Editorial

Der selbsternannte Friedenspräsident führt Amerika in den nächsten Krieg – wie weit geht Trump noch?

Donald Trump handelt unberechenbar, völkerrechtswidrig und eigennützig. Seine Militärschläge machen die Welt nicht sicherer, sondern instabiler. Das gilt auch für den Krieg im Iran.

Donald Trump im War Room mit „Operation Epic Fury“-Kappe, Symbol für Amerikas Krieg gegen den Iran

„Operation Epic Fury“, Operation epischer Zorn, haben die Amerikaner ihren Krieg gegen den Iran getauft: Damit niemand vergisst, wessen Präsident er ist, hat Trump die passende Kappe fürs Foto aus dem „War Room“ angezogen Foto: AFP/Handout/The White House

Donald Trump wollte der „Friedenspräsident“ sein. Nun hat der US-Präsident einen Krieg begonnen, dessen Folgen nicht absehbar sind. Die Ereignisse überschlagen sich im Iran und der ganzen Region, seit am Samstagmorgen die ersten israelischen und amerikanischen Raketen einschlugen.

Inzwischen ist Ali Chamenei tot. Dem 85-Jährigen wird kaum jemand eine Träne nachweinen. Der Oberste Geistliche Führer des Iran war ein Diktator der schlimmsten Sorte, ein Unterdrücker und Massenmörder, fast vier Jahrzehnte an der Macht. Die Zukunft des Iran war er aufgrund seines Alters sowieso nicht mehr. Bombe drauf, Geschichte aus? Wohl kaum.

Als Grund für die Militärintervention nannte Trump, dass der Iran keine Atombombe in die Hand bekommen dürfe. Der Iran sei eine unmittelbare Bedrohung. Das ist insofern bemerkenswert, als der US-Präsident bereits nach dem Zwölftagekrieg im vergangenen Juni behauptete, das iranische Atomprogramm sei „komplett zerstört“. Gemeinsam mit Israel hatten die USA Raketenangriffe auf Nuklearanlagen geflogen.

Der Zwölftagekrieg vom Juni vergangenen Jahres begann wenige Tage vor einer mit dem Iran geplanten Verhandlungsrunde. Der Krieg jetzt platzt mitten in laufende Diskussionen über das iranische Nuklearprogramm. Noch am Freitag saßen die Verhandler beisammen. Die Welt schaut zu und fragt sich, wie sehr den Worten dieses US-Präsidenten noch zu trauen ist. Ob man diesen Schlag gegen das iranische Regime jetzt befürwortet oder nicht, spielt dabei kaum eine Rolle, klar wird wieder nur einmal: Trump macht, was er will.

Es ist, nach Venezuela, der zweite Militäreinsatz des selbst ernannten „Friedenspräsidenten“ in diesem noch kurzen Jahr. Dazu die Drohung und maximale Brüskierung der Langzeitalliierten aus Europa, sich Grönland mit militärischer Gewalt einzuverleiben. Dem Coup gegen Caracas bereitete die Erzählung eines hehren Kampfes gegen böse Drogenbosse den Weg. Sobald Maduro in die USA verschleppt war, redete Trump Klartext: Es ging ihm um das venezolanische Öl, nicht mehr um Drogen und schon gar nicht um Demokratie oder sonstigen menschenrechtlichen Firlefanz. In Venezuela herrscht derweil die alte Clique weiter. Neu ist nur, dass die Amerikaner jetzt mitkassieren. Was Trump offen sagt und worauf er besonders stolz ist.

Sagen wir es mal so: Der Colt sitzt grad locker in Washington. Mit Maduro und Ali Chamenei mussten bereits zwei dran glauben, die sich nicht gleichsetzen lassen, aber die Bezeichnung des Schurken verdienten. Doch die Welt ist dadurch nicht stabiler geworden.

In seinem Krieg gegen den Iran hat Trump, wie bei Venezuela, auf das Völkerrecht keine Rücksicht genommen. Auch den US-Kongress hat er nicht vorab befragt. Ein Präsident entscheidet allein über Krieg und Frieden. Das ist alarmierend.

Der Angriff auf den Iran birgt enorme Risiken. Eine klare Exit-Strategie ist nicht erkennbar. Was Trump jetzt begonnen hat, haben schon klügere Leute mit besseren Gründen in den Sand gesetzt. Die Bilanz früherer US-Interventionen ist ernüchternd: Irak, Libyen, Afghanistan. Kein Land wurde zum Vorzeigemodell, viele Regionen wurden instabiler.

Im Iran leben rund 90 Millionen Menschen. Kommt es zu einem langen Krieg, werden viele flüchten müssen. Sie werden Europa ansteuern. Trump dürfte das kaum kümmern. Wie es ihm egal zu sein scheint, wie es den Menschen in Venezuela geht. Und wie ihm die Iranerinnen und Iraner offenbar egal sind, die er noch vor wenigen Wochen mit seinem leeren Versprechen der Unterstützung gegen ihr Regime auf die Straße schickte. Tausende wurden vom Regime ermordet. Die USA schritten nicht ein.

Der US-Präsident spielt Poker mit der Welt und ihren Menschen. Räumt er den Tisch nicht ab, wirft er ihn um. Mit Maduro und Chamenei mag es aus Sicht vieler die „Richtigen“ getroffen haben. Doch die entscheidende Frage bleibt: Wo zieht dieser Präsident seine Grenzen? Und zieht er sie überhaupt?

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2 Kommentare
Luxmann 02.03.202607:56 Uhr

Man sollte allerdings auch nicht vergessen,dass die hintermaenner dieser agression in Jerusalem sitzen.
Diesmal machen sie allerdings ganz aktiv mit...anders noch wie 2003 gegen den Irak.

Manfred Reinertz Barriera 02.03.202607:49 Uhr

Das Gebaren dieses Präsidenten ist einfach desaströs in jeder Hinsicht, aber die USA haben den Menschen eben gewählt und nun haben wir die Welt die Bescherung eben......

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