Konzept ging nicht auf
„Résidence Le Parc Laval“ in Esch: Die Seniorenresidenz, die nie eine war
Die „Résidence Le Parc Laval“ in Esch ist keine Seniorenresidenz mehr – und war es laut „Conseil syndical“ nie wirklich. Ein Blick auf ein Konzept, das nicht aufging.
Die „Résidence Le Parc Laval“ an der place des Sacrifiés 1940-1945 in Esch wurde Jahrzehntelang als Seniorenresidenz wahrgenommen Foto: Editpress/Alain Rischard
Wer an die „Résidence Le Parc Laval“ gegenüber der „Escher Schwemm“ denkt, verbindet diese mit einer Seniorenresidenz. Mittlerweile leben dort jedoch Menschen jedes Alters: 27- und 93-Jährige begegnen sich im Hausflur. Warum sich das ursprüngliche Konzept als wenig stimmig erwies, erklärt der „Conseil syndical“ des Wohngebäudes.
Als die Résidence 1997 bezugsfertig war, wurde sie als Seniorenresidenz mit einer Form des betreuten Wohnens konzipiert. „Die Stadt Esch händigte damals eine Broschüre aus, in der das Format der ‚vie assistée‘ beworben wurde“, so Jean-Claude Thiltges, Präsident des „Conseil syndical“. Das Konzept wirkte zunächst durchdacht: Ein Restaurant versorgte die 67 Wohneinheiten des Hauses, ein Friseursalon kümmerte sich um die Bewohnerinnen und Bewohner und eine Krankenschwester stand im Notfall bereit. In der praktischen Umsetzung zeigten sich jedoch bald Schwächen.
Das Restaurant wurde bis 2023 vom Gastronomieunternehmen Sodexo betrieben, das zugleich die Verwaltung und das Personal des Gebäudes übernahm. Über einen Vertrag mit dem „Centre hospitalier Emile Mayrisch“ war eine Krankenschwester für die medizinische Betreuung zuständig. Sie hatte jedoch den Status einer „infirmière administrative“ und durfte selbst keine pflegerischen Maßnahmen durchführen, sondern lediglich Hilfe anfordern.
Die Idee damals war gut, doch das waren noch andere Zeiten
Jean-Claude Thiltges
Präsident des „Conseil syndical“
Überholtes Konzept
Jean-Claude Thiltges (r.), Präsident des „Conseil syndical“, erklärt, was sich im Gebäude verändert hat Foto: Editpress/Alain Rischard
Zwei Assistentinnen sowie ein Hausmeister kümmerten sich um den Empfang und die Instandhaltung des Gebäudes. Später wurde die Krankenschwester zur Direktorin ernannt, zudem führte man ein Altersminimum ein: Wohnungssuchende sollten mindestens 60 Jahre alt sein. „Das ist eine Anforderung, die man so eigentlich gar nicht stellen darf“, erklärt Thiltges. Die sinkende Nachfrage nach Tagesmenüs – unter anderem aufgrund nachlassender Qualität – veranlasste Sodexo schließlich 2023 dazu, den Vertrag zu kündigen. Seither steht das Restaurant an der place des Sacrifiés 1940-1945 leer.
Auch der Friseursalon ist inzwischen geschlossen, der Pflegedienst wurde eingestellt. Heute arbeiten lediglich eine Rezeptionistin in Teilzeit und Hausmeister „Momo“ im Gebäude. Beide sind beim „Conseil syndical“ angestellt – ihre Kosten werden über die Nebenkosten der Bewohnerinnen und Bewohner gedeckt. Die Hausverwaltung wird heute von iGest übernommen. „Die Idee damals war gut, doch das waren noch andere Zeiten“, so Thiltges. „Heute gibt es mehrere private Pflegedienste und Einrichtungen, auf die die Menschen zurückgreifen können.“ Das ursprüngliche Konzept sei damit überholt.
Einzelne Dienstleistungen
Minou ist die hauseigene Katze – sie wurde umherstreunend von der Gemeinschaft aufgenommen und verbringt ihre Zeit am liebsten im Gemeinschaftsraum Foto: Editpress/Alain Rischard
Im Erdgeschoss befindet sich schon länger ein Drinkshop, und das Restaurant soll künftig neu bewirtschaftet werden. Tageblatt-Informationen zufolge ist unter anderem von einer Bäckerei die Rede. Teilweise werden älteren Bewohnerinnen und Bewohnern weiterhin Dienstleistungen angeboten, etwa das Besorgen von Medikamenten nach einem Arztbesuch inklusive Lieferung an die Haustür.
Im Gemeinschaftsraum werden nach wie vor Aktivitäten organisiert: Mittwochs findet ein Rummikub-Abend statt, auch eine „Kleeserchersfeier“ oder ein „Hierkefest“ stehen auf dem Programm. Laut Thiltges stoßen diese Angebote jedoch zunehmend auf geringes Interesse.