Frust bei Bürgern in Rodange
Versammlung zur „Bëschcrèche“ artet in Ärger über andere Projekte im Doihl aus
Klare Fronten gab es bei der Bürgerversammlung im Kulturzentrum in Rodange am Montagabend. Eigentlich sollte es um die Reklassierung eines Grundstücks für den Bau einer „Bëschcrèche“ in Doihl gehen. Doch am Ende steht wieder der Frust der Bürger über das umstrittene Hotel und die weiteren Projekte im Viertel im Fokus.
In der rue de la Minière soll das Projekt „Bëschcrèche“ ein zu Hause finden. Doch die Entwicklung dieses Stadtteils stößt bei einigen Bürgern und Bürgerinnen auf großen Widerstand. Foto: Editpress/Julien Garroy
Die Spannung im Saal ist bereits zu Beginn der Sitzung spürbar. Viele der Anwesenden sind Mitglieder der Bürgerinitiativen „Doihl“ und „Kordall“, die mittlerweile sämtliche Projekte der Gemeinde in ihrem Viertel mit großer Skepsis betrachten. Ihnen gegenüber sitzen Vertreterinnen und Vertreter des Planungsbüros Zeyen/Baumann, der technischen Abteilungen der Gemeinde sowie Bürgermeister Jean-Marie Halsdorf und Schöffe Romain Mertzig.
Eigentlich steht lediglich auf dem Programm, dass die Bürgerinnen und Bürger über die Reklassierung einer kleinen Fläche im allgemeinen Bebauungsplan (PAG) und im Teilbebauungsplan (PAP) im Quartier Doihl informiert werden – als Vorbereitung auf den Bau einer geplanten „Bëschcrèche“. Ziel der Veranstaltung ist es, dass im Anschluss schriftliche Stellungnahmen und Beschwerden bei der Gemeinde eingereicht werden können, über die dann im Gemeinderat vor der finalen Abstimmung beraten wird.
Doch schon nach wenigen Wortmeldungen wird klar: Die Anwesenden hatten sich deutlich mehr Informationen über das Projekt erhofft. Zum Zeitpunkt der Sitzung liegen jedoch noch keine konkreten Baupläne oder Entwürfe vor – was in dieser frühen Phase der Reklassierung üblich ist. Zunächst geht es lediglich darum, die planerische Grundlage für ein solches Projekt zu schaffen. Ein Umstand, den Bürgermeister Halsdorf mehrfach betonen muss.
Geplant ist eine Crèche mit einer Gesamtfläche von rund 350 bis 400 Quadratmetern für etwa 30 Kinder. Der Bau soll – soweit möglich – auf natürliche Materialien und nachhaltige Konstruktion setzen. Als Vorbild dient die „Bëschcrèche“ in Betzdorf. Viel mehr Informationen erhalten die Bürgerinnen und Bürger jedoch nicht, auch einen Kostenvoranschlag für den Bau gibt es nicht. „Dir sidd dach guer net preparéiert“, ärgert sich ein Teilnehmer. Ein anderer ergänzt: „Dat do ass guer näischt.“ Die Enttäuschung wächst spürbar, je öfter die Gemeindevertreter auf konkrete Fragen nur vage antworten, schätzen oder auf die Einhaltung der gesetzlichen „Prozeduren“ verweisen. Grundsätzlich sei man nicht gegen die „Bëschcrèche“, betonen viele, doch man fühle sich an frühere Erfahrungen erinnert – insbesondere an das umstrittene Hotelprojekt.
Damit ist auch das eigentliche Thema angesprochen, das das Verhältnis zwischen Teilen der Bevölkerung und der Gemeinde belastet: die Vielzahl an Projekten, die in direkter Nachbarschaft zur geplanten „Bëschcrèche“ entstehen sollen. Besonders das seit Jahren geplante Hotel sorgt weiterhin für Unmut (das Tageblatt berichtete ausführlich).
„Das einzige bisher sinnvolle Projekt“
„Wir wünschen uns, dass die Gemeinde uns endlich einen Gesamtplan für die Entwicklung dieses Quartiers vorlegt, statt scheibchenweise Informationen zu veröffentlichen“, sagt Henri Krecké, Präsident der Bürgerinitiative „Doihl“. Es handle sich um eine „Salami-Taktik“, bei der sich die Gemeinde hinter formalen Abläufen verstecke, um kritische Diskussionen zu vermeiden. „Würden alle Projekte in einer Informationsveranstaltung vorgestellt, müsste man sich der Kritik der Anwohner stellen – und das will man offenbar nicht, weil der Rückhalt für diese Vorhaben fehlt.“ Zudem fordert die Initiative eine neue Umweltverträglichkeitsprüfung, da es sich bei dem Gelände um ein Feuchtgebiet mit zahlreichen unterirdischen Quellen handle. Diese würden auch den Bau anderer Projekte erschweren. „Warum glauben Sie wohl, dass beim Hotel seit über 20 Jahren nichts passiert ist? Das Dossier ist weitaus kritischer, als die Gemeinde es nach außen darstellt“, so Krecké.
Den Bau der „Bëschcrèche“ bezeichnet Krecké als das „einzige bisher sinnvolle Projekt“, das von der Gemeinde vorgestellt wurde. „Aufgrund seiner Lage und begrenzten Größe wird es kaum Auswirkungen auf die Umwelt haben.“ Dennoch werde man Beschwerden einreichen – vor allem, um erneut mehr Dialog und eine umfassende neue Impaktstudie einzufordern.
„Der Abend war gut“, bilanziert Bürgermeister Jean-Marie Halsdorf im Anschluss. „Die Diskussionen waren kontrovers, aber wir haben uns an die gesetzlich vorgeschriebenen Abläufe gehalten. Wir mussten die Bürger über die Reklassierung informieren und warten nun auf die schriftlichen Stellungnahmen.“ Wie viele Beschwerden es braucht, um ein Projekt zu stoppen, lässt Halsdorf offen. Entscheidend sei die Mehrheit im Gemeinderat.
Er selbst sehe die Auswirkungen der geplanten Bauprojekte nicht so dramatisch wie die Bürgerinitiativen. Die Problematik der Quellen falle in den Zuständigkeitsbereich des Wasserwirtschaftsamts (AGE). „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Sollte es Probleme geben, liegt es nicht an uns, Fragen zu stellen, sondern an der AGE, uns zu informieren“, so Halsdorf.
Mitten im Grünen sollen unter anderem ein Hotel und ein Wellnesszentrum Platz finden Foto: Editpress/Julien Garroy