Echternach
Springprozession wurde zur „Schwitzprozession“
Bei glühender Hitze nahmen tausende Pilger an der „Sprangpressessioun“ in Echternach teil. Den Weg zur erfrischenden Willibrordusquelle in der verwinkelten Krypta fanden aber erstaunlich wenige.
Bis zu 14.000 Pilger wurden zur Springprozession 2026 erwartet Foto: Editpress/Alain Rischard
Seit Tagen sorgt das Hochdruckgebiet „Zeno“ für hochsommerliche Temperaturen in Luxemburg. Wer sich auf den Weg nach Echternach machte, war also vorgewarnt – und im Idealfall auch gut auf rund 30 Grad Hitze vorbereitet. Die Zuschauer am Rande der Prozessionsstrecke suchten Schutz unter Schirmen und in schattigen Straßenecken, manche „Springer“ trugen Kopfbedeckungen, die sie spätestens am Grabmonument des heiligen Willibrord respektvoll absetzten.
Gerät die Heilquelle in der Willibrordus-Basilika in Vergessenheit?
Dass sich in der Krypta zugleich eine „Erfrischungsmöglichkeit“ befindet, scheint jedoch nicht jeder zu wissen. Wenige Meter hinter der Grabstätte zweigt ein Gang nach rechts ab, an dessen Ende eine Treppe hinunter zur Willibrordusquelle führt. Den Überlieferungen zufolge suchten Pilger die Quelle einst in der Hoffnung auf, Linderung und Heilung von Hautkrankheiten zu erfahren. Und auch heute noch lösen sich kleinere Gruppen aus dem Menschenstrom, um ihr weißes Tuch in das kühle Wasser zu tunken, sich damit die Handgelenke und die Stirn zu befeuchten.

Die Willibrordusquelle befindet sich in einem Seitengang neben Willibrords Grabstätte Foto: Editpress/Lisa Goedert
Dieses Ritual wollte auch die 95-jährige Leonie Moris vollziehen und ließ dafür ihren Rollstuhl vor der Basilika stehen. Gestützt von ihren Verwandten, kämpfte sie sich im Takt der Blaskapelle durch das gesamte Kirchenschiff, bestritt tapfer alle Stufen bis zum Wasserbecken in der Krypta. Die „Sprangpressessioun“ besucht sie seit Jahrzehnten, mit einem schattigen Zuschauer-Sitzplatz im Kreise ihrer Mitbewohner des HPPA Mersch wollte sie sich allerdings nicht begnügen: „Ich kann ja noch laufen, also springe ich“, sagt sie voller Überzeugung.

Leonie Moris (95) stieg für den Besuch der Krypta aus ihrem Rollstuhl Foto: Editpress/Lisa Goedert
Eine Gruppe aus dem Viandener Seniorenhaus „Schlassbléck“ hatte sich derweil unter der Markise eines Cafés am Marktplatz eingefunden. Auch hier hielt es die hochbetagten Besucher beim Ertönen der berühmten Polkamelodie kaum in ihren Rollstühlen: Wer konnte, richtete sich auf und absolvierte mit Hilfe von Betreuerin Monika und ihrer Kollegin ein paar Pilgerschritte. Zwischendurch wurde immer wieder Trinkwasser in die Pappbecher der Viandener verteilt: „Wir müssen darauf achten, dass sie bei diesem Wetter genug trinken“, so Monika, die einen großen Beutel mit Wasserflaschen dabei hat.

Pflegerin Monika schenkte den Senioren regelmäßig Trinkwasser nach Foto: Editpress/Alain Rischard
Für die älteren Generationen ist der Besuch der Springprozession oft noch eng an das Gebet geknüpft. Für die zahlreichen Touristen, die es jährlich am Pfingstdienstag in die Abteistadt zieht, ist der religiöse Grundgedanke oft nicht mehr ausschlaggebend. Das Spektakel, das seit 2010 den Status des immateriellen UNESCO-Kulturerbes genießt, lässt sich schließlich auch wunderbar als Volksfest erleben.

Die Springprozession zieht über den Marktplatz in Echternach Foto: Editpress/Alain Rischard