Ettelbrück

Rück- und Ausblick mit Bürgermeister Bob Steichen

„Ich kann wirklich nicht über Arbeitsmangel klagen“, so LSAP-Bürgermeister Bob Steichen gegenüber dem Tageblatt. Allein die Projekte der Gemeinde würden ihn auf Trab halten, dazu kämen noch die Vorbereitungen zur bisher größten Gemeindefusion Luxemburgs.

Bob Steichen zeigt Zuversicht bei der Nordstad-Fusion, symbolisch für erfolgreiche regionale Zusammenarbeit und Entwicklung

Bob Steichen ist zuversichtlich, dass die „Nordstad“-Fusion zustande kommt Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

„Ich habe noch kurz auf einer Baustelle vorbeigeschaut, deshalb habe ich mich leicht verspätet“, so Bob Steichen am Dienstagmorgen. „Es ist immer wieder von Vorteil, wenn man sich selbst ein Bild der Arbeiten macht, die im Moment auf dem Gebiet der Gemeinde vonstattengehen“, fügte er auf dem Weg zu seinem Büro hinzu.

Im Rahmen unseres Gesprächs wollten wir zusammen mit dem Ersten Bürger der „Bauernstadt“, wie sie Bob Steichen mit Stolz nennt, auf die im vergangenen Jahr realisierten sowie auf die anstehenden Projekte blicken.

Tageblatt: Was waren für Sie und natürlich für die Gemeinde die wichtigsten Projekte des vergangenen Jahres?

Bob Steichen: Das Jahr 2025 stand für uns zuerst einmal im Zeichen der Luga-Expo, die zusammen mit der landwirtschaftlichen Ausstellung sehr viel Arbeit für unsere Gemeindedienste bedeutete. Doch dieser Aufwand hat sich gelohnt. Unser Stadtbild hat sich dank der verschiedenen Luga-Projekte wesentlich verändert. Nicht zu vergessen sind dabei Projekte wie die Neugestaltung der Alzette-Promenade, das Anlegen einer Minigolf-Anlage, die im Frühjahr dieses Jahres in Betrieb genommen wird, und die Umgestaltung des Marktplatzes inklusive Errichtung eines großartigen Spielplatzes und eines Pavillons, in dem man bei Getränken und Snacks verweilen kann. Dieses sehr aufwendige Gesamtprojekt soll Ende März endlich fertiggestellt sein. Wir hatten zudem verschiedene Baustellen im Stadtkern, die einerseits für viel Diskussionsstoff unter den Bürgern sorgten, doch im Nachhinein sind die meisten doch sehr zufrieden über das Resultat. Ich denke da zum Beispiel an die Bauarbeiten auf dem Rathausvorplatz, die im Kern der Ortschaft so manche Einheimische und auch Gäste zur Verzweiflung brachten. Doch spätestens jetzt, wo dieses Projekt fertiggestellt ist, sieht man, wie diese Neugestaltung den Stadtkern aufwertet. Zusammengefasst: Die urbane Aufwertung unserer Stadt war uns wichtig.

Nun steht das wohl größte jemals in der Gemeinde Ettelbrück verabschiedete und realisierte Bauvorhaben ins Haus. Hat man neben diesem Vorhaben noch Zeit und Geld für andere Projekte?

Sie sprechen den geplanten Schulneubau in Warken an. Das wird natürlich für eine Gemeinde in unserer Größenordnung kein leichtes Unterfangen. Der Kostenvoranschlag von rund 90 Millionen Euro ist kein Zuckerschlecken. Doch man sollte wissen, dass dies eine Investierung in die Zukunft unserer Gesellschaft ist. Dieses Projekt sieht aber nicht nur den Bau einer neuen und dringend notwendigen Grundschule vor, dazu kommen nämlich eine Sporthalle, eine „Maison relais“, ein sogenannter grüner Schulhof sowie ein unterirdischer Parkplatz. Die Arbeiten sollen demnächst beginnen und werden voraussichtlich für den Schulbeginn im September 2029 beendet sein. Ein wichtiges Projekt ist aber auch die neue Bibliothek im früheren Consum-Gebäude in der Fußgängerzone. Die Ettelbrücker Stadtbibliothek hat sich in der Zwischenzeit weit über die Stadtgrenzen hinaus einen guten Namen gemacht, dies einerseits wegen ihres weitgefächerten Angebots und andererseits wegen der sehr professionellen Führung. Was den Straßenbau anbelangt, haben wir 2025 die Pierre-Wiser-Straße, die Zimmer-, Lentz- und Manternach-Straße neugestaltet, in diesem Jahr kommt noch die rue de la Colline hinzu. Obwohl die Gemeinde nicht der Bauträger ist, kommen trotzdem Arbeiten im Rahmen des Projekts „Ettelbruck One“ oder auch noch „Centre administratif Nordstad“ an der Einfahrt von der B7 nach Ettelbrück auf die Gemeinde zu. Das Gleiche gilt für die umfangreichen Bauarbeiten am Bahnhof, wo nun auch mit dem Bau der Jugendherberge begonnen wurde. Nebenbei bemerkt: Der Autotunnel, der unter dem Bahnhofsgelände verläuft, soll 2028 in Betrieb genommen werden.

Sie erwähnten nun die „Nordstad“. Wo sind denn die Fusionsgespräche dran?

Ich kann nur sagen, dass die Bürgermeister, Schöffen und Gemeinderäte der vier Gemeinden Diekirch, Erpeldingen/Sauer, Ettelbrück und Schieren aktiv in Richtung Fusion arbeiten. Jeden Dienstagmorgen treffen sich die vier Bürgermeister zusammen mit dem Personal des „Nordstad“-Büros und der „Nordstad“-Entwicklungsgesellschaft. Im kommenden Jahr soll bekanntlich in den vier Gemeinden ein Referendum zur Fusion statttfinden. Es wird bis dahin sicherlich nicht einfach, konkrete Pläne auf den Tisch zu legen, doch ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen.

Jeder Mensch soll sich in unserer Gemeinde wohl und sicher fühlen können, unabhängig von Herkunft, religiöser Zugehörigkeit oder sozialer Schicht

Aus Ihrem Munde haben wir des Öfteren gehört, dass es für die Gemeinde Ettelbrück eine weitere Herausforderung gibt, die wohl nicht spezifisch allein auf Ihre Gemeinde zutrifft. Dabei geht es um die gesellschaftliche Veränderung.

Es ist mir überaus wichtig, dass die Bürger und auch die Gäste unserer Stadt eine gute Lebensqualität vorfinden. Dazu kommt, dass wir alles daransetzen müssen, dass das Bild der „Einkaufsstadt des Nordens“ erhalten bleibt. Das ist aber leichter gesagt als getan. Wir haben heute mehr denn je mit einer sehr multikulturellen Gesellschaft zu tun. Jeder Mensch soll sich in unserer Gemeinde wohl und sicher fühlen können, unabhängig von Herkunft, religiöser Zugehörigkeit oder sozialer Schicht. Was die „Einkaufsstadt“ anbelangt, kämpfen auch wir gegen einen zunehmenden Leerstand an Geschäftslokalen. Der Online-Handel macht hier vieles zunichte. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere bestehende Geschäftswelt, die noch immer mit einem großen Angebot daherkommt, unterstützen. Dazu gehören unter anderem der Wochenmarkt, aber auch kulturelle Events im Stadtkern.

Zu Beginn eines neuen Jahres hegt man immer wieder Wünsche. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Ich wünsche mir so einiges, über eine gute Gesundheit bis hin zu viel Energie, um weiter so arbeiten zu können, wie ich das zurzeit kann. Ich wünsche mir zudem, dass wir im Gemeinderat weiterhin in einer guten Atmosphäre im Interesse unserer Bürger schalten und walten können … doch eigentlich wünsche ich mir vor alledem, dass sich die Welt endlich wieder beruhigt.

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