50. Todestag

Warum sich der Blick auf den Künstler Josef Albers bis heute lohnt

Jubiläen und Jahrestage bieten oft die Gelegenheit, an einen Künstler zu erinnern, vor allem wenn sein Werk nachhaltig ist. Genau das gilt für Josef Albers, dessen Todestag sich 2026 zum 50. Mal jährt. Zum Gedenken ein Porträt.

Der amerikanische Grafikdesigner Norman Ives (.) mit Josef Albers (r.) im Jahr 1972

Der amerikanische Grafikdesigner Norman Ives (l.) mit Josef Albers (r.) im Jahr 1972 Foto: Jthill84, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

In dem Bildband „Huldigung an das Quadrat“, aber auch in zahlreichen Ausstellungen wurde des Werkes des Künstlers Josef Albers nach seinem Ableben gedacht. Vollzog Kasimir Malewitsch 1915 mit seinem „Schwarzen Quadrat auf weißem Grund“ einen bedeutenden „Bruch“ mit traditioneller Malerei, so verpasste Josef Albers dieser geometrischen Figur eine farbige Aura. Am 19. März 1888 in Bottrop geboren, starb Josef Albers am 25. März 1976 in New Haven, Connecticut.

Malewitsch hat mit seiner Avantgarde-Kunst der stalinistischen Führung der späten Zwanzigerjahre nicht ins Konzept gepasst, er musste künstlerisch umsiedeln, derweil Josef Albers sich nach einigen aktiven Jahren in Detuschland, u.a. im Bauhaus, gezwungen sah, 1933 mit seiner Frau Anni Albers in die USA auszuwandern. Sein Werk fiel, wie das anderer Künstler, der Aktion „Entartete Kunst“ zum Opfer.

Josef Albers wirkte nach seinen eigenen Schuljahren später selbst als Volksschullehrer. Im Alter von 20 Jahren machte er Bekanntschaft mit Bildern von Künstlern wie Paul Cézanne oder Henri Matisse und Piet Mondrian, der ihn zu seiner ersten Abstraktion inspirierte, wie Wikipedia notiert. Nach einem Kunststudium in Berlin und Essen sowie später in München an der Kunstakademie, besuchte er 1920 den Kurs von Johannes Itten am Bauhaus Weimar und arbeitete auch in der Werkstatt für Glasmalerei.

Er lehrte fünf Jahre unter Walter Gropius, später dann neben Làszlo Moholy-Nagy und anderen Meistern, ehe er 1925 mit dem Bauhaus nach Dessau umzog, wo er seine Frau, die Textilkünstlerin Anni Fleischmann, heiratete. 1928 schuf er das später unter der Bezeichnung „Josef-Albers-Fenster“ bekannte Ensemble von 18 Glasfenstern. Es sind streng geometrisch angelegte Kompositionen, die nach der Zerstörung im Krieg heute als Rekonstruktion im Leipziger Grassimuseum zu sehen sind. Neben der Malerei auf Papier und Leinwand sowie Glas betätigte er sich auch in der Möbelwerkstatt am Bauhaus von Marcel Breuer in Möbel-Gestaltung. Er wurde gar Stellvertreter von Mies van der Rohe, als dieser die Direktion des Bauhauses übernahm.

Wegweiser der amerikanischen Nachkriegskunst

In den USA wirkte er von Ende 1933 bis 1949 an der Kunsthochschule Black Mountain College in North Carolina. Zu seinen Schülern gehörten u.a. Robert Rauschenberg, Donald Judd und Kenneth Noland. Er fühlte sich auch von französischer Abstraktion angezogen, doch 1939 nahm das Ehepaar Albers die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Er wechselte 1950 zur Yale-Universität, zählte wiederum später bekannt gewordene Namen wie Richard Serra, Eva Hesse oder Julian Stanczak zu seinen Schülern, nahm Gastdozenturen, etwa in Harvard, an, reiste viel, auch nach Santiago de Chile und Havanna, kehrte als Gastdozent Mitte der Fünfzigerjahre an die Hochschule für Gestaltung nach Ulm zurück. Weitere Stationen seiner Lehr-Karriere in den USA aufzulisten, würde zu weit führen. Es gibt auch eine Josef Albers Foundation, die von seiner vielseitigen Tätigkeit zeugt.

Wenn heute auf das Werk von Josef Albers zurückzublicken ist, dann dürfen seine Teilnahmen an der documenta 1 im Jahre 1955 und der 4. documenta 1968 in Kassel nicht unerwähnt bleiben. Zahlreiche Ausstellungen in der ganzen Welt hat er vorzuweisen, auch 1971 im Metropolitan Museum of Art, New York, 1971, und in Bottrop, wo es von 2022 bis 2023 eine Sonderausstellung mit mehr als hundert Quadratbildern gab. 2011 hatten wir die Chance, die Schau „Malerei auf Papier. Josef Albers in Amerika“ in der Pinakothek der Moderne in München zu sehen (diese Expo wurde auch im Josef-Albers-Museum gezeigt), ein Besuch, der bei uns starke Eindrücke hinterlassen hat.

Quadrat und Farbenwirkung

An Würdigungen, Schriften und Literatur mangelt es nicht. Von Albers sei hier nur das Werk „Die Wechselbeziehungen der Farbe“ von 1963 zitiert, wobei dieses Werk für ihn wohl als eine Art künstlerischer Nachlass für die Nachwelt gelten mag. Zum Thema „Eigengesetzlichkeit der Farbe“ sagte er: „Um Farbe mit Erfolg anzuwenden, muß man erkennen, dass Farbe fortwährend täuscht.“ Das Zitat stammt aus „Kunst des 20. Jahrhunderts“ vom Museum Ludwig Köln.

Wird der Name Albers in Deutschland meist im Gefolge der Bauhaus-Geschichte genannt, so hat der Künstler wie andere Emigranten auch die amerikanische Nachkriegskunst ganz wesentlich mitgeprägt. Einschneidend dabei waren seine in „Serien gemalten Quadratbilder“ sowie große „Wandbilder in den Hallen der New Yorker Wolkenkratzer“ (dixit „Kunstgeschichte Malerei“, Dumont Verlag), die einen „konkret-abstrakten Gegenakzent“ zu der ureigenen New Yorker Schule setzten.

Mit seiner bereits erwähnten „Huldigung an das Quadrat“ hat er die von Malewitsch benannte „Elementarform des Konstruktivismus“ erweitert, indem mit diversen Techniken „verschiedenfarbige und sorgfältig mit der Hand gemalte Quadrate symmetrisch ineinander gesetzt wurden“ (Katharina Cichosch: „Farbe denken? Vom revolutionären Gehalt Josef Albers’“). Farbe beeinflusst Nebenfarbe und umgekehrt, es entsteht die angepeilte Wechselwirkung. Albers hat diese Lehre ultimativ ausgereizt und so auch „Meditationsbilder“ geschaffen. Er perfektionierte das System, indem er auf der Rückseite die Farben nummerierte, „um zu verdeutlichen, dass ein Betrachter Farben für sich und miteinander je nach Umgebung völlig unterschiedlich wahrnimmt“ (dixit Wikipedia).

Wer sich auf diversen Webseiten eine Übersicht der Farbtafeln von Josef Albers anschaut, der dürfte von der Vielseitigkeit der Kombinationen und der geometrischen Figuren des Künstlers beeindruckt sein. Als Pädagoge und Künstler war Albers bis zu seinem Lebensende darauf fokussiert, nicht nur seine Überzeugungen, sondern auch seine im Laufe eigener kreativer Tätigkeit gemachten Erkenntnisse weiterzureichen. Josef Albers wird auch heute noch, wie Ausstellungen in den letzten Jahren zeigen, von Kunstmuseen als Eckpfeiler in der Kunstgeschichte gewürdigt.

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