Invasive Art

Tigermücke in Bonneweg: Deshalb klingelt die „Santé“ an Ihrer Tür

Die Gesundheitsdirektion geht am Mittwoch in Bonneweg von Tür zu Tür. Der Grund ist fünf Millimeter groß, schwarz-weiß gestreift und sticht bei Tageslicht. Die Behörden gehen davon aus, dass sich die Tigermücke im Viertel eingerichtet hat.

Die asiatische Tigermücke breitet sich in Europa immer weiter aus und ist nun auch in Luxemburg heimisch

Die asiatische Tigermücke breitet sich in Europa immer weiter aus und ist nun auch in Luxemburg heimisch Foto: Ennio Leanza/Keystone/dpa

Beamte der Gesundheitsdirektion klingeln am Mittwoch in Bonneweg an den Haustüren. Zwischen 16 und 20 Uhr sind sie rund um den Kaltreispark unterwegs. Denn die „Inspection sanitaire“ hat dort die asiatische Tigermücke nachgewiesen, Aedes albopictus. Meldungen aus dem Viertel gibt es bereits seit 2023. Dass sie sich wiederholen, lasse darauf schließen, dass die Art vor Ort inzwischen heimisch sei, teilt das Gesundheitsministerium am Dienstag mit.

Dieser Satz hat es in sich. Bisher lautete die offizielle Linie: Die Tigermücke überwintere in Luxemburg nicht, sie werde jeden Sommer neu eingeschleppt, von Reisenden und über den Warenverkehr. Zum ersten Mal überhaupt entdeckt wurde sie hierzulande im September 2022. Ein Verwandter ist längst da: Die Japanische Buschmücke lebt bereits dauerhaft im Land, gilt aber als deutlich schlechterer Krankheitsüberträger.

Die Mücke aus dem Blumentopf

Die Tigermücke ist zwar Fernreisender, aber im Alltag eher im Nahverkehr unterwegs. Ihr Flugradius liegt bei rund 200 Metern. Wer im Garten gestochen wird, hat die Brutstätte also meist im selben Garten stehen. Diese ist nass, und es reichen kleinste Wassermengen: Gießkannen, Eimer, ein vergessenes Kinderspielzeug, eine verstopfte Dachrinne.

Die Empfehlung zur Bekämpfung ist deshalb unspektakulär, aber effektiv: Wasserbehälter mindestens einmal pro Woche leeren und ausputzen, Regentonnen abdecken, Abflüsse freihalten und Gegenstände trocken lagern. Eingerahmt wird das Ganze von Fliegengittern und Moskitonetzen.

Das Gesundheitsrisiko

Wer jetzt eine Epidemie in Bonneweg fürchtet, der sei beruhigt: Die Tigermücke bringt Dengue, Chikungunya oder Zika nicht mit. Sie muss erst einen infizierten Menschen stechen, meist einen Rückkehrer aus den Tropen, und den Erreger dann weitergeben.

Das passiert allerdings immer häufiger in der Nachbarschaft. Frankreich zählte 2025 809 einheimisch erworbene Chikungunya-Fälle, so viele wie nie seit 2006, dazu 30 Dengue-Fälle. Betroffen waren acht Regionen, darunter der Grand Est. Anfang 2026 galt die Tigermücke in 83 der 96 französischen Departements als etabliert.

In Luxemburg stellen Beamte der Gesundheitsdirektion von Mitte April bis Mitte November Eier- und Adultfallen an verschiedenen Standorten auf. Die Bestimmung der Art übernimmt das Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST).

Mithelfen kann jeder. Über die Gratis-App „Mosquito Alert“ lassen sich verdächtige Exemplare fotografieren und melden. Die Behörden nutzen diese Meldungen, um ihre Überwachung nachzujustieren. Und wer den Untersetzer unter dem Basilikum ausleert, betreibt im wahrsten Sinne des Wortes Seuchenschutz. Man braucht nicht einmal eine FFP2-Maske.

1 Kommentare
jojo 01.09.202619:05 Uhr

Wie steht es um die Gartenteiche? Die renaturierten Wasserläufe?

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