Editorial
Die 23-Milliarden-Euro-Frage
Greenpeace-Aktion vor dem Parlament Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Fast eine ganze Generation von Eigenheimbesitzern verdankt ihren mit nie vorausgeahnter Dynamik an Wert gewinnenden Immobilienbesitz ihrer Pensionskasse. In den 70er-, 80er- und 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts verliehen die damals noch nicht unter dem Einheitsstatut zusammengeschlossenen Kassen der Privatbeamten und der Arbeiter die zum Kauf nötigen Gelder (selbstredend unter Voraussetzung gewisser Bedingungen) an ihre Beitragszahler. Zu günstigeren Zinskonditionen, als dies damals bei den Banken der Fall war, konnte so, auch mit recht bescheidenem Einkommen, das Eigenheim finanziert werden: Bis heute erhält der „Fonds de compensation“, der nunmehr alle Renten bis auf jene der Staatsdiener verwaltet, durch den Immobilienwert abgesicherte Rückzahlungen von den Schuldnern, auch wenn es immer weniger werden. Das Modell, so heißt es, sei angesichts allgemein niedriger Zinsen unattraktiv geworden; der wahre Hintergrund des Abschieds von dieser sowohl sozialen als auch rentablen Form des Umgangs mit den Rentenreserven scheint allerdings eher im vorauseilenden Gehorsam gegenüber einem Wirtschaftsliberalismus zu liegen, dem öffentliche Konkurrenz zu privaten Geldinstituten genetisch missfällt.