Miles Davis

Zum 100. Geburtstag: Meilensteine und Widersprüche im Leben einer Jazz-Ikone

Er war einer der einflussreichsten und visionärsten Musiker des 20. Jahrhunderts. Miles Davis hat die Entwicklung des Jazz vom Bebop über den Cool Jazz bis zum Fusion Jazz wie kaum ein anderer geprägt, immer wieder neu erfunden und weiterentwickelt. Jede Note, die der Trompeter gespielt hat, sei ein Einspruch gegen die Konventionen gewesen, heißt es. Doch hinter der coolen Fassade steckte ein fragwürdiger Charakter.

Miles Davis auf dem Albumcover „Tutu“ (1986) als Zauberer in magischem, künstlerischem Stil

Ein „Sorcerer“, ein Zauberer? Miles Davis auf dem Cover des Albums „Tutu“ (1986). Foto: Flickr / Warner

Den Jazz entdeckte ich über das Kino – und über Miles Davis. Niemand in meinem familiären Umfeld oder unter meinen Freunden während meiner Schulzeit hörte diese Art von Musik. Ausschlaggebend war Louis Malles Film „Ascenseur pour l’échafaud“ („Fahrstuhl zum Schafott“). Davis hat darin die Bilder des nächtlichen Paris der späten 50er Jahre in seine musikalische Sprache übersetzt. Seiner Band hatte er für die Aufnahmen an zwei Tagen im Dezember 1957 nur fragmentarische harmonische Sequenzen vorgelegt. So improvisierten die Musiker zu den Projektionen wichtiger Filmszenen. Sie spielten Cool Jazz mit einer besonders dramatischen Intensität und einer reduzierten, lyrischen Stimmung, die einige Male in den Hardbop überging. Die Aufnahmesession begann am Abend um zehn Uhr und dauerte bis zum Morgengrauen an. Der Soundtrack trug entscheidend zur Atmosphäre des Films bei, der ein großer Erfolg wurde.

Miles Dewey Davis III, geboren am 26. Mai 1926 in Alton im US-Bundesstaat Illinois, stammte aus einer relativ wohlhabenden Familie und war das zweite von drei Kindern. Ein Jahr nach seiner Geburt zog die Familie in das 40 Kilometer südlich gelegene East St. Louis. Sein Vater eröffnete dort eine florierende Praxis als Zahnarzt und Kieferchirurg. Seine Mutter sorgte dafür, dass Musik in der Familie eine wichtige Rolle spielte. Die Tochter einer Musiklehrerin spielte selbst Geige und Klavier. Vom Jazz hielt sie allerdings nichts.

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