Luxemburg-Stadt
Nach Kritik: Neue Organisationsordnung für das Konservatorium beschlossen
Die neue Organisationsordnung des Konservatoriums ist beschlossen. Nach der Kritik der vergangenen Wochen fordert die Opposition nun Transparenz und die konsequente Umsetzung der neuen Regeln.
Das hauptstädtische Konservatorium stand in den vergangenen Wochen im Mittelpunkt mehrerer Diskussionen Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Die Diskussion rund um das Konservatorium der Stadt Luxemburg scheint beigelegt. Am Montagnachmittag wurde die neue Organisation der Musikeinrichtung für das kommende Schuljahr im Gemeinderat mit viel Lob von den Rednerinnen und Rednern verabschiedet.
Die Online-Zeitung Reporter.lu hatte im Mai über angebliche Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Entlastungsstunden sowie über ein angespanntes bis feindseliges Arbeitsklima zwischen Personal und Direktion berichtet. Bürgermeisterin Lydie Polfer wies die Vorwürfe wenige Tage später im Gemeinderat zurück und erklärte, dass keine Unregelmäßigkeiten vorgekommen seien. Gleichzeitig kündigte sie an, dass eine neue Organisationsordnung erarbeitet worden sei, die offene Fragen klären und dem Gemeinderat vorgestellt werden solle.
Dieses Papier wurde nun verabschiedet. Gemeinderätin Liudumila Branca („déi gréng“) betonte in ihrer Rede jedoch, dass „die Schulorganisation des Konservatoriums mehr sein sollte als eine reine Verwaltungsvorgabe“. Sie könne als Instrument für Transparenz, gute Governance und Steuerung dienen und sowohl der Politik als auch der Öffentlichkeit einen besseren Einblick in die Entwicklung der Institution ermöglichen. Entscheidend seien nun die konsequente Umsetzung der neuen Regelung, die Ausarbeitung einer neuen Geschäftsordnung sowie die Einbindung aller relevanten Gremien – darunter die Personalvertretung, die Gemeindekommissionen sowie Vertreterinnen und Vertreter der Schülerinnen und Schüler und der Eltern.
Hohe Einschreibungszahlen verursachen Mehrarbeit
Branca hatte nach den Vorwürfen im Reporter.lu-Artikel zudem eine dringende Anfrage an den Schöffenrat gestellt, auf die Polfer bereits am 15. Juni eingegangen war. Der große Erfolg des Konservatoriums in Verbindung mit den neuen Gesetzen von 2022 und 2023 habe die Einrichtung vor erhebliche logistische Herausforderungen gestellt und zu deutlich mehr Arbeit geführt. Es habe viel „Kreativität“ gebraucht, um Lösungen zu finden – in enger Abstimmung mit allen betroffenen Partnern. Mehr als 50 Sitzungen seien abgehalten worden, um eine klarere Organisation auszuarbeiten.
Zu den Entlastungsstunden erklärte Polfer, das Konservatorium habe sich keineswegs in der „Illegalität“ befunden. Die Sektionsleiter hätten schlicht einen „enormen Berg an Arbeit“ bewältigen müssen. Deshalb seien ihnen zwei Funktionen übertragen worden: einerseits die Leitung ihrer jeweiligen Sektion, andererseits Aufgaben in der Administration und Koordination. Für beide Funktionen seien Entlastungsstunden gewährt worden, da die Direktion aufgrund des starken Anstiegs der Einschreibungen einen erhöhten Arbeitsaufwand festgestellt und der Schöffenrat diese Lösung genehmigt habe. „Das war eine punktuelle Hilfe, für die wir sehr dankbar sind. Nur so konnten die Einschreibungen so reibungslos über die Bühne gehen, wie sie es getan haben“, sagte Polfer. Der Bericht von Reporter.lu sei beim Personal des Konservatoriums zudem auf großes Unverständnis gestoßen.
Die Position des Direktors sei wiederum intern ausgeschrieben worden, „um einer Person, die eine große Erfahrung sowohl im pädagogischen als auch im administrativ‑legalen Bereich hat, die Möglichkeit zu geben, sich zu bewerben.“ Das Konservatorium stelle einen der größten Kulturbetriebe des Landes dar. Mit der neuen Direktionsmannschaft rund um den bisherigen Vizedirektor Serge Bausch blicke die Gemeinde „sehr zuversichtlich“ in die Zukunft.
Ein paar Zahlen zum kommenden Schuljahr
Zum 6. Juli lautet die bisherige Bilanz für das Konservatorium wie folgt:
7.000 Anfragen für Musikkurse wurden eingereicht.
5.555 Schüler sind bereits voreingeschrieben.
4.266 Schüler sind schon fest eingeschrieben.
1.480 Kandidaten müssen noch den Anmelde-Test bestehen.
204.720 Schulstunden sind insgesamt im Jahr vorgesehen. Pro Woche werden ungefähr 3.412 Stunden Kurse geleistet.
65 verbeamtete Musiklehrer und 154 „Chargé(e)s de cours“ sind im Konservatorium beschäftigt. 48 administrative und technische Helfer bilden das organisatorische Rückgrat. Es werden 12 weitere Musiklehrer gesucht.