Echternach

Tiny Forest: Wo früher Kinder spielten, wachsen in Zukunft Bäume

Ein Spielplatz in der Echternacher rue de la Chapelle verschwindet. Er soll durch einen Tiny Forest ersetzt werden. Laut Gemeinde fördere dies die Biodiversität. Ein neuer Spielplatz ist ebenfalls geplant.

Baumsetzlinge auf einem Spielplatz, der künftig anstelle einer Rutsche begrünt wird, nachhaltige Stadtplanung sichtbar

Statt einer Rutsche sollen hier in Zukunft Bäume stehen Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Kinder können nicht mehr auf dem Spielplatz „Bréil“ in der rue de la Chapelle in Echternach spielen. Die Gemeinde will hier einen Tiny Forest errichten. Das steht auf ihrer Website. Ziel sei es, die Luftqualität in der Stadt zu verbessern und die Biodiversität zu fördern, so Bürgermeisterin Carole Hartmann (DP) gegenüber dem Tageblatt.

Der Mini-Wald sei laut Hartmann Teil der Begrünungsstrategie der Stadt. „Seit 2025 versuchen wir, dort, wo es möglich ist, zu begrünen.“ Auch Bäume pflanze die Gemeindeverwaltung vermehrt. Der Tiny Forest war bereits seit Monaten geplant, nun habe die Kommune in der rue de la Chapelle den geeigneten Platz gefunden. „Der Spielplatz ist bereits älter, sodass wir uns entschieden haben, ihn nicht mehr instand zu halten.“

Spielplatz Bréil mit „Außer Betrieb“-Schild, abgesperrter Bereich, geplante Entfernung des Spielplatzes

„Außer Betrieb“ – der Spielplatz „Bréil“ muss weichen Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Wald nach japanischer Methode

„Ein Tiny Forest ist ein Mini-Wald ab einer Größe von mindestens 100 Quadratmetern“, sagt Britta Dingeldein vom Echternacher „Service des forêts et espaces verts“. Dabei werden auf kleinstem Raum möglichst viele einheimische Bäume und Sträucher gepflanzt. Für Vögel, Schmetterlinge und Insekten „entsteht innerhalb kurzer Zeit eine grüne Oase“. Akira Miyawaki, ein japanischer Botaniker, hat den Tiny Forest erfunden. Das Prinzip, viele Baum- und Straucharten auf engstem Raum zu pflanzen, ahmt die Bedingungen in einem echten Wald nach. Zusätzlich wird so die natürliche Konkurrenz zwischen den Pflanzen gefördert. Dadurch wachsen Tiny Forests besonders schnell heran, heißt es in einer Studie von der Organisation Earthwatch Europe, die sich unter anderem dafür einsetzt, in Großbritannien solche Mini-Wälder anzulegen.

Aber nicht nur Tiere profitieren von einem Tiny Forest. „Diese kleinen Biotope verbessern das Stadtklima, haben eine kühlende Wirkung, speichern CO2 sowie Wasser und filtern Schadstoffe aus der Luft“, sagt Dingeldein. Der Wald sei auch ein Ausgleich zum Neubaugebiet „Oachtergäert“ in der Nähe. Dort wird viel Naturfläche versiegelt, sodass der Tiny Forest laut Dingeldein dem entgegenwirken soll. Es ist ebenfalls geplant, eine Bank im Biotop aufzustellen, damit die Bevölkerung den Tiny Forest erkunden kann. Dadurch funktioniere das Areal auch als Erholungsgebiet im Grünen mitten in der Stadt.

800 Bäume auf 200 Quadratmetern

Der Tiny Forest entsteht auf ungefähr 200 Quadratmetern, sagt Dingeldein. Zunächst muss der Boden beschaffen werden. „Der bestehende Boden wird bis zu einer Tiefe von einem Meter mit Kompost vermischt, damit die neu gepflanzten Setzlinge schnell und gut wachsen.“ Das lockere Bodengemisch begünstige die Nahrungsaufnahme der Pflanzen – und dadurch deren Wachstum. Der Boden wird mit Mulch bedeckt, um Unkraut zu verhindern.

Die Gemeinde plant vier Bäume pro Quadratmeter ein, „sodass insgesamt 800 Bäume und Sträucher im Tiny Forest Platz finden“, sagt Dingeldein. 33 einheimische und zum Teil seltene Baumarten, wie zum Beispiel Speierling und Elsbeere, sollen gepflanzt werden. Noch in diesem Winter plant die Kommune, die Hecken und Bäume zu pflanzen. Für den 7. Februar ist eine Pflanzaktion gemeinsam mit der Echternacher Jugendfeuerwehr vorgesehen. Im April dieses Jahres soll das Projekt fertig sein. Die Gemeinde rechnet laut Dingeldein mit Kosten von insgesamt etwa 18.000 Euro.

Die Kinder in Echternach brauchen sich allerdings keine Sorgen zu machen, dass es ihnen in Zukunft an Spielmöglichkeiten mangelt: Im neuen „Oachtergäert“ plant die Kommune einen modernen – und vor allem größeren – Spielplatz, der den alten ersetzen soll.

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