Luxemburg-Stadt

Zwischen Harmonie und Kontroverse: Eurovision im Zeichen der Einheit?

„United by music“ lautete das Motto des diesjährigen Eurovision Songcontest. Wie „united“ die Menschen tatsächlich waren, fand das Tageblatt am Samstagabend im Rainbow Center in Luxemburg-Stadt heraus.

Bedeutend für die queere Kultur: ESC-Fans bei der Finalparty im hauptstädtischen Rainbow Center

Bedeutend für die queere Kultur: ESC-Fans bei der Finalparty im hauptstädtischen Rainbow Center Foto: Editpress/Carole Theisen

Mehr als 100 Menschen waren am Samstag ins hauptstädtische Rainbow Center gekommen, um das Eurovision-Song-Contest-Finale live mitzuerleben. Einige von ihnen drängten sich sogar an den Fenstern der Location, nachdem drinnen kein Platz mehr war.

Andy Maar, Mitorganisator der Veranstaltung, erklärte: „Wir organisieren die ESC-Party bereits zum zweiten Mal, seitdem das Rainbow Center existiert. Ganz einfach deshalb, weil der ESC schon immer ein wichtiges Element in der queeren Kultur war und ist. Was den ESC für die queere Kultur so bedeutend macht, ist, dass er über die Jahre hinweg immer eine wichtige Plattform für die Sichtbarkeit queerer Menschen war. Auch in Ländern, die vielleicht etwas konservativer sind und sich dennoch trauen, queere Künstler(innen) zum Contest zu schicken.“

Der ESC hat immer eine politische Dimension, egal, wie sehr man betont, dass er nicht politisch sein soll

Andy Maar

Mitorganisator

Die unumgängliche politische Dimension

Doch der Eurovision Songcontest ist nicht nur eine Feier der Musik, sondern auch ein Spiegel politischer Dynamiken. Andy Maar wies auf die jüngsten politischen Diskussionen hin, insbesondere auf die Kontroverse um den Beitrag aus Holland: „Der ESC hat immer eine politische Dimension, egal, wie sehr man betont, dass er nicht politisch sein soll“, erklärte Maar.

Der ESC als ein Spiegel politischer Dynamiken: Ukraine-Fan mit Landesflagge
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Der ESC als ein Spiegel politischer Dynamiken: Ukraine-Fan mit Landesflagge
Fingers crossed: Daumen drücken für den eigenen Favoriten
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Fingers crossed: Daumen drücken für den eigenen Favoriten
Volles Haus: Bei der ESC-Party im Rainbow Center mussten manche Fans sogar von d...
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Volles Haus: Bei der ESC-Party im Rainbow Center mussten manche Fans sogar von draußen zusehen

Diese Ambiguität und politische Unsicherheit konnte man deutlich in der Reaktion auf die israelische Vertreterin Eden Golan spüren: Israel wurde offen ausgebuht, bis Luxemburg 12 Punkte von der israelischen Jury erhielt, was zu Jubel führte. Auch Arnaud Lumet, ein Gast aus Frankreich, hob während des Auftritts der Ukraine stolz die ukrainische Flagge empor und erklärte: „Meine Verbindung zur Ukraine hat tiefe Wurzeln in meiner persönlichen Geschichte und meinen Überzeugungen. Nicht nur durch meine Mitgliedschaft in verschiedenen unterstützenden Organisationen, sondern auch durch meine eigene Lebenserfahrung. Mein Studium in Warschau und die Begegnung mit Wiktor Juschtschenko haben meine Bindung zur Ukraine gestärkt, insbesondere nachdem er Opfer einer Vergiftung wurde. Diese Erfahrung hat mir den hohen Preis der Demokratie verdeutlicht, und seitdem setze ich mich leidenschaftlich für ihre Förderung ein. Der Eurovision Song Contest ist für mich nicht nur eine musikalische Veranstaltung, sondern auch eine politische Plattform. Ähnlich wie beim Unterstützen eines Fußballteams geht es darum, das Land zu unterstützen, das man repräsentiert. Es mag zwar um Musik gehen, aber letztendlich steht die nationale Identität im Mittelpunkt.“

Zahlreiche Publikumsfavoriten

Die Publikumsfavoriten waren vielfältig. Von Griechenland über Deutschland bis hin zu Finnland – die Unterstützung war breit gefächert. Ronny, das mit 77 Jahren älteste Mitglied des Rainbow Centers, freute sich besonders, den ESC in Präsenz der LGBT+-Community feiern zu können und gemeinsamen Spaß zu haben. „Mein Favorit ist Griechenland“, sagte er mit einem Lächeln, „aber Luxemburg ist natürlich auch sehr gut.“
Fernando betonte die Bedeutung der Teilnahme Luxemburgs nach 31 Jahren und die Hoffnung auf einen Platz in den Top 10. Kevin und Nils hingegen genossen die Unterhaltung und die vielfältige Atmosphäre der Veranstaltung, die nicht nur um Musik, sondern auch um die Begegnung verschiedener Kulturen kreiste.
Die Fanbasis war ebenso vielfältig wie die Musik selbst, von Spanien über Irland bis hin zu Portugal und Kroatien.

Auch Österreich wurde enthusiastisch gefeiert, insbesondere wegen des vergangenen Auftritts von Conchita Wurst, die in diesem Jahr bei der Luxembourg Pride in Esch/Alzette auftreten wird. Am Ende des Abends wurde die Schweiz jedoch als großer Gewinner gefeiert, was die breite Anerkennung für ihre musikalische Leistung und ihren Beitrag zur europäischen Kulturszene hervorhebt.

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