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2,8 Grad – das Versagen hat Folgen

2,8 Grad – das Versagen hat Folgen

Der neue Klimabericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) macht deutlich, wie weit politische Versprechen und tatsächliches Handeln voneinander entfernt sind. Die Erde heizt sich auf, die Warnsignale werden immer lauter und die Menschheit schaut zu. Hitzewellen, Waldbrände, Dürren und Überschwemmungen sind bereits heute bittere Realität. Gleichzeitig warnt die Klimaforschung vor unumkehrbaren Schäden an Gletschern, Eisschilden, Korallenriffen und Ökosystemen. 96 Prozent der Korallenriffe in den Weltmeeren sind vom Aussterben bedroht.

Vielleicht sind unsere Ozeane einfach zu groß oder zu weit weg. Ist das der Grund, weshalb wir sie nicht nur ausbeuten, sondern auch in einem kaum vorstellbaren Ausmaß verschmutzen und überlasten? Plastik, Überfischung, Erwärmung, Versauerung und Schadstoffe setzen den Meeren und ihren Bewohnern zu. Viele Arten sind bereits am Limit. Dabei sind die Ozeane weitaus mehr als nur eine riesige Wasserfläche am Rande unseres Blickfelds. Sie sind ein entscheidender Verbündeter im Kampf gegen die Klimakrise. Sie speichern enorme Mengen an Wärme und Kohlenstoff und spielen eine zentrale Rolle für das Gleichgewicht unseres Planeten. Und hier zeigt sich die ganze Ohnmacht der Wissenschaft. Die Faktenlage ist eindeutig. Die Empfehlungen der Fachleute liegen seit Jahren auf dem Tisch. Und was passiert? Nada. Nothing. Nichts. Besonders hart trifft es häufig jene Menschen, die am wenigsten zur Krise beigetragen haben.

Wenn die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20), die für drei Viertel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind, ihre bisherige Politik fortsetzen, droht der Erde bis zum Jahr 2100 eine Erwärmung um 2,8 Grad. Eine Horrorvorstellung! Während die Temperaturen steigen, werden weiterhin Kohle, Öl und Gas verbrannt. Auch wenn alle Klimazusagen eingehalten würden, läge die Erwärmung immer noch bei rund 2,6 Grad. Denn während sich unser Planet bereits viel zu schnell erwärmt, deuten Prognosen auf ein historisch starkes El-Niño-Phänomen hin. Dadurch könnten extreme Wetterereignisse noch heftiger ausfallen – zu einer Zeit, in der wir uns gefährlich nahe an einer vorübergehenden Überschreitung der im Pariser Klimaabkommen festgelegten 1,5-Grad-Grenze bewegen. Heute stellt sich daher die Frage: Wie ernst nehmen die Regierungen ihre eigenen Verpflichtungen?

Die 2,8 Grad sind kein unabwendbares Schicksal. Sie sind eine Warnung vor den Folgen des bisherigen Kurses. Wir benötigen keine weiteren Sonntagsreden, sondern messbare Fortschritte. Der konsequente Schutz der Ozeane wäre dabei nicht nur ökologisch dringend geboten. Er wäre auch biologisch und ökonomisch vernünftig. Denn wer die Meere schützt, schützt letztlich sich selbst und die Lebensgrundlagen kommender Generationen.

Die Meere sind unsere stillen, manchmal aufbrausenden Mitbewohner. Wir haben sie schwer verletzt und behandeln sie trotzdem, als hätten wir irgendwo noch einen zweiten Planeten im Keller.

Vielleicht liegt genau darin unser Problem: Wir nehmen Dinge, die weit weg erscheinen, weniger ernst. Was unendlich erscheint, halten wir für unerschöpflich. Was sich unter der Wasseroberfläche abspielt, können wir bequem verdrängen. Doch die Ozeane vergessen nichts. Und sie verzeihen nicht alles. Ohne die Ozeane gäbe es kein Leben auf der Erde. Natürlich kann kein Land die Klimakrise allein lösen. Doch jedes Land muss seinen Beitrag leisten – auch Luxemburg. Benötigt werden überprüfbare Ziele, ausreichende Investitionen und der politische Wille, diese gegen kurzfristige Interessen durchzusetzen. Denn die Rechnung für politisches Zögern bezahlen nicht die Entscheidungsträger von heute, sondern vor allem die Generationen von morgen.

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