Befall an der Mosel
Xylella bedroht Pflanzen in Luxemburg: Winzerin Corinne Kox warnt vor schwer erkennbaren Symptomen
Xylella fastidiosa wurde auf drei Parzellen in Mertert und Grevenmacher entdeckt. Die befallenen Reben müssen vernichtet werden. Unter den Winzern ist die Überraschung groß, die weitere Ausbreitung lässt sich bislang schwer einschätzen.
Auf drei Parzellen in Mertert und Grevenmacher wurde das Pflanzenbakterium Xylella fastidiosa nachgewiesen. Die befallenen Reben müssen vernichtet werden. Symbolbild: Editpress/Alain Rischard
Das Pflanzenbakterium Xylella fastidiosa wurde auf drei Weinbergsparzellen in Mertert und Grevenmacher nachgewiesen. Wie das Landwirtschaftsministerium am Dienstag mitteilte, gingen die positiven Laborbefunde am Montag ein.
Für Menschen und Tiere ist das Bakterium ungefährlich. Auch Luxemburger Wein könne weiterhin bedenkenlos konsumiert werden, betont das Ministerium. Für Pflanzen ist Xylella dagegen gefährlich: Es verstopft die Leitungsbahnen, die den Pflanzensaft transportieren, sodass sie vertrocknet und abstirbt. Ein Gegenmittel gibt es nicht. Übertragen wird das Bakterium vorwiegend durch pflanzensaftsaugende Insekten und infizierte Pflanzen.
Sperrzonen und verstärkte Kontrollen
Im Umkreis von 50 Metern um jede befallene Pflanze müssen auf insgesamt 2,35 Hektar alle Reben entfernt werden – auch solche ohne sichtbare Symptome. Weitere Pflanzenarten, die als Wirte infrage kommen, können ebenfalls betroffen sein.
Ein Puffergebiet mit einem Radius von 2,5 Kilometern umfasst Teile der Gemeinden Rosport-Mompach, Mertert, Manternach, Grevenmacher, Biwer und Wormeldingen. Dort wird ein verstärktes Monitoring durchgeführt. Auch auf der deutschen Moselseite sollen vergleichbare Maßnahmen ergriffen werden.
Wie Landwirtschaftsministerin Martine Hansen (CSV) gegenüber Radio 100,7 am Donnerstag erklärt, waren drei von rund 140 untersuchten Proben an der Mosel positiv. Die befallenen Reben müssen ausgerissen und vor Ort verbrannt werden. Wie das Bakterium nach Luxemburg gelangte, ist bislang unklar. Zu den möglichen Wirtspflanzen zählen neben Weinreben auch Olivenbäume.
Winzer von Befall überrascht
Der Nachweis kam für viele Winzer überraschend. Paul Funck, Präsident des
„Lëtzebuerger Wënzerverband“, spricht bei 100,7 von einer „großen Überraschung“. Die Branche sei nicht darauf vorbereitet gewesen, dass die sogenannte Feuerbakterie auch in Luxemburg auftreten könnte. Zwar habe man von Fällen im Ausland gehört, in nördlicheren Weinbauregionen sei das Phänomen bislang jedoch weniger verbreitet gewesen.
Die vielen möglichen Wirtspflanzen erschweren zudem die Eindämmung. Funck hofft, dass befallene Pflanzen und weitere mögliche Infektionsquellen rasch erkannt und entfernt werden können. Das Weinbauinstitut (IVV) sei die erste Anlaufstelle für Winzer und habe bereits Empfehlungen herausgegeben. Entschädigungen für betroffene Winzer sind vorgesehen, konkrete Informationen gibt es aber bislang nicht.
Corinne Kox rät zu Wachsamkeit
Auch Corinne Kox vom Domaine Kox in Remich hat sich nach Bekanntwerden des Befalls beim IVV informiert, bestätigt sie gegenüber dem Tageblatt. Sie hat zudem Kontakt mit einem Winzer, dessen Parzellen direkt an die betroffenen Flächen angrenzen. Nach ihrer Darstellung hatte dieser bis Mittwochabend noch keine Informationen über den Befall erhalten.
Nach ihrem Gespräch mit dem IVV lasse sich die weitere Entwicklung nur schwer einschätzen. Entscheidend sei, die Situation weiter zu prüfen und in den kommenden Jahren zu überwachen. Eine Schwierigkeit besteht laut Kox darin, dass sich ein Befall anhand sichtbarer Symptome nicht immer eindeutig erkennen lässt. Für eine sichere Diagnose seien Laboranalysen nötig.
Wichtige Hinweise
Anwohner und Betriebe sollen keine Pflanzen aus dem betroffenen Gebiet wegbringen. Verdächtige Pflanzen können beim IVV unter 23 61 21 oder per E-Mail an viticulture@ivv.etat.lu sowie bei der Ackerbauverwaltung ASTA gemeldet werden.
Im Frühjahr sollten Winzer deshalb auf Auffälligkeiten achten, etwa wenn Knospen deutlich später austreiben als bei benachbarten Reben. Solche Beobachtungen allein erlauben jedoch keine sichere Diagnose. Kox betont zudem, dass auch andere Pflanzen als Wirte infrage kommen. Sie rät zu Wachsamkeit, warnt aber vor vorschneller Beunruhigung: Wie schnell sich das Bakterium ausbreiten könnte, lasse sich aktuell nicht einschätzen.
Xylella fastidiosa ist bereits in Italien, Frankreich, Spanien und Portugal aufgetreten. In der Region Madrid und an der Algarve konnte das Bakterium wieder ausgerottet werden.