Ein Dorf im Landwirtschaftsfieber
Wenn die Oldtimer-Traktoren übers „Baurefest“ in Brachtenbach knattern
Bereits zum vierten Mal fand am vergangenen Sonntag in Brachtenbach das Bauernfest statt. Im Vordergrund stand wie immer die Luxemburger Landwirtschaft mit ihren Produkten, Traditionen und Maschinen, aber auch das Sammeln für den guten Zweck.
Trotz Regen war die Stimmung in Brachtenbach am Sonntag ausgelassen Fotos: Laura Tomassini
Ein ganzes Dorf befand sich am Sonntag im Landwirtschaftsfieber. Die Straßenränder waren voll geparkt und trotz gemeldeten Regens tummelten sich Alt und Jung um die zahlreichen Stände, die den Anfang des „Baurefest“ markierten. Bereits dreimal veranstaltete der Zusammenschluss der Brachtenbacher Vereine in den letzten Jahren das Fest, das die Luxemburger Landwirtschaft in den Vordergrund stellen soll. Das Motto: Vom Grashalm bis in die Futterkrippe.
Auch bei der vierten Ausgabe durften die Besucher wieder einmal leckere lokale Spezialitäten kosten, handgemachte Objekte ergattern und sich bei der großen Maschinen-Ausstellung moderne und alte Fahrzeuge anschauen. Ein Highlight waren die zahlreichen Oldtimer-Traktoren, die ihre Besitzer mit Stolz in Brachtenbach präsentierten. Einer von ihnen ist Gilles Heinen, Präsident des Vereins Old School Farmers. Seit seiner Kindheit ist der gelernte Industrie-Mechaniker von Landwirtschaftsmaschinen begeistert. Heute zählt er zu Luxemburgs Sammlern, denn Heinen kennt und liebt jedes Modell, das seit den 1960ern produziert wurde: „Mich interessiert vor allem die Technik dahinter. Man kann vom Baujahr und der Generation her keinen Lanz Bulldog mit einem Ford 3000 vergleichen, deshalb haben wir unseren Verein gegründet.“
Passion Oldtimer
Regelmäßig treffen sich die Mitglieder, um sich untereinander auszutauschen, gemeinsam aufs Feld zu fahren oder einfach in Erinnerungen zu schwelgen, denn die Traktoren von früher besitzen auch heute noch einen ganz besonderen Charme, der Jung und Alt begeistert. „Wir sammeln alles von 1965 bis 1995. Dabei muss es nicht unbedingt ein Acht-Zylinder-Schlüter sein – der Bugatti der Traktor-Szene –, denn auch ein Deutz ist ein schönes Stück“, so Heinen. Zu seinen persönlichen Favoriten gehört, neben dem Super 2000 TVL der genannten bayrischen Marke Schlüter, der erste selbstfahrende Häcksler von Köhler, der 1968 auf dem Markt erschien und nur zwölfmal gebaut wurde.
„Optisch sieht man bei manchen Modellen kaum einen Unterschied zu jenen von heute, aber im Inneren unterscheiden sie sich sehr“, erklärt der Sammler. Viele der präsentierten Traktoren sind noch in Betrieb, andere, etwa ein Modell von Ritscher, werden nur für Feste aus der Scheune geholt und dienen lediglich der Schau. „Die Leute lieben Oldtimer, das ist bei Traktoren nicht anders als bei Autos. Traktoren haben aber generell einen speziellen Effekt, denn wenn wir am Wochenende durchs Dorf fahren, winken und hupen die Passanten, um uns zu grüßen“, sagt auch Carlo Weber, Präsident der Brachtenbacher Vereine.
Mit Events wie dem „Baurefest“ wolle man zeigen, wie früher in der Landwirtschaft gearbeitet wurde, zudem dienen diese dem guten Zweck. „Wir haben in den letzten Jahren über 42.000 Euro gesammelt, dieses Jahr geht der Erlös an die ‚Association Luxembourg Alzheimer’ sowie die ‚Amicale vun der Schoul fir Assistenzhonn’“, so der Präsident.
Ein Hoch auf die Landwirtschaft
Trotz Regenschauer war auch die diesjährige Ausgabe wieder ein voller Erfolg. Der genaue Erlös wird zwar erst bekannt gegeben, die Stimmung vor Ort war aber wieder exzellent, mit Kindern, die auf Strohballen spielten, Männern, die sich beim Sägen messen durften und Freunden, die unterm Zelt auf die Landwirtschaft prosteten. „Insgesamt waren etwa 40 Maschinen ausgestellt und 180 Leute beim Umzug dabei“, so Weber.
Es sei wichtig, die wenigen verbleibenden Vereine der Gemeinde zusammenzutrommeln und sich gemeinsam für mehr Interesse an der Luxemburger Landwirtschaft zu engagieren, denn, so Heinen: „Früher gab es auch schon Grand-Prix-Rennen und Sportsegelboote, aber sie alle bringen uns als Gesellschaft nicht weiter. Es ist die Landwirtschaft, die dafür sorgt, dass wir etwas auf dem Teller haben und alles, was zu ihr dazugehört.“