Hitzewelle

„Zwei Monate Wartezeit“ – Warum es für Klimaanlagen bereits zu spät ist

Die Menschen sehnen sich in der Sommerhitze nach Abkühlung. Selbst in den eigenen vier Wänden ist das schwer zu erreichen. Klimaanlagen sind aktuell schwer zu bekommen. Wie lange es dauert, was zu beachten ist – und welche Alternativen es gibt.

Eine Klimaanlage ist am Dach eines Wohngebäudes unter Dachfenstern zu sehen

Eine Klimaanlage ist am Dach eines Wohngebäudes unter Dachfenstern zu sehen Foto: Marijan Murat/dpa

Der Hochsommer nimmt sich aktuell eine kleine Auszeit. Aber: Nach der Hitzewelle ist wahrscheinlich vor der Hitzewelle. Dann werden die Menschen in Luxemburg wieder schwitzen. Vor allem in den Nächten, wenn die Temperaturen auch nach Sonnenuntergang nicht unter 20 Grad Celsius fallen.

Es gibt jedoch Möglichkeiten, die Abhilfe bringen könnten – wenn sie denn verfügbar wären. Ventilatoren und andere Geräte sind aktuell zum Beispiel in mehreren Läden im Belval Plaza ausverkauft. Nur Heizungen sind – wenig verwunderlich – noch vorrätig.

Dutzende Anfragen täglich

Die mit Abstand coolste Lösung – im wahrsten Sinne des Wortes – wäre wohl die heiß- oder kaltgeliebte eingebaute Klimaanlage in den eigenen vier Wänden. Problem: Die Nachfrage ist groß, das Angebot nicht. „Es gibt aktuell mindestens zwei Monate Wartezeit“, sagt beispielsweise Semir, Inhaber der Firma „MS Services“, dem Tageblatt am Telefon. Über mangelnde Kunden kann er sich nicht beklagen. „Ich erhalte täglich mindestens 50 Anrufe sowie 10–15 E‑Mails.“ In anderen Betrieben ist die Situation nicht anders. Bei gleich mehreren heißt es, niemand habe Zeit, die Fragen zu beantworten – alle Mitarbeiter seien ausgebucht.

„Ich habe 400 Prozent mehr Anfragen als in anderen Sommern“, erzählt Semir. Besondere Wünsche hätten die Kunden nicht. „Sie nehmen das, was noch vorrätig ist.“ Aktuell ohnehin wenig. „Die Menschen reagieren mit Verständnis, und akzeptieren die langen Wartezeiten.“ Sie hätten sich meistens zuvor schon bei anderen Firmen umgehört und ähnliche Antworten bekommen.

Keine Klimaanlage ohne Solarstrom

Das lange Warten auf die sehnlichst gewünschte Abkühlung wird durch die Prozeduren zusätzlich verlängert. Dazu zählen etwa die Schritte vom Hausbesuch bis hin zur tatsächlichen Bestellung, wie Michel Reckinger von der Firma „Reckinger“ erklärt. Und: „Viele Gemeinden verlangen eine Genehmigung für den Einbau.“ Auch bei ihm sei die Nachfrage explodiert. „Im Mai hatten wir sechs Anfragen, im Juni waren es 450.“

Eine Klimaanlage hat jedoch auch Nachteile, darunter den hohen Energieverbrauch. Für Reckinger liegt die Lösung auf der Hand. „Wir raten den Kunden immer, zusätzlich zur Klimaanlage eine PV-Anlage einzubauen.“ So könne der Sommer effektiv genutzt werden. „Wenn das Haus gekühlt werden muss, scheint ohnehin meistens die Sonne.“ Ohne Solarstrom seien die Stromrechnungen ansonsten hoch.

Ventilator auf Schreibtisch als temporäre Kühlungslösung bei Sommerhitze im Büro

Ventilatoren – falls verfügbar – sind nur eine Zwischenlösung Foto: Editpress-Archiv/Tania Feller

Die Sisyphus-Kühlung

Selbst der klassische Ventilator scheint wie vom Winde verweht. Seine Kühlwirkung ist ohnehin nur illusorisch – wirkliche Temperatursenkungen können damit nicht erreicht werden. Das Gerät verteilt die Luft im Zimmer. Dadurch wirkt sie kühler, ist sie aber nicht: der Windchill-Effekt.

Leeres Regal in einem Geschäft als Symbol für knappe Notlösungen und Engpässe im aktuellen Markt

Auch Notlösungen sind aktuell rar gesät Foto: Editpress/Lisa Goedert

Hilfreicher ist ein Luftkühler. Dieses Gerät funktioniert prinzipiell ähnlich wie ein Ventilator. Einziger Unterschied: Die Luft wird, bevor sie verteilt wird, an Eis oder kaltem Wasser vorbeigeführt. Die feuchtere Luft reduziert gleichzeitig die Kühlwirkung. Kein Problem – die Fenster sind schnell geöffnet und hinein strömt der heiße Föhn, faktisch eine Sisyphus-Kühlung.

Eine Möglichkeit, die den Raum wirklich abkühlt, ist die mobile Klimaanlage. Diese entzieht dem Zimmer heiße Luft und leitet sie über einen Schlauch nach draußen. Dadurch sinkt die Innentemperatur tatsächlich und nicht nur gefühlt. Gleichzeitig liegt darin auch die – neben dem hohen Energieverbrauch – große Schwachstelle: Die wenigsten Gebäude im Großherzogtum dürften über passende Löcher für den Schlauch verfügen. Also wird dieser meistens zwischen Fenster und Rollläden eingeklemmt. So strömt wieder heiße Luft von außerhalb in die eigenen vier Wände und die Klimaanlage muss schwitzen. Sisyphus lässt grüßen.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Einzigartiges Projekt

Gemeinde Parc Hosingen fängt Regen- und Schmutzwasser zur Bewässerung auf