Beitrag zur Solidarität

Gemeinde Niederanven bekommt Unterkünfte für Geflüchtete

Die Gemeinde Niederanven stellt dem Staat ein Areal für ein Heim für Geflüchtete zur Verfügung. Das sei ihr Beitrag zur Solidarität in Luxemburg. Auf einer Informationsversammlung wurde das Projekt vorgestellt.

Minister Max Hahn und Bürgermeister Fréd Ternes bei Vorstellung der neuen Unterkunft für Geflüchtete in moderner Einrichtung

Minister Max Hahn und Bürgermeister Fréd Ternes stellten die neue Unterkunft für Geflüchtete vor Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Niederanven hat in einer Gemeinderatssitzung Ende Januar einstimmig beschlossen, für den Bau einer Unterkunft für Geflüchtete ein Gebiet an den Staat zu verpachten. Am Dienstag organisierte die Kommune eine Bürgerversammlung, um in Beisein von Bürgermeister Fréd Ternes (CSV) und Max Hahn (DP), Minister für Familie und Integration, die Einwohner über das Projekt zu informieren. Gut 70 Bürger waren im „Centre polyvalent a Schommesch“ in Oberanven dabei. Die beiden Politiker beantworteten ebenfalls ihre Fragen.

Bürgermeister Ternes zeigt frühe, schematische Visualisierung ohne geografische Genauigkeit zur Stadtentwicklung

Bürgermeister Ternes nannte diese Visualisierung eine frühe, geografisch nicht akkurate Darstellung Visualisierung: carvalhoarchitects

Solidarität und Integration

„Es ist mir wichtig, dieses Thema ganz früh, offen und respektvoll im Dialog zu behandeln“, sagte Ternes zu Beginn der Veranstaltung. Bereits vor 15 Jahren habe die Kommune zusammen mit dem Staat überlegt, auf dem Gebiet der Gemeinde Niederanven eine Struktur für Geflüchtete zu errichten. Damals sei eine Kapazität von mindestens 200 Menschen angedacht gewesen. „Ich begrüße, dass wir heute von kleineren und menschlicheren Strukturen sprechen.“ Geplant sind zwei Modulbauten mit jeweils 29 Betten. Für den Bau verpachtet die Gemeinde 20 Jahre lang ein Gebiet von 15,2 Ar an den Staat für insgesamt 255.000 Euro. „Es ist wie eine Miete.“ Die Aufnahmestrukturen für Geflüchtete sollen hinter dem Parkplatz neben dem Senninger Friedhof entstehen. Gesamtkosten für den Bau: 10 Millionen Euro. Sowohl dieses Budget als auch die Kosten für den Betrieb übernimmt der Staat komplett.

Die Strukturen werden mit einer Küche pro Stockwerk und Schlafzimmern von 18 Quadratmetern für jeweils drei Personen ausgestattet sein. Einen festen Zeitplan für den Bau gebe es noch nicht, zuerst müssten die relevanten Baugenehmigungen erteilt werden. „Ziel ist es, Ende des Jahres die Genehmigung zu haben“, sagte Ternes. Der Bau soll 2027 beginnen. Bei einer geschätzten Bauzeit von 18 bis 24 Monaten würde das eine Inbetriebnahme Ende 2028 oder Anfang 2029 bedeuten. „Das hängt aber von den Genehmigungen ab.“

Zwei moderne Gebäude nahe der historischen Kirche in Senningen bei Luxemburg, Baustelle unter klarem Himmel

Die zwei Gebäude sollen nahe der Kirche in Senningen entstehen Grafik: Editpress/Louis Elsen

Die Vorteile kleinerer Strukturen

„Für mich sind genau solche Strukturen die Basis für eine gelungene Integration in unserer Gemeinde“, sagte der Bürgermeister. Die zentrale Lage im Dorf trage dazu bei. Die neue Struktur sei die erste ihrer Art in der Gemeinde und zeige die Solidarität der Kommune. „Wir stehen hier in Niederanven zusammen.“ Menschen mit 96 verschiedenen Nationalitäten lebten aktuell bereits in der Gemeinde. „Das ist eine Realität, aber auch eine Chance.“ Er habe in Niederanven noch keine Probleme bei der Integration bemerkt und sei überzeugt, dass die Gemeinde, „in der es den allermeisten ganz gut geht“, das Projekt gut und konstruktiv umsetzen könne.

Bau der Unterkünfte hinter dem Friedhof in grünem Umfeld mit Baustellenfahrzeugen und Baugerüst

Hinter dem Friedhof sollen die Unterkünfte gebaut werden Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Max Hahn begrüßte die Entscheidung, den Gemeinderat mit ins Boot zu nehmen. „Das ist ein Thema, bei dem man die Parteikarte vergessen sollte.“ Auch die Opposition trägt das Projekt mit. „Wir warten schon lange darauf“, sagte die Gemeinderätin und Präsidentin der Kommission für interkulturelles Zusammenleben in Niederanven, Margaretha Inghelram-Maeyens (LSAP). Sie wünsche sich jedoch eine Einbindung der Kommission. „Vielleicht könnten wir den Geflüchteten Buddys zur Seite stellen, die sie mit auf die Feste und in die Vereine nehmen.“

Es ist unsere verdammte Pflicht, als reiches Luxemburg den Menschen zu helfen

Jacques Bauer (CSV)

Schöffe in Niederanven

Die Fragerunde drehte sich vor allem um die Zufahrt zum Friedhof sowie dessen mögliche Vergrößerung. Die Zufahrtsstraße zum Parkplatz ist eng, die Bürger sorgten sich, dass Lieferanten mit großen Fahrzeugen den Weg blockieren könnten. „Es muss kein riesiger LKW dorthin fahren, die Menschen haben ihre eigene Küche und können selber einkaufen gehen“, sagte der Bürgermeister. Diese Ausstattung ist laut Minister der große Vorteil dieser Strukturen. Eine andere Angst: Platzmangel auf dem Friedhof. Das Areal war ursprünglich für einen möglichen Ausbau vorgesehen. „Unseren Prognosen zufolge benötigen wir in den nächsten 20 Jahren keinen weiteren Ausbau des Friedhofs“, sagte Ternes.

Nach der Präsentation gab es einen Empfang. Einige Anwesende waren bereit, mit dem Tageblatt zu sprechen, wollten jedoch anonym bleiben. „Wenn Familien kommen, ist es OK. Falls Junggesellen einziehen, nicht“, sagte ein Mann. „Es ist schön, dass es ein kleines Projekt wird“, sagte eine Frau. Sie habe nicht gewusst, dass diese Möglichkeit existiert. Ein Mann und seine Frau kritisierten jedoch, dass der Platz bereits feststeht, sie hätten sich bei der Versammlung Auswahlmöglichkeiten erwartet. „Es gab im Vorfeld einige Sorgen, dass 58 junge Männer kämen“, sagte ein anderer Mann. Er sei jedoch nun beruhigt, dass auch Familien einziehen würden.

Weitere Kapazitäten nötig

Aktuell gibt es laut Hahn über 8.000 Betten für Geflüchtete in 40 Gemeinden. Strukturen wie die in Niederanven geplante gebe es im Großherzogtum momentan acht. „Das ist nicht viel – ich will das ändern.“ Denn: Integration funktioniere am besten in kleineren Strukturen. Er sei in Kontakt mit anderen Gemeinden, wolle sich dazu aber nicht äußern, bevor die Kommunen ihre Bürger informiert haben. „Ich habe 18 Jahre Gemeindepolitik gemacht, ich weiß, wie sensibel dieses Thema ist“, sagte Hahn. Eine zusätzliche Struktur sei in Käerjeng im Bau. „Im Mai werden wir in Rodange ein solches Gebäude in Betrieb nehmen.“ Er habe weitere gute Gespräche mit anderen Gemeinden. Auch Niederanven zeigt sich laut Ternes offen für weitere Aufnahmestrukturen. Zuerst müsse die Kommune jedoch die Erfahrungen abwarten. „Wir hatten bislang keine Asylsuchenden.“

DPI oder BPI?

Niederanven nahm zwar in Ernster und Oberanven Geflüchtete aus der Ukraine auf. Dennoch ist die Struktur in Senningen die erste ihrer Art in der Gemeinde. Denn: In Senningen sollen „Demandeurs de protection internationale“ (DPI), also Asylsuchende, einziehen. Das sind Menschen, die einen Antrag auf Schutz in Luxemburg gestellt haben, die Entscheidung darüber aber noch aussteht. In Ernster und Oberanven wohnen dagegen sogenannte „Bénéficiaires de protection internationale“ (BPI), also Menschen, deren Antrag positiv ausgefallen ist.

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