Sommerserie

Unsere Lieblingsorte (15): Mein Herz hängt an Vianden und Wiltz

Zeitreise. Die Entscheidung fiel in Ettelbrück. Beim sonntäglichen Familienausflug, aus dem Süden kommend, ging es entweder rechts nach Vianden oder links nach Wiltz. Wohin der Weg führte, war mir eigentlich egal. An beiden Orten wurde ich gut empfangen. In beide Städte kehre ich heute immer noch gerne zurück.

Mit dem Sessellift nach oben: Die Aussicht auf Vianden und sein Schloss ist grandios

Mit dem Sessellift nach oben: Die Aussicht auf Vianden und sein Schloss ist grandios Foto: Giulia Goetz

Es gibt zwei Städte im Norden des Landes, die für mich der Inbegriff des Urlaubs zu Hause sind. Wiltz – wo ich geboren wurde – und Vianden, wo ich in den Sommerferien als Teenager in der familieneigenen Pension mit Restaurant ausgeholfen habe.

Am vergangenen Montag sind Giulia und ich nach Vianden gefahren. Beim Kulturzentrum „Larei“ parken wir. Bis zum Sessellift, nach wie vor dem einzigen im Land, sind es nur wenige Meter. Oben angekommen, wähnen wir uns in den Bergen. Das liegt natürlich am Geruch des Tannenholzes, aber auch am schönen Chalet, wo man gemütlich verweilen kann.

Unser Blick fällt aufs Schloss, auf üppiges Grün. Auch aufs Altersheim auf der gegenüberliegenden Seite, ein ehemaliges Sanatorium, wo Tuberkulose auskuriert wurde. Etwas unterhalb von dem stattlichen Gebäude liegt mit das schönste Freibad Luxemburgs. Seit 2019 ist es geschlossen. Eine Schande. Das gilt auch für den Klettergarten, der bis zur Schließung 2020 seinesgleichen im Lande suchte.

Nun denn. Das Schloss ist unser Ziel. Ich habe es noch als Ruine gekannt, fast so, wie der französische Schriftsteller Victor Hugo es einst gezeichnet hat. Heute ist es eine Pracht. Ein Touristenmagnet, der ständig verschönert und verbessert wird. Endlich wird jetzt auch ein Lift für Menschen mit eingeschränkter Mobilität eingebaut.

Leicht unterhalb vom Schloss, gegenüber der Jugendherberge, liegt ein Haus, das durchaus so auch in den Bergen stehen könnte. Früher war es eine Pension mit Restaurant mit Namen  „Au bon repos“. Dort habe ich damals den Frühstückstisch gedeckt und Softeis serviert.

Rund 40 Jahre haben diese Erinnerungen heute auf dem Buckel. Sie gehen Hand in Hand mit Touristenmassen, die im Sommer durch Viandens Gassen strömten, Frikadellen aßen und vorm Kiosk beim Rathaus einem Konzert lauschten.

Ja, Vianden ist ruhiger geworden, Touristen bleiben keine Wochen mehr, höchstens Tage oder gar nur Stunden. Schön ist die Stadt immer noch. Und es gibt viel zu entdecken auf den zahlreichen Spazierwegen. Entlang der Ringmauer zum Beispiel, zur Bildchen-Kapelle, zum Hockelsturm oder außerhalb des Städtchens an der Our entlang.

Nach Wiltz zu Fatima

Wer spazieren und wandern möchte, der findet auch in Wiltz sein Glück. Nach „Wolz“ sind Giulia und ich am vergangenen Montag leider nicht mehr gekommen. Sonst hätten wir einmal mehr feststellen müssen, dass ein Besuch der „Ville martyre“ gehörig in die Beine geht.

Wir hätten auch notieren müssen, dass die Stadt, in der 1942 die ersten Streikaktionen gegen den Nazibesatzer stattfanden, zusehends wächst, vor allem im unteren Stadtteil Niederwiltz unweit der Simon-Brauerei.

Das Gelände rund ums Schloss, wo im Sommer die Festspiele locken oder jetzt im September die „Nuits des lampions“, ist stets einen Besuch wert. Einen besonders schönen Blick auf die Stadt genießt man vom Denkmal „Notre-Dame de Fatima“ aus. Man muss nicht religiös sein, um an diesem leicht außerhalb gelegenen Ort ein erhabenes Gefühl zu haben und sich vorzunehmen, eigentlich öfters nach Wiltz zu kommen und darüber zu erzählen.

Schloss Wiltz
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Schloss Wiltz
Denkmal „Zu unserer lieben Frau Fatima“. Von hier oben genießt man einen freien ...
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Denkmal „Zu unserer lieben Frau Fatima“. Von hier oben genießt man einen freien Blick auf Wiltz, seine Vergangenheit und Zukunft.
Tourismusmagnet par excellence: Schloss Vianden
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Tourismusmagnet par excellence: Schloss Vianden
„Au bon repos“: Bergidylle unterhalb des Schlosses. Früher war dies eine Pension...
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„Au bon repos“: Bergidylle unterhalb des Schlosses. Früher war dies eine Pension mit Restaurant.
Spaziergang entlang der Ringmauer. Das Schloss ist omnipräsent.
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Spaziergang entlang der Ringmauer. Das Schloss ist omnipräsent.
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