„War nur heisse Luft“

Warum manche nach einer Aktion für mehr Bürgerbeteiligung in der Hauptstadt enttäuscht sind

Gemeinsam Ideen für Luxemburg-Stadt entwickeln: das war das Ziel eines im November 2024 organisierten „Ideation Lab“ der Stadt Luxemburg. Mehr als ein Jahr später ist von der anfänglichen Begeisterung bei einigen Teilnehmern wenig geblieben. Diese ist Ernüchterung gewichen.

Stadt Luxemburg Mitarbeiter beim Apéri‘tour und Ideation Lab in Bonneweg zur Bürgerbeteiligung und urbanen Entwicklung

Mit Aktionen wie dem „Apéri‘tour“ oder auch dem „Ideation Lab“ in Bonneweg wollen die Verantwortlichen der Stadt Luxemburg auf die Bevölkerung zugehen Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Als „etwas Besonderes“ oder „innovativ“ beschreiben Bürgerinnen und Bürger aus Luxemburg-Stadt das sogenannte „Ideation Lab“, das am Wochenende des 15. November 2024 in Bonneweg stattfand. Mit dieser erstmals organisierten Aktion wollte die Stadt erfahren, was die Menschen in der Hauptstadt denken, und ihre Anregungen in konkrete Projekte überführen. Insgesamt 50 Personen, die in Luxemburg-Stadt leben, arbeiten oder dort in Vereinen aktiv sind, kamen dafür ins Bonneweger Kulturzentrum.

Einige von ihnen sind inzwischen – mehr als ein Jahr nach der Veranstaltung, für die die Stadt 70.000 Euro ausgab – enttäuscht. In Gesprächen mit dem Tageblatt fragten sie sich unabhängig voneinander, was aus den im „Ideation Lab“ entwickelten Ideen geworden ist. Nach dem zeitintensiven Wochenende 2024 – an dem sie von Freitagnachmittag bis Sonntagnachmittag insgesamt 26 Stunden zusammengearbeitet hatten – hörten sie dazu nichts mehr.

Dabei gibt es für die Grundidee des Ideenlabors viel Lob, wie Gespräche mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern zeigen. So sagt Nico Hoffmann, der seit 40 Jahren in Gasperich lebt: „Es war etwas Besonderes, an so etwas hatte ich noch nie teilgenommen: Leute, die gemeinsam neue Ideen entwickeln, um unsere Stadt auf das nächste Level zu bringen.“ An zwei von drei Tagen war der 72-Jährige im Bonneweger Kulturzentrum dabei. Das Vorstandsmitglied des „Interesseveräin Gaasperech“ beschreibt: „Die Stimmung war toll und es war international. Es war auch schön, gemeinsam zu essen und nicht nur zu arbeiten.“

Ursprüngliche Begeisterung

Auch Teilnehmerin Mélanie Troian hebt positiv hervor, dass sie bei dem Ideenlabor neue Leute kennen lernen konnte. Seit etwa zwölf Jahren lebt die 48-Jährige in Gasperich. Die Präsidentin des Gaspericher Interessenvereins und frühere Co-Präsidentin der „Stater Sozialisten“ sagt: „Die Veranstaltung war gut organisiert und wurde professionell begleitet. Es waren viele Beamte der Gemeinde dabei, die beim Ausarbeiten von Projekten halfen.“ Tatsächlich begleiteten laut Angaben der Stadt 42 Expertinnen und Experten der kommunalen Dienste das Geschehen.

Julien Gannard aus Hamm betont, dass Ideenlabore nur bei Umsetzung der Vorschläge sinnvoll sind.

Julien Gannard aus Hamm würde nur unter einer Bedingung noch einmal an einem Ideenlabor teilnehmen: wenn die Vorschläge danach auch umgesetzt werden Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Julien Gannard aus Hamm lobt die Grundidee des „Ideation Lab“. „Es war eine interessante Erfahrung und für die Stadt Luxemburg recht innovativ“, sagt der Mann, der seit rund 20 Jahren in Hamm lebt. Der von der Stadt beauftragte Dienstleister habe die Teilnehmer „perfekt betreut und unterstützt.“ Zehn externe Fachleute waren laut Stadt Luxemburg vor Ort. Mit Blick auf die investierte Zeit betont das Mitglied des „Syndicat d’intérêts locaux Hamm-Pulvermuhle“: „Es war sehr intensiv.“

Der 47-Jährige erinnert sich, dass er erschöpft, aber zugleich begeistert nach dem Wochenende nach Hause ging. „Ich habe wirklich geglaubt, dass die Stadt all diese Mittel in die Verständigung und die Ausarbeitung von mit den Einwohnern entwickelten Maßnahmen gesteckt hat. Aber das war nur heiße Luft – zumindest für unser Viertel“, stellt Julien Gannard fest. Denn für ihn ist inzwischen klar: „Die Bürgermeisterin und die Schöffen haben nichts von unseren Ideen übernommen.“

Bleibende Ernüchterung

Auch Guido Raman aus Hamm blickte zunächst optimistisch auf das „Ideation Lab“. „Ich glaubte, etwas verändern zu können“, so der 76-Jährige, der seit über 40 Jahren in Hamm lebt. Beim Ideenlabor setzte er sich vor allem für eine Verkehrsberuhigung ein. Angesichts des geplanten Baus eines multidisziplinären Sportkomplexes mit Leichtathletikanlagen in Hamm befürchtet er nun jedoch eher zunehmenden Verkehr. Ob ihm die Veranstaltung gefallen habe, beantwortet er mit „ja, leider“ – und meint, es sei naiv gewesen, zu glauben, tatsächlich in die Entscheidungen der Stadt einbezogen zu werden.

Mélanie Troian aus Gasperich zeigt Bedauern über Zeitverlust bei nicht umgesetzten gemeinsamen Ideen

Mélanie Troian aus Gasperich bedauert den Zeitaufwand, wenn gemeinsam entwickelte Ideen später keine Rolle mehr spielen Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Nicht nur in Hamm, sondern auch in Gasperich ist die Enttäuschung groß. Dort wurden Ideen wie ein gemeinschaftlicher Garten zur ressourcenschonenden Lebensmittelproduktion bislang nicht umgesetzt. „Die Beamten nannten uns sogar einen passenden Ort im Viertel für das Projekt“, so Mélanie Troian. Informationen zu den nächsten Schritten habe es nach dem Ideation Lab nicht gegeben. Teilnehmen würde sie nur noch, „wenn vorher klar ist, dass die Projekte auch umgesetzt werden. Ansonsten ist es schade um die investierte Zeit.“

Der Gaspericher Nico Hoffmann ist ebenfalls vom Ergebnis enttäuscht: „Bis jetzt haben wir nichts mehr dazu gehört.“ Zwar sei angekündigt worden, die Ideen zusammenzufassen und zu veröffentlichen, doch geschehen sei das bislang nicht. Wegen des Austauschs mit Menschen aus anderen Vierteln würde Hoffmann dennoch wieder teilnehmen. Anders sieht es Julien Gannard aus Hamm: Er würde nur noch unter der Voraussetzung mitmachen, „dass die gemachten Vorschläge anschließend auch umgesetzt werden.“

Das sagt die Stadt Luxemburg

An einem intensiven Arbeitswochenende im November 2024 organisierte die Stadt Luxemburg ein Ideenlabor, bei dem sich 50 Menschen einbrachten. „Ziel war es, Stimmen und Anregungen aus den Vierteln aktiv aufzugreifen und in konkrete, realistische und testbare Projekte zu übersetzen“, erklärt die Pressestelle der Stadt Luxemburg auf Nachfrage. Einige Teams hätten ihre Ideen 2025 bei der Fortsetzung der „Apéri’tours“ vorgestellt. „Ab 2026 dienen diese Projekte als Basis für konkrete Tests, Pilotprojekte und nachfolgende Umsetzungen“, heißt es weiter. Was konkret umgesetzt werden soll, beantwortete die Stadt bislang nicht. Eine Wiederholung oder Weiterentwicklung des Formats sei jedoch „gut vorstellbar“. Die Pressestelle verweist in ihrer Antwort noch auf das Engagement der zahlreichen Freiwilligen, die „viel Freizeit“ in das Ideenlabor investiert hätten.

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