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Mit Degility zur inneren Ruhe: Wie die bewusste Entschleunigung nervösen Hunden hilft, gelassener zu werden

Ständig im Stressmodus, abgelenkt und unruhig: Viele Hundehalter kennen das. Wie Degility hier als Notbremse wirkt, damit der Vierbeiner wieder im Hier und Jetzt ankommt, verrät Hundetrainerin Anna-Lena Revelant dem Tageblatt.

Hund entspannt bei Degility Training zur Förderung von Selbstregulation und Impulskontrolle durch gezielte Entschleunigung

Bei Degility geht es nicht um Höchstleistungen, sondern darum, durch gezielte Entschleunigung die Selbstregulation und Impulskontrolle des Hundes zu fördern Foto: Deborah Rimi

Tageblatt: Was unterscheidet Degility vom rasanten Agility-Sport?

Anna-Lena Revelant: Beim Agility zählen Tempo und fehlerfreie Ausführung. Für Hunde, die schnell hochdrehen und Schwierigkeiten haben, wieder runterzukommen, ist dieser Rausch oft zu viel. Beim Degility nehmen wir bewusst die Geschwindigkeit heraus. Der Hund soll sich auf seinen Körper, den Menschen und die Aufgabe konzentrieren. Es geht weniger um Leistung als um Wahrnehmung. Er darf schauen, überlegen und in seinem Tempo Lösungen finden. Ruhe und Orientierung stehen im Fokus.

Welche typischen Anzeichen zeigen Hunde, für die dieses Training genau der richtige Ansatz ist?

Das Problem ist meist nicht zu viel Energie, sondern die Unfähigkeit, sie zu regulieren. Solche Hunde reagieren auf jeden Reiz, lassen sich leicht ablenken und kommen einfach nie zur Ruhe. Oft heißt es dann, sie bräuchten noch mehr Auslastung. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Lösung lautet Entschleunigung und Fokus. Degility ist ideal für Hunde, die schlecht warten können, schnell frustriert sind oder kopflos durch Übungen rennen. Auch unsichere Tiere profitieren enorm: Der ruhige Parcours ohne Druck baut echtes Selbstvertrauen auf.

Wie genau hilft körperliche Langsamkeit auf den Geräten dabei, dass der Hund auch mental zur Ruhe kommt?

Schnell über ein Hindernis zu laufen, erfordert kaum mentale Anstrengung. Aber langsam über ein Brett zu gehen, die Pfoten bewusst zu setzen und das Gleichgewicht zu halten, ist eine echte Herausforderung. Wenn man ohne Druck arbeitet und Pausen einbaut, fährt das Nervensystem herunter. Wichtig ist, dass der Hund selbstständig in die Ruhe findet, geführt von einem entspannten Menschen. Der Parcours ist nur das Werkzeug – im Hintergrund trainieren wir Konzentration und Vertrauen.

Welche Rolle spielt der Halter während des Parcours?

Er ist die ruhige Orientierungshilfe. Bin ich hektisch oder ungeduldig, wird es auch mein Hund. Der Parcours spiegelt die Kommunikation sehr ehrlich. Man lernt, den Hund genauer zu beobachten: Wann wird er unsicher? Wann braucht er eine Pause? Ziel ist die Ansprechbarkeit trotz Aufregung. Der Hund muss sich auf seinen Menschen verlassen können, während dieser lernt, fair zu führen. Das stärkt das Team für den Alltag.

Wie lernt der Hund durch die Übungen, nicht sofort impulsiv zu reagieren?

Das Geheimnis liegt in der Entschleunigung. Ein niedriges Balancebrett fordert den Hund mental, weil blindes Losstürmen nicht funktioniert. Das Gehirn muss Reize bewusst verarbeiten und Bewegungen planen. Jeder kontrollierte Schritt wird ruhig belohnt. So lernt der Hund, das automatische Muster „Reiz – sofortige Reaktion“ zu durchbrechen und stattdessen kurz innezuhalten.

Wie schafft es Degility, dass der Hund die gelernte Gelassenheit auch in den Alltag überträgt?

Indem ein Grundprinzip verinnerlicht wird: Im Parcours lernt der Hund durch die Belohnung ruhiger Momente, erst innezuhalten, sich am Menschen zu orientieren und dann zu handeln. Das lässt sich eins zu eins auf Alltagssituationen wie das Aussteigen aus dem Auto, die Haustür oder Hundebegegnungen übertragen.

Für welche Hundetypen ist dieses Training geeignet?

Da sich die Übungen perfekt anpassen lassen, ist das Training für fast alle geeignet – vom Welpen bis zum Senior, ob unsicher oder energiegeladen. Bei Gelenkbeschwerden sollte man sich vorab mit dem Tierarzt absprechen. Wichtig ist, niemals einen Hund über Geräte zu drängen. Für Vierbeiner, die in Gruppen schnell unter Stress geraten, ist Einzeltraining anfangs sinnvoller. Artgerechte Beschäftigung bedeutet nicht reines Auspowern, sondern den Hund körperlich wie geistig so auszugleichen, dass er wieder ganz bei sich selbst ankommen kann.

Mit Degility zur inneren Ruhe: Wie die bewusste Entschleunigung nervösen Hunden hilft, gelassener zu
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© Foto: Deborah Rimi

Mit Degility zur inneren Ruhe: Wie die bewusste Entschleunigung nervösen Hunden hilft, gelassener zu
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