Editorial
Dauerstresstest für US-Demokratie
Dominic Santana demonstriert vor dem E. Barrett Prettyman U.S. Courthouse in Washington, DC, wo Trump für eine Verhandlung erscheinen sollte Foto: Drew Angerer/Getty Images via AFP
Es ist erstaunlich, mit welcher Beharrlichkeit nicht unerhebliche Teile der US-Republikaner sich daran beteiligen, die politische Kultur in ihrem Land zu demontieren. Und damit auch die politischen Institutionen, die sich während einiger Jahrhunderte bewährt haben und auf die die US-Bürger so stolz sind. Nach der Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen 2020, als der republikanische Kandidat Donald Trump nicht nur wieder nach Stimmenanzahl, sondern dieses Mal, was ja entscheidend ist, auch nach der Anzahl der Wahlmänner verloren hatte, dachten viele, die US-Republikaner würden die Gelegenheit nutzen, um den Loser loszuwerden. Der jedoch zettelte erst noch eine Art Putschversuch am Kapitol an, der ebenso dilettantisch verlief wie seine vorangegangene vierjährige Regierungszeit. Der Schaden aber war enorm, wurde von den Republikanern allerdings nicht als solcher erkannt. Im Gegenteil: Sie verteidigten den Urheber und schlugen sich politisch auf dessen Seite.