390-Millionen-Euro-Projekt

Umgehungsstraße Alzingen: „natur&ëmwelt“ warnt vor Folgen für die Natur

Die geplante Umgehungsstraße von Alzingen stößt bei „natur&ëmwelt“ auf deutliche Kritik. Die Naturschutzorganisation warnt vor Folgen für das Natura-2000-Gebiet „Vallée supérieure de l’Alzette“ und stellt den verkehrspolitischen Nutzen infrage.

Das Alzette-Tal ist ein wichtiger Lebensraum für den Weißstorch, „natur&ëmwelt“ warnt vor den Folgen der geplanten Umgehungsstraße

Das Alzette-Tal ist ein wichtiger Lebensraum für den Weißstorch, „natur&ëmwelt“ warnt vor den Folgen der geplanten Umgehungsstraße Symbolbild: Editpress/Julien Garroy

Die Vereinigung „natur&ëmwelt“ lehnt den Bau des „Contournement d’Alzingen“ ab. In einer Stellungnahme zum Gesetzentwurf 8754 kritisiert die Organisation vor allem die Auswirkungen auf Natur und Artenvielfalt. Der Staat will das Straßenprojekt mit 390 Millionen Euro finanzieren.

Alzette-Tal als wichtiger Lebensraum

Besonders problematisch sei der geplante Verlauf durch das Natura-2000-Gebiet „Vallée supérieure de l’Alzette“. Die Region ist laut „natur&ëmwelt“ eine wichtige Schutzzone für Vögel und Lebensraum zahlreicher geschützter Arten. Auch die Wälder südlich der Stadt Luxemburg würden durch die neue Straße belastet.

Die Organisation verweist unter anderem auf die Bedeutung des Gebiets für den Weißstorch. Während der Zugzeit würden regelmäßig mehr als 60 Tiere beobachtet. In einzelnen Jahren hielten sich Paare dort mehrere Tage auf und versuchten sogar, Nester zu bauen. Nach Angaben von „natur&ëmwelt“ brütet die Art in Luxemburg derzeit nur im Alzette-Tal.

Auch für andere Vogelarten sind die feuchten Wiesen und Überschwemmungsflächen wichtig. Bei Hochwasser dient die Alzette-Ebene zahlreichen Vögeln als Rastplatz. Die Organisation warnt zudem vor einer weiteren Verschlechterung der Bedingungen für Wiesenbrüter durch intensive Bewirtschaftung und frühe Mahd. Eine neue Straße mit zusätzlichem Verkehr stehe einer ökologischen Aufwertung der Flächen zudem entgegen.

Kritik an Umwelt- und Verkehrspolitik

Neben den Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen sieht „natur&ëmwelt“ auch wichtige Funktionen des Alzette-Tals gefährdet. Die Wiesen und Feuchtgebiete tragen zur Regulierung des Wasserhaushalts, zum Hochwasserschutz, zur Landwirtschaft und zur Grundwasserneubildung bei. Durch zusätzliche Versiegelung und die Zerschneidung von Lebensräumen könnten diese Funktionen beeinträchtigt werden und zu einem erheblichen Verlust an Biodiversität führen. Zudem würde die Widerstandsfähigkeit dieses Ökosystems gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels geschwächt werden.

Auch verkehrspolitisch hält die Organisation das Projekt für überholt. Eine höhere Straßenkapazität könne Staus nur vorübergehend reduzieren und langfristig zusätzlichen Verkehr erzeugen. Stattdessen sollten Investitionen stärker in den öffentlichen Verkehr, Radinfrastruktur und Maßnahmen zur Verringerung des Autoverkehrs fließen.

Unbeantwortete Fragen

Die 390 Millionen Euro seien angesichts „knapper öffentlicher Finanzen“ zudem schwer zu rechtfertigen, „eine derart kostspielige Investition in eine neue Straße zu tätigen“. „natur&ëmwelt“ fordert, das Geld stattdessen unter anderem in den öffentlichen Verkehr, die Renaturierung von Naturräumen und die Anpassung an den Klimawandel zu investieren.

Kritik übt die Organisation außerdem an den aus ihrer Sicht noch nicht umgesetzten Ausgleichsmaßnahmen im Rahmen der neuen Bahnstrecke Luxemburg–Bettemburg. Diese müssten vor Arbeiten im Natura-2000-Gebiet sichergestellt werden. Zudem wirft die Organisation den Behörden mangelnde Transparenz vor. Zahlreiche Anfragen und aufgeworfene Fragen blieben unbeantwortet: „Ein solcher Mangel an Dialog ist bei einem Projekt dieser Größenordnung nicht akzeptabel.“ (DJ)

2 Kommentare
jean-pierre goelff 12.08.202608:56 Uhr

Das Ländle wird langsam aber sicher zubetonniert,Natur,Umwelt und unsere Enkel sagen wohl,,danke,danke,,;besonders angesichts des katastrophalen,nicht mehr abzuwendenden Klimawandels!Weiter so,ein paar Elektrobusse und elektrische Triebwagen werden's schon richten,nicht wahr!

JJ 12.08.202608:22 Uhr

Natur und Umwelt sind mit Baumaßnahmen jeglicher Art inkompatibel. Das nächste Hochwasser kommt bestimmt. Landversiegelung ist tödlich. Wir haben es vermasselt,die Karre liegt im Dreck.

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