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Wie Luxemburger Winzer ihr Glück auf der internationalen Bühne suchen

Während der Pro-Kopf-Konsum von Wein und Crémant in Luxemburg kontinuierlich sinkt, bleibt der Absatz einheimischer Produkte vergleichsweise stabil. Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, setzen die Winzer zunehmend auf Export.

Außenminister Xavier Bettel und Weinbauministerin Martine Hansen am Gemeinschaftsstand der Luxemburger Winzer bei Messeveranstaltung

Außenminister Xavier Bettel und Weinbauministerin Martine Hansen (beide Bildmitte) am Gemeinschaftsstand der Luxemburger Winzer Foto: Ministère de l‘Agriculture

Der Weinkonsum im Großherzogtum stagniert nicht nur seit geraumer Zeit, er geht sogar stetig zurück. Wurden im Jahr 2021 noch rund 40 Liter Wein und Crémant pro Kopf gekauft, waren es 2025 nur noch etwa 36 Liter, wobei der Konsum an einheimischen Erzeugnissen (8,7 Liter) noch relativ stabil gehalten werden konnte. Um diesem anhaltenden Trend entgegen zu wirken, setzten die Luxemburger Winzer zunehmend auf den Export ihrer hochwertigen Produkte.

Doch welche Märkte erschließen sich hier? Wo kann man entsprechende Kontakte knüpfen und neue Geschäftspartner gewinnen? Am Wochenende vom 9. bis 11. Februar bot sich eine zielführende Gelegenheit anlässlich der „Vinexpo Wine Paris“ in der französischen Hauptstadt, einem der wichtigsten globalen Treffpunkte für die internationale Weinwirtschaft.

Gleich 13 Weinbaubetriebe aus dem Großherzogtum hatten sich angemeldet, so viele, wie noch nie zuvor. Zeugnis dafür, wie wichtig der Exporthandel in der Zukunft sein wird.

Das Tageblatt hat sich im Nachgang der Expo mit einigen Teilnehmern unterhalten, um in Erfahrung zu bringen, wie lohnend die Präsenz vor Ort war, was man sich von der Teilnahme versprochen hatte und welche Kontakte man knüpfen konnte. Zur Delegation gehörten auch namhafte Regierungsvertreter wie Außenminister Xavier Bettel (DP) und Weinbauministerin Martine Hansen (CSV).

Großes Interesse aus Skandinavien

Tom Schumacher (Domaine Viticole Schumacher-Lethal, Wormeldingen) war zum ersten Mal bei der „Wine Paris“. „Ich habe die ‚Prowein‘ in Düsseldorf in diesem Jahr ausgelassen, war zuvor schon auf einer Expo in Kopenhagen und habe auch in Paris neue Händlerkontakte knüpfen können. Besonderes Interesse zeigten hierbei Händler aus Schweden, Dänemark und Finnland und sogar einer von der Loire. Es ist unumgänglich, neue Märkte zu erschließen, man muss aber hier mehrfach zugegen sein, um einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erreichen. Laufkundschaft als solche gab es nicht so viele, das lag jedoch meiner Meinung nach an der nicht so optimalen Platzierung unseres Standes.“

Aufschwung in England

Das Brüderpaar Nicolas und Mathieu Schmit (Domaine Viticole Schmit-Fohl, Ahn) war ebenfalls Debütant bei der Expo. „Auf dem Exportmarkt waren wir bis dato eher wenig unterwegs“, berichtet Nicolas Schmit. „Wir hatten im Vorfeld etliche Händler kontaktiert und Termine vor Ort vereinbart. Die Interessenten kamen aus den Niederlanden, der Schweiz, Belgien, Kanada, Japan, China und Skandinavien. Spezifische Produkte waren eher nicht gefragt, wobei alkoholfreie Weine immer mehr ein Thema sind. Als Trend bemerken konnten wir die gestiegene Sektproduktion in England mit exzellenten Erzeugnissen und Preisen um die 50€ pro Flasche. Die großen Häuser aus der Champagne haben hier in der Vergangenheit massiv investiert.“

Porträt von Nicolas und Mathieu Schmit, zwei Brüdern, professionelle Geschäftsmänner im Anzug, freundliches Teamfoto

Nicolas und Mathieu Schmit Foto: Herbert Becker

Riesling und Auxerrois sind begehrt

Schon seit vielen Jahren auf den großen Messen in Düsseldorf und Paris sind Laurent und Corinne Kox (Domaine Laurent & Rita Kox, Remich). Sie haben seit 2019 Erfahrungen mit dem Exporthandel, vornehmlich mit Kunden in Asien und Nord-Amerika. „Wir pflegen vor Ort die Kontakte mit den Stammkunden, konnten aber auch einige neue Interessenten registrieren“, erklärt Corinne. „Erstaunlich für uns und auch für die Kollegen war die starke Nachfrage aus Schweden nach Rieslingweinen. Erkennbar sind auch Bemühungen, alkoholfreie Produkte auf den Markt zu bringen. Jedoch, durch den Entzug von Alkohol als Geschmacksträger, setzt man hier auf Zucker, wodurch alle degustierten Weine sehr süß sind.

Was die Präsenz der Luxemburger Winzer vor Ort angeht, finde ich, dass das gute Ansätze sind, die Luxemburger Mosel den Fachbesuchern näherzubringen. Unterstützung erfahren haben wir dabei auch durch den offiziellen Besuch der Minister Bettel und Hansen.“

Porträt von Corinne Kox, professionelle Speakerin und Expertin für Kommunikation und Leadership

Corinne Kox Foto: Herbert Becker

Fazit und einhelliger Tenor der Teilnehmer: Ein einmaliger Auftritt bei der Expo bleibt wirkungslos. Man muss sich bei solchen Gelegenheiten permanent zeigen, die Präsenz birgt Merkmale wie Wiedererkennung und das alleine öffnet schon die ein oder andere Tür zum Außenhandel.

Wunderdinge sind hier also nicht zu erwarten. Jedoch: Im Hinblick auf den zurückgehenden Konsum im eigenen Land, bieten die Fachmessen Optionen, neue Märkte zu erschließen.

Porträt von Tom Schumacher, deutscher Musiker und Sänger, in natürlichem Licht vor neutralem Hintergrund

Tom Schumacher Foto: Georges Noesen

Die luxemburgischen Teilnehmer bei der „Vinexpo Wine Paris“

- Domaine Claude Bentz

- Caves Bernard-Massard

- Maison viticole Schmit-Fohl

- Domaine vit. Schumacher-Lethal

- Domaine vit. Krier-Welbes

- Domaines Vinsmoselle

- Domaine Alice Hartmann

- Domaine vit. Häremillen

- Domaine Cep d’Or

- Domaine L&R Kox

- Domaine Sunnen-Hoffmann

- Domaine Henri Ruppert

- Clos Jangli

Insgesamt waren rund 6.000 Aussteller aus 60 Ländern präsent

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