Tierseite
Der heimliche Wassergeist: Das faszinierende Leben des Fischotters
Elegant, verspielt und fast unsichtbar streift der Fischotter durch Gewässer. Als sensibler Jäger und Meister der Anpassung steht er sinnbildlich für die Qualität von Flüssen.
Auch erwachsene Fischotter zeigen ein Verhalten, das an spielerische Interaktionen erinnert Foto: Rudi Dujardin
Kaum ein Tier verkörpert die Wildnis der Luxemburger Flüsse so eindrücklich wie der Fischotter (Lutra lutra). Wer ihn zu Gesicht bekommt, erlebt einen seltenen Moment: Elegant gleitet er durch das Wasser, taucht spielerisch unter oder huscht lautlos am Ufer entlang. Sein schlanker, muskulöser Körper, die dichten, wasserabweisenden Haare und die kräftigen Pfoten machen ihn zu einem perfekten Bewohner fließender und stehender Gewässer.
Der Fischotter ist ein Meister der Anpassung. Als Dämmerungs- und Nachtjäger verlässt er seine versteckten Tagesruhen – meist Röhren oder dichter Uferbewuchs – erst, wenn die Umgebung zur Ruhe kommt. Im Wasser wird er zum geschickten Jäger: Mit bis zu acht Minuten Tauchzeit, einem hervorragenden Tastsinn über die Vibrissen und einer unglaublichen Wendigkeit verfolgt er Fische, Amphibien, Krebse und gelegentlich auch kleine Säugetiere. Doch entgegen seines Namens ist er kein reiner Fischfresser – seine Ernährung ist abwechslungsreicher, als viele glauben.
Typisch für den Otter ist seine ausgeprägte Verspieltheit. Jungtiere üben das Tauchen, Rutschen und Jagen oft in stundenlangen, augenscheinlich fröhlichen Bewegungen. Auch erwachsene Tiere zeigen ein Verhalten, das an spielerische Interaktionen erinnert – ein Zeichen für ihre hohe Intelligenz und Neugier.
Doch der Otter ist nicht nur charismatisch, sondern auch sensibel. Er braucht strukturreiche, naturnahe Gewässer mit reichlich Deckung, vielfältigen Uferzonen und guter Wasserqualität. Das Verschwinden solcher Lebensräume führte ihn in vielen Regionen an den Rand des Aussterbens. Dank Gewässerschutz, Renaturierungen und einer verbesserten Wasserqualität breitet er sich vielerorts langsam wieder aus – ein positives Signal für ganze Ökosysteme. Denn der Fischotter gilt als Leit- und Schirmart: Wo er lebt, sind Gewässer und Uferlebensräume meist in gutem Zustand.
Seine Rückkehr ist daher weit mehr als eine biologische Randnotiz. Sie zeigt, dass Flüsse wieder lebenswert werden – für Otter, aber auch für Menschen. Wer also an einem stillen Morgen frische, runde Trittsiegel im Schlamm entdeckt oder die typischen „Schaukelhaufen“ aus Kot auf einem Stein findet, kann sich glücklich schätzen. Es sind die Spuren eines Tieres, das mit seinem geheimnisvollen Wesen unsere Landschaften bereichert wie kaum ein anderes.
Naturpark Our
Der Naturpark Our liegt im Norden Luxemburgs an der Grenze zu Belgien und Deutschland und erstreckt sich über 491 km². Das Gebiet ist geprägt durch die Flüsse Our, Clerve und Wiltz mit ihren Tälern, Hängen und Bergrücken. Der Naturpark Our arbeitet gezielt an einer nachhaltigen Entwicklung der Region, indem er Projekte in den Bereichen Natur und Umwelt, Klimaschutz, regionale Produkte, Kultur und Tourismus umsetzt und die Zusammenarbeit zwischen Gemeinden und regionalen Akteuren stärkt.