Kunstecke

Was die lokalen Galerien in Luxemburg zu bieten haben

Nach unserem Rundgang durch einige Galerien in der Hauptstadt werfen wir heute einen Blick in die räumlich größte Galerie außerhalb der Stadt Luxemburg und auf zwei regionale Ausstellungszentren. Auf zur lokalen Kultur-Tour!

„Chambre à Tokyo“ von Aurélie Pétrel, Ausstellung in Galerie Ceysson & Bénétière, zeitgenössische Kunstinstallation

Aktuell in der Galerie Ceysson & Bénétière zu entdecken: „Chambre à Tokyo“ der Künstlerin Aurélie Pétrel Quelle: Ceysson & Bénétière

Die Galerie Ceysson & Bénétière auf Wandhaff ermöglicht es quantitativ umfangreiche Ausstellungen zu organisieren. Das ist auch zum Jahresanfang 2026 wieder der Fall: Nach der Solo-Schau des Luxemburgers Roland Quetsch, ist es nun die Kollektivausstellung „Entrevue(s)“ mit Werken von Wilfrid Almendra, Pierre Buraglio, Aurélie Pétrel und David Raffini.

Kuratoren lassen sich bekanntlich gerne etwas einfallen. Die Galerie Ceysson & Bénétière hat nun also drei Künstler und eine Künstlerin aus ihrem Portfolio unter dem Titel „Entrevue(s)“ vereint, wobei die künstlerische Herangehensweise der Kreativen selbstredend recht unterschiedlich ist. Um das Ganze wortreich/theoretisch zu untermauern, wird der Titel „Entrevue(s)“ dahingehend interpretiert, dass es zum einen auf Französisch gleichbedeutend mit Zusammentreffen ist, zum anderen sich auf das „Fenster“ bezieht.

Einblick in moderne Kunst-Ausstellung in der Galerie Ceysson & Bénétière mit zeitgenössischen Gemälden und Skulpturen

Einblick in die Ausstellung in der Galerie Ceysson & Bénétière Foto: Claude Piscitelli

Erklärend wird gleichzeitig Leon Battista Alberti bemüht: „Il inaugure l’analogie entre cette ouverture et l’art visuel bidimensionnel.“ Und weiter: „Ce topos constitue un concept majeur de l’image occidentale. C’est le quadrilatère du tableau, ce cadre découpe dans la surface qui fonde cette comparaison et organise un espace de visibilité interface entre visible et invisible, entre intime et social, la fenêtre oriente la lumière, guide le regard ou au contraire est aveugle, une surface close qui ne renvoie qu’à son propre dispositif.“ Ob die Ausstellung diesem Anspruch gerecht wird, muss der Besucher für sich entscheiden.

Die Künstler Wilfrid Almendra, Pierre Buraglio, Aurélie Pétrel und David Raffini steuern jeder auf originelle Weise einen Mosaikstein zu „Entrevue(s)“ bei. Wilfrid Almendra, Jahrgang 1972, ist ein Künstler, der „Ideen und Materialien“ vereint; Pierre Buraglio, 1939 in Charenton geboren, sieht in seiner Kunst auch ein Mittel des „sozialen Engagements“; David Raffini, 1982 in Bastia geboren, ist ein in Korsika anerkannter Maler; und Aurélie Pétrel, 1980 in Lyon geboren, hinterfragt in ihrer Fotografie „le statut de l’image“ und was daraus werden kann.

Unmenge von Objekten

Man soll sich für den Rundgang durch die Galerie Zeit lassen. Die Wände der riesigen Galerie sind mit Bildern, Fotografien, Objekten, Glasscheiben, Holzobjekten und vielem mehr gespickt, einige Objekte, etwa die „Nature morte aux figues“ oder „Pierre à l’orange“ von Almendra, liegen auf dem Boden oder, wie das Almendra-Glasscheiben-Ensemble „Sentiments d’automne“, lehnen sie lässig an einer getünchten weißen Wand.

Wilfrid Almendra reiht Glasausschnitte hinter streng gerippten Gitterstäbchen, die eher Enge als Offenheit vermitteln, seine Werke sollen die Komponenten des Fensters darstellen, die erwähnten „Model homes“ greifen denn auch Glas, Metall, Keramik-Elemente auf und vereinen diese zu einer Art innerer Landschaft. Es gilt diese möglichst „quer“ zu deuten und Parallelen zu gesellschaftlichen Verhältnissen herzustellen. „Second Skin III“ aus dem Jahre 2012 sticht aus der Flut an Objekten der besonderen Art ausdrucksvoll hervor.

Von Pierre Buraglio sind es Fragmente diverser Art – alles Teile aus Holz, Glas, Metall; aus Fenstern und/oder rundum Fenster-Spiegel-Formen – ... Objekte, die hier als „Werk“ stehen, wobei der Künstler auch Malereien mit Aussagekraft oder Hommage an andere Kunstschaffende beisteuert. So auch ein „Medrano“ zu Ehren von Joseph Kutter oder ein Doppelfenster für Matisse (ein Maler, der den Fenster-Ausblick oft verarbeitet hat); auch Degas, Dufy oder Manet sind bekannte Namen, die Buraglio in dieser Serie bemüht. Obwohl Pierre Buraglio aktuelle Werke aus dem Jahre 2025 beisteuert, sind es wohl seine „Rahmen-Ecken“ und „Rückspiegel“, die einen vielsagenden Blick auf sein Oeuvre werfen.

„Fenêtre-objet“, „fenêtre-image“

Mit David Raffini und seinen „Airbrush paintings“ gewinnt der Blick durchs Fenster zum einen an malerischer Substanz und zum anderen vernebelt sich die Aussicht auf ein vom Dunst verdunkeltes Äußeres. Seine gekräuselten Farbflächen mit im Fokus einem weit gestreuten Lichtpunkt in düsterem Ambiente spiegeln zwar Frühjahrsstimmung wider, auch deuten seine langen, an der Wand fixierten, aber bis auf den Galerieboden reichenden „Läufer“ eine Zukunftsperspektive an – trotzdem bleiben seine Malereien auf sinnliche Art in sich geschlossen.

Mit den Fotos von Aurélie Pétrel kommt man dem Begriffspaar „fenêtre-objet“ bzw. „fenêtre-image“ näher. Fotografie ist ja das Einfangen eines Blicks durchs „Fenster“, richtet den Fokus auf ein ausgewähltes, mehr oder weniger eingeengtes Panorama und/oder Objekt, respektiv fixiert Menschen. Je nach Optik gerät dieser Blick durchs fotografische Fenster zu einer spannenden Komposition, die es für den Autor aufzubauen gilt. Licht und Schatten sind hierbei wesentliche Elemente. Pétrel hat diesen Standpunkt mit ihrer Fenster-Reihe eingenommen und in einigen sehenswerten Lichtbildern illustriert. „Chambre à Tokyo“ (2011) oder „Monastère“ (2024) sind neben „Trois Gorges“(2007) Beispiele gelungener, in die von den Kuratoren gewählte Thematik passenden Werke.

In einer völlig anderen Liga als bei Ceysson & Bénétière spielen zwei lokale Kunsthäuser, die zu erwähnen es lohnt. Seit geraumer Zeit präsentiert die Millegalerie in Beckerich immer wieder interessante Ausstellungen mit Werken Luxemburger Künstler, mal sind es Fotografien, mal Malereien oder Skulpturen. Nur noch bis zum 8. Februar sind derzeit figürliche Keramiken von Astrid Breuer und abstrakte Malereien von Philippe Kessler in dieser schmucken Galerie zu sehen.

Infos

„Entrevue(s)“ bei Ceysson & Bénétière (13-15, rue d’Arlon/L-8399 Koerich)

Laufzeit: 30. Januar bis 14. März 2026

Mehr dazu: ceyssonbenetiere.com

Im Grenzstädtchen Steinfort lädt die Gemeinde regelmäßig zu Expos in die Galerie CollArt auf Nummer 15, rue de Hobscheid ein. Den Auftakt für die Saison 2026 gestalten gleich drei Kunstschaffende aus dem Großherzogtum. Es sind dies die seit 2007 mit ihren Malereien ganz unterschiedlicher Faktur präsente Claudine Maillet, sowie die Bildhauerin Karin Mayer mit ihren schwungvollen Skulpturen aus Stahl und Eisen und Jean-Paul Thieffels, der sich der Zähmung des Materials Holz gewidmet hat. Die Ausstellung ist ebenfalls noch bis zum 8. Februar geöffnet.

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