Editorial
Danke, Amnesty! Der „Mediepräis“ ist toll – doch Luxemburg braucht mehr Journalismuspreise
Amnesty International verleiht den einzigen Preis für Journalismus, den es in Luxemburg gibt. Das spricht für das Engagement von Amnesty. Wirft aber auch die Frage auf, warum das sonst niemand tut. Es gäbe nämlich gleich eine ganze Reihe guter Gründe dafür.
Preisträger, Jury und Moderator des diesjährigen „Mediepräis“ Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
And the winner is …? Am Dienstagabend wurde der „Amnesty Mediepräis“ erneut von Amnesty International Luxembourg verliehen. In mehreren Kategorien werden dabei besondere journalistische Leistungen ausgezeichnet. Im Mittelpunkt der Arbeiten sollten, nicht verwunderlich bei Amnesty, die Menschenrechte stehen. Auch das Tageblatt zählte in diesem Jahr mit Stefan Kunzmann als „Coup de coeur“ der Jury und Isabel Spigarelli unter den Nominierten zu den Prämierten in der Sparte „Presse écrite“. Ebenfalls geehrt wurden Woxx, Land, RTL, Wort und Journal. Der „Mediepräis“-Abend lenkt damit auch den Blick auf die Qualität des Journalismus, der in diesem kleinen Land gemacht wird.
Ich selbst habe den „Mediepräis“ im Jahr 2018 gewonnen. Meine Einreichung war bestimmt nicht schlecht. Gegen die Qualität, die heute abgeliefert wird, hätte sie aber kaum eine Chance gehabt. Das zeigt, wie schnell sich der Journalismus hierzulande in Bezug auf Qualität und Vielfalt entwickelt. Auch das zeigt der „Mediepräis“ jedes Jahr aufs Neue. Deswegen: Danke, Amnesty! Auch weil ihr die Einzigen seid, die so etwas in Luxemburg tun: einen Journalismuspreis ausrufen.
Doch genau das ist es, was etwas schade ist.
Dass es nur einen Preis für Journalismus gibt, passt nicht zur medialen Vielfalt und der journalistischen Qualität, die in diesem Land in mehreren Sprachen und zahlreichen verschiedenen Formaten angeboten werden. Ein paar mehr Preise für journalistische Leistung und Exzellenz würden nicht nur der Branche guttun. Dass Amnesty seinen „Mediepräis“ auslobt, färbt auch positiv auf die Nichtregierungsorganisation ab. Nahezu alle Medien berichten über den Preis – das verleiht dem Organisator nicht nur Sichtbarkeit, sondern stärkt auch seine Glaubwürdigkeit. Preise für Journalismus stellen damit vor allem eines her: eine Win-win-Situation für den Initiator und für die Medienbranche beziehungsweise die Journalistinnen und Journalisten.
Doch für Amnesty bedeutet ein solcher Preis eine nicht zu unterschätzende Anstrengung. Auch finanzieller Natur. Selbst wenn im Fall des „Mediepräis“ keine Preisgelder ausgeschüttet werden und die Jury ehrenamtlich arbeitet. Schließlich muss eine solche Preisverleihung organisiert werden, was immer mit Arbeitsaufwand und Kosten einhergeht.
So stellt sich recht bald die Frage: Wenn Amnesty das kann, warum nicht auch andere? Nur um einige Beispiele zu nennen: Warum machen die Industriellenvereinigung Fedil, die Bankenlobbyisten von der ABBL oder die Handelskammer das nicht, etwa für Finanz- oder Wirtschaftsjournalismus? Oder das Gemeindesyndikat Syvicol für Lokaljournalismus? Das Nationale Olympische Komitee COSL für exzellenten Sportjournalismus? Immer mit neutralen, unabhängigen Jurys, aber das versteht sich ja von selbst. Solche Initiativen würden neue Berührungspunkte schaffen, den Journalismus und damit die Demokratie stärken. Damit wäre auch die eingangs gestellte Frage beantwortet: And the winner is … wir alle.