künftige Abgeordnete. Im Koalitionsvertrag stehe schlussendlich das, was von der Regierung umgesetzt werden müsse. Das offenbart jedoch ein durch und durch naives Politikverständnis. Am besten erklärt es jedoch Mischos Nachfolger Marc Spautz im Tageblatt-Interview: „Ein Koalitionsabkommen muss umgesetzt werden. Bei der Umsetzung kann man sich gewisse Freiheiten herausnehmen.“

Die Traumabewältigung des Georges Mischo am Donnerstagmorgen wäre aber nicht abgeschlossen, wenn er seinem Nachfolger nicht noch alles Gute wünschen würde: „D’Kollektivverträg wäerten elo ouni de schreckleche Mischo duerch de Plaffong goen.“ Premierminister Luc Frieden kann das nun herzlich egal sein, Diva-Manager Laurent Zeimet in seiner noch neuen Rolle als Fraktionschef der CSV wird sich über den Zuwachs freuen.

Um alles Vorangegangene so auszudrücken, dass es der Sportler Georges Mischo, der so gern in Metaphern redet, auch versteht: Man kann sich seine Sportart, nicht jedoch seinen Gegner oder die Schiedsrichter aussuchen. Wie man seine Gegner bespielt, steht einem frei – ebenso, wie es dem Gegner freisteht, auf die gewählte Strategie zu reagieren. Und wenn man sich nur noch mit Fouls zu helfen weiß und nach unzähligen Verwarnungen keine Einsicht zeigt, wird man halt des Feldes verwiesen. Das hat dann nichts mit „Bashing“ zu tun, sondern dem Durchsetzen der Spielregeln. Und so wie Mischo reagieren nur schlechte Verlierer.

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