Kinderbetreuung

Wie das Bildungsministerium seine „Crèches“ überwacht

Eine Crèche in Petingen musste nach schweren Vorwürfen schließen. Wie kontrolliert der Staat die Kinderbetreuungsstrukturen? Was passiert bei Missbrauchsverdacht?

Hinweis an Tür über vorübergehende Schließung der Crèche in Petingen für Eltern

Ein Zettel an der Tür informiert Eltern über die Schließung der Crèche in Petingen Foto: Editpress/Julien Garroy

Die Staatsanwaltschaft durchsuchte am vergangenen Dienstag eine Crèche in Petingen. Der Verdacht: vorsätzliche Körperverletzung an Minderjährigen unter 14 Jahren. Das Bildungsministerium schloss die betroffene Struktur daraufhin.

„Bei einer Kontrolle haben wir immer einen Auslöser dafür“, sagt Marco Deepen, Generaldirektor des „Secteur de l’enfance“. Das könne eine Auffälligkeit bei der internen Datenanalyse sein oder eine Meldung von außen über mögliche Verstöße. „Der dritte Auslöser ist, falls wir eine Struktur schon länger nicht mehr kontrolliert haben.“ Seine Behörde analysiere und dokumentiere eingegangene Beschwerden. Der Agent, der die Meldung aufgenommen hat, entscheide über das weitere Vorgehen.

Polizei ermittelt bei Missbrauch

„Falls die Meldungen einen schwerwiegenden Inhalt haben, leiten wir diese sofort an die Staatsanwaltschaft weiter. Das haben wir auch in Petingen gemacht“, sagt Deepen. Seine Behörde sei nicht für die Ermitlungen bei Kindeswohlgefahr zuständig, das obliege der Staatsanwaltschaft. „Die Polizei ermittelt – wir halten uns da raus.“ Deepen betont allerdings, dass Eltern dem Ministerium unbedingt Verdachtsfälle auf Missbrauch melden sollten.

Wann wird kontrolliert? „Wir entscheiden von Fall zu Fall“, sagt Deepen. Entscheidend sei, ob es „eine gewisse Historie“ in der besagten Struktur gebe. Gründe, die zu einer Kontrolle führen können, seien zum Beispiel der permanente Einsatz von zu wenig Personal, Verstöße gegen Gesetze oder Räumlichkeiten, die nicht in Ordnung sind.

„Wenn wir eine unangekündigte Kontrolle durchführen, können wir uns sofort ein Bild über die Struktur verschaffen“, sagt Deepen. Dabei würden die Agenten zum Beispiel durch die Räumlichkeiten gehen, sich das Material anschauen und die Qualifikation des Personals überprüfen. „Wir zählen auch nach, wie viele Kinder und Personal da sind“, um nachzuschauen, ob das Verhältnis Kind zu Erzieher den gesetzlichen Vorgaben entspricht.

173 Kontrollen in 2025

„2025 kam es zu 173 unangemeldeten Kontrollen“, sagt Deepen. Zusätzlich führten die Agenten der Behörde routinemäßig eine jährliche angekündigte Kontrolle durch. Insgesamt zähle seine Behörde neun Kontrolleure im sozio-edukativen Bereich, in der Verwaltung und den Finanzen. Erstgenannte würden die Kontrollen vor Ort durchführen, während Letztgenannte eher Dokumente und Normen überprüfen würden.

Eine mögliche Sanktion ist die sogenannte „mise en demeure“. „Das ist eine offizielle Mahnung“, sagt Deepen. Diese wird an die betroffene Struktur geschickt. Mit diesem Schreiben fordere das Ministerium die Crèche auf, innerhalb eines bestimmten Zeitraums die Probleme zu beheben. Falls nötig, komme es zu einer Folgeuntersuchung. „Das können wir entweder über Dokumente machen, die wir geschickt bekommen – etwa bei Zahlengeschichten – oder mit einer neuen Kontrolle.“

Die schärfste Sanktion sei der permanente Entzug der Zulassung. Aber auch eine temporäre Aussetzung dieser sei möglich. Eine andere Option: „Wenn ein Raum zum Beispiel nicht mehr den hygienischen Normen entspricht, kann es sein, dass wir diese Fläche abziehen.“ Dadurch reduziere sich die maximale Kapazität der Crèche.

Im Fall von Petingen „haben wir versucht, noch am Abend die Eltern der Kinder zu erreichen, die am nächsten Tag keinen Kitaplatz mehr hatten“, sagt Deepen. Auch am Tag selber hätten seine Mitarbeiter den Eltern vor Ort eine Liste mit freien Strukturen ausgehändigt. In der Regel würden die Kinder schnell einen freien Platz finden.

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