„Kein Haushalt verbraucht so viel“

Warum Stromausfälle durch zu viele Geräte selten sind

Ein Mann berichtete dem Tageblatt von einem Stromausfall – er habe zu viele Geräte gleichzeitig benutzt und so das Netz überlastet. Eigentlich kommen solche Abschaltungen in der Regel kaum vor.

Haus mit Solaranlage in Luxemburg, 27,7 kW Leistung pro Haushalt, erneuerbare Energieversorgung

In Luxemburg steht pro Haushalt eine Leistung von 27,7 kW zur Verfügung Symbolfoto: Editpress/Julien Garroy

Ein Mann schilderte dem Tageblatt vergangene Woche, dass ihm der Strom abgestellt worden sei, weil er mehrere Geräte gleichzeitig betrieben hat – darunter die Ladestation seines Elektroautos, eine Waschmaschine und einen Trockner. Creos bestätigte, dass der Stromzähler „Smarty“ bei Überlastung, etwa durch den gleichzeitigen Betrieb mehrerer stromintensiver Geräte, automatisch eine vorübergehende Sicherheitsabschaltung auslösen könne.

Der stellvertretende Direktor des „Institut luxembourgeois de régulation“ (ILR), Claude Rischette, und der Chef des „Service Energie“, Claude Hornick, zeigen sich im Gespräch mit dem Tageblatt überrascht über die Mitteilung von Creos. Pro Haushalt stünden 27,7 kW zur Verfügung. Würden diese überschritten, schalte sich tatsächlich die Schutzfunktion des Zählers ein, um die Sicherungen zu schützen – doch kein Haushalt verbrauche so viel.

„27,7 kW ist hoch – die meisten Menschen erreichen vielleicht die Hälfte davon“, sagt Rischette. Fälle, in denen der Strom aufgrund zu vieler Geräte abgeschaltet wurde, seien dem ILR nicht bekannt. Bei einem normalen Haushaltsverbrauch liege die Spitze bei etwa 3 oder 4 kW. „Wenn jemand sein Auto mit 11 kW auflädt, dazu Haushalt und Wärmepumpe, dann kommt man maximal auf 16 oder 17 kW“, so Rischette. Tatsächlich erlaubt Creos aus Gründen der Netzstabilität beim Laden von Elektrofahrzeugen zu Hause maximal 11 kW, wie auf der Website des Netzbetreibers zu lesen ist – selbst dann, wenn die Ladeleistung der Wallbox bei 22 kW liegt.

Auch aus Sicht des ILR gilt die Empfehlung, nicht alle Apparate zeitgleich einzuschalten. Allerdings geht es dabei nicht um Unterbrechungen im Stromnetz, sondern darum, dass Verbraucher auf diese Weise Geld sparen können. Denn: Je mehr Geräte gleichzeitig Strom beziehen, desto höher sind die Netzkosten.

Sonderfälle und Defekte

„In der Praxis kommt es tatsächlich äußerst selten zu einer Abschaltung wegen Überlastung“, schreibt Creos am Dienstag auf Tageblatt-Nachfrage. Dass die gleichzeitige Nutzung leistungsstarker Geräte eine Sicherheitsabschaltung auslöst, sei außergewöhnlich. Mit einer Reduktion der Last könne die Versorgung im Normalfall wiederhergestellt werden – unter anderem durch das Drücken des grünen Knopfes, wie auf dem Zähler angegeben.

Gelegentlich könne es vorkommen, dass ein defekter Zähler fälschlicherweise eine Unterbrechung der Stromversorgung auslöse. Creos tausche diesen in solchen Fällen „umgehend nach Feststellung des Defekts“ aus. In der Vergangenheit sei dies vereinzelt vorgekommen, allerdings sei es unüblich. In seltenen Fällen gebe es auch Auslösungen aufgrund von ungewöhnlichen elektrischen Verhaltensweisen beim Kunden. Zum Beispiel könnten sich Spezialgeräte wie große Schweißgeräte anders verhalten als typische Haushaltsgeräte und unerwartete Rückwirkungen ins Netz haben. „Auch solche Situationen werden technisch überprüft und je nach Fall behandelt“, schreibt Creos.

Netzgrenze: Alle Haushalte gleichzeitig

Wirklich problematisch könnte es laut ILR nur dann werden, wenn alle Haushalte gleichzeitig das ihnen zustehende maximale Leistungsvermögen des Netzes nutzen würden. „Das Netz ist nicht dafür ausgebaut, dass alle Haushaltsverbraucher im selben Moment 27,7 kW ziehen. Würden alle das machen wollen, würden die Netze es nicht schaffen“, sagt Claude Rischette. Jeder Einzelne habe zwar das Recht dazu, Strom sei jedoch ein kollektives Medium. Für Verbraucher gebe es keinen Grund zur Besorgnis, dass sie plötzlich ohne Strom dastehen, nur weil sie mehrere Geräte gleichzeitig benutzen – inklusive E-Auto-Ladestation.

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