Der Politflüsterer

Agostinos Fragen und Guillaumes Schuhgröße

DP-Parteifreunde. Petitionen. Palast. Politik. Des Politflüsterers Wochenprotokoll.

Neues großherzogliches Paar in eleganter Abendgarderobe bei offiziellen Auftritt in Luxemburg

Glaubt man jüngsten Berichten, lebt das neue großherzogliche Paar auf ziemlich großem Fuß Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Der Politflüsterer ist leicht irritiert. Dass die Debattenkultur in politischen Parteien nicht immer die beste ist, weiß er. Dass nun aber ausgerechnet eine Partei, die das Wort „demokratisch“ im Namen trägt, eine Genossin rügt, weil sie öffentlich ihre Meinung geäußert hat, überrascht ihn dann doch. Der Name verpflichtet offenbar nicht.

„Willkommen in der Hauptstadtpolitik“, sagt der, der weiß, wie der Hase läuft, oder manchmal eben auch nicht. Barbara Agostino mag Politik, Privates und Geschäftliches stellenweise etwas vermischt haben. Doch sollten ihre Fragen an die Hauptstadtverantwortlichen tatsächlich unbeantwortet geblieben sein, wäre das kein Ruhmesblatt. Ein Unding in Zeiten, in denen Kommunikation innerhalb weniger Sekunden möglich ist. Erst recht nicht unter DP-Parteifreunden.

An ihren Petitionen werdet ihr sie erkennen, schrieb der Politflüsterer vergangene Woche. Am Mittwoch sollte dann die Petition 3921 zu Tierschutz und organisierter Bettelei in der Chamber diskutiert werden. Nun heißt es, der Antragsteller habe seine Teilnahme am Vortag krankheitsbedingt abgesagt, obwohl er sie zwei Tage zuvor noch bestätigt hatte.

Doch damit nicht genug. Im Kontext der Petition stehe der Vorwurf im Raum, eine E-Mail aus der Chamber sei gefälscht worden. Die Hausjuristen sollen sich inzwischen mit dem Fall befassen. Das wäre kein Kavaliersdelikt. Der Politflüsterer bleibt gespannt.

Kennt eigentlich jemand die Schuhgröße von Guillaume und Stéphanie? Es muss Übergröße sein. Denn glaubt man den jüngsten Berichten, lebt das neue großherzogliche Paar auf ziemlich großem Fuß. Das Konto soll überzogen sein. Der Politflüsterer zeigt Verständnis. Wer mit einem derart schmalen Budget auskommen muss, gerät eben schnell ins Minus. Vielleicht ist es Zeit für eine nationale Spendensammlung zugunsten des Hofes. Obwohl, vielleicht wäre das Geld im Wohnungsbau besser angelegt. Die Protestaktion von „déi Lénk“ vor einem seit Jahren leer stehenden, dem Staat gehörenden Gebäude in Esch erinnert jedenfalls daran, dass Luxemburg derzeit dringendere Baustellen hat.

Zum Schluss noch etwas für die Rubrik kommunale Selbstironie. Schifflingens Bürgermeister Carlo Feiereisen wurde gefragt, wie er zu einer möglichen Fusion mit Esch stehe. Seine Antwort: Er wisse nicht, ob sich die Escher eine Fusion unter Schifflinger Flagge vorstellen könnten. Der Politflüsterer findet: Manchmal genügt ein einziger Satz, um eine ganze Debatte charmant auf den Kopf zu stellen. (Marco Goetz)

4 Kommentare
Grober J-P. 05.07.202609:18 Uhr

"Nun heißt es, der Antragsteller habe seine Teilnahme am Vortag krankheitsbedingt abgesagt, "
Wo ist er hin, der Antragsteller, ins Tierasyl? Ist die Vermisstenmeldung schon raus? Diese Mail, weiß man was drin stand?

Grober J-P. 05.07.202609:04 Uhr

Man flüstert auch, wenn Neu-Berg fertiggestellt ist, wird die Attert in den See umgeleitet, damit die Schwäne mal richtig klares Wasser bekommen. Das alte Gemäuer wird zur Herberge für Obdachlose und Flüchtlinge umgestaltet. Welch soziale Grandezza!

Daniel M. Porcedda 04.07.202623:17 Uhr

Man muss Luxemburg einfach lieben. Da wird eine Politikerin kritisiert, weil sie Fragen stellt – ausgerechnet in einer Partei, die sich „demokratisch“ nennt. Offenbar gilt Meinungsfreiheit inzwischen nach dem WLAN-Prinzip: verfügbar, aber nicht überall.

Dann verschwindet ein Petent plötzlich krankheitsbedingt von der Bildfläche, während gleichzeitig der Verdacht einer gefälschten Chamber-E-Mail im Raum steht. Das klingt weniger nach parlamentarischer Demokratie als nach einer Folge von „Mord ist ihr Hobby“ – nur mit schlechteren Drehbüchern.

Und schließlich der Hof: Wer auf so großem Fuß lebt, braucht halt entsprechend große Kassen. Eine Spendengala wäre allerdings nur dann gerechtfertigt, wenn vorher alle Luxemburger, die verzweifelt bezahlbaren Wohnraum suchen, auch einen Platz auf der Gästeliste erhalten.

Immerhin beweist Schifflingen Humor. Vielleicht ist Selbstironie tatsächlich die letzte politische Tugend, die noch nicht reglementiert, gerügt oder finanziell überzogen wurde.

Gréngewald 04.07.202616:14 Uhr

"Auf großem Fuß". Genau. Revolutionen sind deswegen enstanden weil Könige und,ja auch Päpste,die Vertreter der Enthaltsamkeit und der Nächstenliebe,auf großem Fuß lebten und noch immer leben.
Wenn man nach dem Sinn dieser,nennen wir es einmal "Arbeit" sucht,wird man nichts finden. Regieren tun sie ja schon lange nicht mehr.Repräsentieren und dem Volk zuwinken,das geht. Die Verfassungsreform wäre der Moment gewesen.Aber das kann man doch nicht machen weil."wat soen d'Leit". So behalten wir unser teures Märchenschloss und die immer grinsenden Insassen,koste es was es wolle.

Klodi antwortete am 05.07.202607:58 Uhr

genau!

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