Editorial
Der hässlichen Fratze der Gesellschaft muss der Spiegel vorgehalten werden
Während der Karneval allgemein als Fest der Freude gefeiert wird, hat er auch eine lange Tradition als Ventil für gesellschaftliche Spannungen. Und die müssen sich mehr denn je entladen.
Die „Fuesboken“, die diesen Wagen gebaut haben, machen ihrem Frust deutlich Luft. Viel muss man hier nicht zwischen den Zeilen lesen. Foto: Editpress/Alain Rischard
Derzeit sind im In- und Ausland wieder die Jecken los. Auf „Fuesbaler“, Karnevalssitzungen und „Kavalkaden“ kommen Freunde der Fastnacht zusammen, um – bunt verkleidet – bis in die späten Abendstunden miteinander zu feiern. Es geht um Spaß, ums Witzeerzählen, um das gemeinsame Anstoßen mit so manchem Hochprozentigen.
Doch zwischen Eseln, Cowboy-Hüten und Konfettiregen blitzt auf der Kavalkade in Diekirch immer wieder Ernst auf. Dazwischen finden sich Spitzen auf nationales und internationales Geschehen – und es wird deutlich, wo den Menschen der Schuh drückt. Es hat sich zwischen närrischem Treiben ein Wagen eingeschlichen, der Luxemburg als permanente Baustelle zeigt. Auf einem weiteren thront der „Diktator Frieden“. Und deutlich werden auch jene Karnevalisten, die auf die Seite ihres Narrenschiffs schreiben: „Déi kleng Leit solle schaffe bis se futti ginn, datt de Politiker hir déck Rente sécher sinn“.